Kostenlos ins Fantasyreich: Neues Online-Rollenspiel „Runes of Magic”

Von: Heiko Haupt, dpa
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Online-Rollenspiel „Runes of Magic”
Neidische Blicke: Der Spieler hinter diesem jungen Edelmann hat sich im Item-Shop ein Pferd für seinen Charakter geleistet. Foto: dpa

Hamburg. Die „Welt des Kriegshandwerks” beherrschen mittlerweile weltweit 11,5 Millionen Menschen - so viele Spieler zahlen zumindest Gebühren für das Online-Rollenspiel „World of Warcraft”.

Doch nach inzwischen mehr als vier Jahren in den virtuellen Welten Azeroths mag sich mancher die Frage stellen, ob Online-Rollenspiele nur dann ein Geschäft sind, wenn dafür ein Abonnement abgeschlossen und monatlich Geld überwiesen wird.

Immer wieder einmal gab es zaghafte Versuche, andere Bezahlmethoden zu etablieren, doch der große Durchbruch blieb aus. Nun tritt mit „Runes of Magic” ein komplett kostenlos spielbares Online-Rollenspiel an, mit dem die Entwickler trotzdem Geld verdienen wollen. Und die Erfolgs-Chancen scheinen gar nicht schlecht zu stehen.

Vom Prinzip her handelt es sich bei dem Titel des Entwicklungsstudios Runewake Entertainment aus Taiwan um ein Online-Rollenspiel der gewohnten Machart. Zu Beginn gilt es, sich einen Charakter zu erstellen, der an der Maus geführt durch die Welt streift, Aufträge erledigt und Monster metzelt - alles zu dem Zweck, den Charakter von der anfänglichen Stufe 1 auf die Obergrenze von Stufe 50 zu bringen. Das Umfeld bildet wie gewohnt eine an das Mittelalter und diverse Fantasy-Klischees angelehnte Welt.

Und doch gibt es zahlreiche Unterschiede zu all dem, was bereits an solchen Spielen zur Verfügung steht. So galten bisher die zahlungspflichtigen Titel auch als Qualitätsmaßstab, hinter denen ein großer Stamm an Entwicklern stand und steht, um für regelmäßige Verbesserungen und Erweiterungen zu sorgen.

Die kostenlosen „Free-To-Play”-Titel waren dagegen eine Art Armenhaus, in dem die Geldersparnis mit dürftiger Qualität erkauft wurde. „Runes of Magic” will dagegen beides verbinden: den Aufwand eines kostenpflichtigen Titels mit der Möglichkeit, den Geldbeutel verschlossen zu halten.

Dahinter steckt natürlich kein überraschender Anfall von Nächstenliebe bei den Entwicklern. Denn ans Geld der Spieler möchte man doch. Mittel zum Zweck ist ein virtueller Supermarkt, der sogenannte Item-Shop. Über den lassen sich mit barer Münze nützliche oder weniger nützliche Dinge erwerben.

Hat der Mensch zum Beispiel keine Lust mehr, seinen Charakter viele Minuten von einem Ort in der Landschaft zum nächsten laufen lassen, kann er sich virtuell ein Pferd mieten oder es gar kaufen. Auch die in Diamanten gemessene Spielwährung lässt sich auf diesem Weg einkaufen. Die Items kosten mal ein paar Cent, mal sind es mehrere Euro.

Laut dem deutschen Publisher Frogster Interactive in Berlin sollen aber keine Gegenstände angeboten werden, die zu Chancenungleichheit zwischen sparsamen und verschwenderischen Spielern führen können. Tatsächlich ist aber im deutschen Forum auf der offiziellen Seite http://www.runesofmagic.de bereits eine rege Diskussion im Gange, ob dies der Wahrheit entspricht, oder ob käufliche Ausrüstung nicht doch zu wie auch immer gearteten Vorteilen führt.

Abgesehen davon bietet „Runes of Magic” aber auch ohne Geldeinsatz Dinge, von denen Spieler manch kostenpflichtiger Titel seit Jahren träumen. Ein Stichwort ist das sogenannte Housing. Denn während Helden in anderen Welten obdachlos bleiben, gehört die eigene Bude - inklusive Dienstmädchen - hier zum Standard.

Ebenfalls geboten wird ein Handwerkssystem, mit dem sich Waren und Gegenstände erschaffen lassen. Neues gibt es auch bei der Charaktergestaltung und Klassenauswahl. Statt „nur” Ritter oder „nur” Magier zu sein, können ab einem bestimmten Punkt zwei Karrieren kombiniert werden - quasi zu einem Ritter mit magischer Begabung.

Offiziell veröffentlicht wird „Runes of Magic” am 19. März. Derzeit findet noch das statt, was in Entwicklerkreisen die „offene Beta” genannt wird. Jeder kann sich die Software über http://www.runesofmagic.de herunterladen, installieren, sich einloggen und spielen. Gleichzeitig arbeiten die Entwickler aber noch am Feinschliff, die Spieler sind also nicht zahlende, aber auch unbezahlte Tester.

Der Andrang ist trotzdem schon groß. Laut Frogster haben sich weltweit bereits mehr als 450.000 Spieler registriert. Und selbst Fachmagazine zeigen sich einigermaßen beeindruckt. So beantwortet die in München erscheinende „Gamestar” (Ausgabe 3/2009) sich die selbst gestellte Frage, ob „Runes of Magic” mit den großen Titeln mithalten kann, nach einem Vortest mit dem Fazit „Oh ja, es kann!”

Diese Aussage gilt aber nur, wenn sich die Beta-Software auch installieren lässt. Im offiziellen Forum gibt es zahlreiche Beiträge, die davon berichten, dass das nicht immer reibungslos klappt. So verlangt „Runes of Magic” nach neuesten Treibern für die Grafikkarte und wünscht zudem eine gewisse Aktualität in den Tiefen des Betriebssystems. Die Beherrschung des Kriegshandwerks ist an einem Computer eben nicht alles.
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