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Mehr Spam-Mails, weniger Viren

Von: unserem Mitarbeiter Axel Costard
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Aachen. 80 Prozent des gesamten E-Mail-Verkehrs, der weltweit auf mehrere Billionen Stück pro Monat geschätzt wird, ist als „Spam” einzustufen. Tendenz: steigend.

Nur 19 Prozent der elektronischen Postsind nach einer Umfrage unter Systemtreibern vom Empfänger erwünscht.

Dies sagte Prof. Norbert Pohlmann vom Institut für Internet-Sicherheit an der Fachhochschule Gelsenkirchen auf einer Veranstaltung des regionalen IT-Branchenverbandes „Regina”. Aber es gibt auch eine positive Nachricht: Die Zahl der Viren hat sich innerhalb von zwei Jahren halbiert, ihr Anteil liegt derzeit bei unter einem Prozent.

Um die Flut unerwünschter Werbebotschaften einzudämmen, schlägt Pohlmann vor, dass die E-Mail-Provider sich weltweit zusammenschließen sollten, um das Internet zu „kartographieren”. In einem nächsten Schritt sollten Mail-Server nur noch Nachrichten aus Quellen entgegen nehmen, die in die Kategorie „verlässlich” eingestuft worden sind. Sämtliche E-Mails, die unbekannter Herkunft sind, müssten schon beim Posteingang automatisch abgelehnt werden, fordert der Wissenschaftler.

Bei den bisherigen Verfahren werden nur Botschaften blockiert, die von auffällig gewordenen „Absendern” verschickt werden. Damit sind keine E-Mail-Adressen gemeint, die beliebig gefälscht werden können, sondern so genannte „IP-Adressen”, die über „schwarze Listen” ermittelt werden.

Mit der neuen Maßnahme könnte, so glaubt Pohlmann, künftig 67 Prozent der Werbemails bereits an einer Stelle unterbunden werden, an der andere Mechanismen - zum Beispiel Spamfilter - noch gar nicht zum Einsatz gekommen sind.

Die Vor- und Nachteile einer solchen Abwehrstrategie wurde von den Zuhörern im Anschluss an den Vortrag kontrovers diskutiert. Es wurde geltend gemacht, dass in Einzelfällen damit auch die Zustellung von E-Mails verhindert werde, die aus einer unbekannten, aber erwünschten Quelle stammen. Ein Teilnehmer berichtete, dass er mittlerweile auf einen Spamfilter wieder verzichte, nachdem dieser eine wichtige Nachricht fälschlicherweise als „Werbung” eingestuft habe.

„Durch das Verfahren wird Druck aufgebaut”, entgegnete Pohlmann - die Provider werden gezwungen, sich daran zu beteiligen. Zudem könne damit einer der größten Ursachen des Werbeaufkommens begegnet werden - den sogenannten „Bot-Netzen”. Das sind Rechner, die durch einen Virus befallen worden sind und unbemerkt von ihren Besitzern als ferngesteuerte Mailserver missbraucht werden.

Mit der Verbreitung von Breitband-Anschlüssen hat ihre Zahl in den letzten Jahren erheblich zugenommen - im Jahr 2006 um 130 Prozent, wie das Software-Unternehmen Symantec ermittelte. Deutschland und Frankreich liegen in Europa an der Spitze.

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