Nachbarn aus dem Orient: „Anno 1404” verknüpft Neues mit Bewährtem

Von: Heiko Haupt, dpa
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„Anno 1404”
Anweisungen von einem Adligen: Bei „Anno 1404” kann sich der Spieler von Lord Northburgh die Marschrichtung vorgeben lassen. Foto: dpa

Hamburg. Das Schiff dümpelt im Hafen, auf der Insel stehen drei Holzhütten, und am Marktplatz treffen sich die wenigen Dorfbewohner. Derweil erzählt ein gewisser Lord Richard Northburgh etwas von einer Dombaustelle.

Das klingt nicht sonderlich spannend? Ist es auch nicht und soll es wohl auch nicht sein. Denn während sich andere Computerspiele darum bemühen, den Spieler mit atemloser Action bei der Stange zu halten, geht es bei einem langerwarteten neuen Titel komplett anders zu. Die Macher von „Anno” haben schon immer - höchst erfolgreich - auf eine gewisse Langsamkeit gesetzt. Das wird sich auch nicht ändern, wenn jetzt mit „Anno 1404” die neueste Generation der Aufbauspiel-Reihe in die Läden kommt.

Das „Anno-Feeling” ist es, was die Anhänger der Serie wollen. Und die Entwickler wären schlecht beraten gewesen, hätten sie dieses spezielle Gefühl außen vor gelassen. Denn ein „Anno”-Spiel beginnt einfach ganz klein und langsam: Der Mensch vor dem Monitor hat - vereinfacht formuliert - den Auftrag, eine leere Insel zu besiedeln. Das bedeutet, dass er Häuschen für die Pioniere unter den Bewohnern baut und für die nötige Infrastruktur in Form von Holzfäller-Hütten und etwa auch einer Fischerkate sorgt.

Denn im Endeffekt dreht sich bei den „Anno”-Spielen alles darum, die steigenden Bedürfnisse der Bewohner zu erfüllen und die Zahl eben dieser Bewohner zu erhöhen. Also sammelt der Holzfäller zunächst das Holz für den Hüttenbau, der Fischer sorgt für die Nahrung. Weil eine Weile später aber niemand mehr in Holzhütten wohnen will, muss der Spieler für Steine sorgen. Und da niemand auf Dauer täglich Fisch auf dem Tisch haben will, gilt es, das Nahrungsangebot zu erweitern.

Das war bisher immer so, und das ist auch beim neuen „Anno 1404” so. Allerdings bemühen sich die Entwickler von Related Designs ebenso wie Publisher Ubisoft aus Düsseldorf redlich, Neuerungen in den Vordergrund zu stellen - schließlich will man den Titel ja verkaufen und die Fans nicht dazu bewegen, weiter den Vorgänger zu spielen.

Neuerungen gibt es tatsächlich. Bei den Schifffahrten durch die Inselwelt ist nun zum Beispiel auch eine Region zu entdecken, die den Orient darstellt. Die Kombination der Kulturen - und vor allem deren unterschiedliche Erzeugnisse - soll mehr Tiefe ins Spiel bringen. Zudem haben sich die Entwickler bemüht, den Einstieg einfach zu gestalten, im späteren Verlauf des Spiels aber genügend Anreize zum Weitermachen zu liefern.

Wie üblich bietet „Anno 1404” zwei Spielmodi. Da ist zum einen das freie Spiel, in dem es schlicht und einfach um das Siedeln und Bauen geht. Der erwähnte Lord Northburgh steht für den zweiten Modus: Es gibt eine Kampagne, bei der neben einem Hauptziel diverse Aufgaben zu erfüllen sind. So bittet der Lord den Spieler nach wenigen Minuten, ihm doch beim Bau eines Kaiserdoms behilflich zu sein. Das betrifft unter anderem die Produktion und Lieferung benötigter Baustoffe.

Per Schiff zu absolvierende Lieferfahrten legen den Umstand offen, dass die Entwickler weitere Zusatzmissionen eingebaut haben. So führt schon eine frühe Route an verlorener Ladung im Meer vorbei, die der Spieler bergen und abliefern muss. Wer dann etwa nach Aufforderung durch den Lord die besagte Dombaustelle per Mausklick inspiziert, der kriegt den Auftrag, den verschollenen Baumeister aufzuspüren. Während ein solcher Auftrag in anderen Spielen aber langwierige Metzeleien in düsteren Katakomben zur Folge haben könnte, ist er bei „Anno 1404” mit einem einzigen Mausklick erledigt: Der Baumeister pennt unter einem Baum neben der Baustelle.

Ob „Anno 1404” im längeren Spielverlauf wirklich wieder über unzählige Stunden motivieren kann, das müssen die Veteranen der Reihe selbst testen. Eines jedenfalls zeigt bereits der Einstieg: „Anno” bleibt „Anno”.

Die „Anno”-Reihe

Den Grundstein für den anhaltenden Erfolg der Reihe legte das im Jahr 1998 erschienene „Anno 1602”. Allein davon sollen bis zum Jahr 2002, in dem mit „Anno 1503” der erste Nachfolger erschien, rund zwei Millionen Exemplare verkauft worden sein. Eine weitere Fortsetzung kam dann 2006 in Form von „Anno 1701” auf den Markt.
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