Kreditbörsen im Netz: Geld von privat an privat

Von: Anne Barthel, dpa
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Kreditbörsen im Netz - Geld von privat an privat
Mit Testsiegel: Wer sich über das Internet einen Kredit besorgen will, sollte auf bestimmte Qualitätskriterien achten. Foto: dpa

Berlin. Verbraucherschützer waren anfangs zum Teil skeptisch, als die neuen Kredit-Plattformen aufkamen. Doch wer sein Risiko durch richtige Abschlüsse begrenzt, muss nichts befürchten. Der deutschen Plattform Smava bescheinigte die Stiftung Warentest in Berlin zum Beispiel seit ihrer Gründung vor drei Jahren bereits dreimal ein stimmiges Konzept - unter anderem, weil Gebühren nur dann anfallen, wenn ein Geschäft zustande kommt.

Smava ist mit rund 4000 Kreditnehmern und mehr als 10.000 Anlegern nach eigenen Angaben Deutschlands führende Online-Kreditbörse.

Der Konkurrent Auxmoney kam im gleichen Zeitraum auf und rund 2900 finanzierte Kreditprojekte. Die Bedingungen sind einfacher als bei einem Bankkredit: Wer Geld braucht, stellt die Summe und die Zinsen, die er zu zahlen bereit ist, auf der Homepage ein. Der Geldverleiher kann sich die ebenfalls eingestellten Angaben zur Bonität - also zur Zahlungsfähigkeit - anschauen und überlegen, ob er in das Projekt investieren will.

Der Mindest- und Höchstbetrag pro Anleger liegt bei Smava zwischen 250 Euro und 100.000 Euro. „Als Alternative zu einem herkömmlichen Bankkredit kann ein Angebot über ein Kreditportal interessant sein. Verbraucher sollten beachten, dass manche Portale ein Entgelt verlangen, auch unabhängig vom Vermittlungserfolg”, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die Gegenseite wiederum sollte zwei Dinge beachten: Erstens nur Kreditportale auswählen, bei denen das Risiko eines Ausfalls auf Anleger der gesamten Risikoklasse verteilt wird. Zweitens die Kreditsumme auf einen kleinen Teil des Vermögens - beispielsweise 10 bis 20 Prozent - begrenzen und auch nur auf denjenigen Teil, für den Risiken in Kauf genommen werden können, rät der Finanzexperte. Denn eine Einlagensicherung gibt es bei Online-Krediten nicht.

Und die Plattformbetreiber nehmen von beiden Parteien eine Gebühr. Der Kreditgeber zahlt einmalig 1,35 Prozent des Gebotbetrags als Bearbeitungsgebühr. Der Kreditnehmer zahlt abhängig von der Laufzeit. Bei 60 Monaten sind es zum Beispiel 3 Prozent des Gesamtbetrags.

Was bei Jobs, Gehältern und normalen Bankkrediten seit Jahrzehnten nicht funktioniert, klappt beim Online-Geschäft auf Anhieb: Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin zeigen, dass Banken von Frauen einen höheren Zins oder mehr Sicherheiten als von Männern verlangen, obwohl es keine Unterschiede beispielsweise beim geschätzten Ausfallrisiko gab. Im Netz ist das anders.

„Auf diesen Plattformen werden Unternehmerinnen nicht schlechter gestellt als Unternehmer. Das heißt, dass sie die gleichen Kreditchancen haben oder sogar bessere”, sagt DIW-Mitarbeiterin Nataliya Barasinska. Thomas Meyer von DB Research in Frankfurt/Main sieht in den Plattformen dennoch keine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Banken. Es gehe um andere Kreditvolumina.

Nach seiner Einschätzung seien die Online-Börsen „Nischenanbieter”. Meyer hat mehrere Artikel zu dem Thema publiziert und dabei speziell den amerikanischen Markt untersucht. „Die Angebote richten sich primär an Verbraucher”, lautet sein Fazit. Selbstständige und Kleinunternehmen würden bei den Kreditbörsen eventuell leichter an eine Start- oder Zwischenfinanzierung kommen als bei Banken. Die Kreditvolumen von mittelständischen Unternehmen lägen aber gemeinhin höher: „20.000 bis 30.000 Euro als Limit bei den Plattformen ist da keine ausreichende Kreditgröße.”
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