Hosentaschen-Camcorder: HD im Handyformat

Von: Stefan Robert Weißenborn, ddp
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Berlin/München. Man hält sie zunächst für ein Handy - doch es handelt sich um eine Kamera im Hosentaschenformat.

Als ideales Werkzeug für den Videoblogger oder „YouTube”-Nutzer sind unter dem Produktnamen „Flip Video” seit diesem Monat drei Modelle in Deutschland im Handel - zwei von ihnen versprechen Bilder im HD-Format. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Auch Sony, Kodak, Samsung, JVC und Creative haben kleine Kameras im Angebot, die hochaufgelöste Bilder aufnehmen.

Profigeräten können sie selbstredend das Wasser nicht reichen, ihre einfache Bedienung macht sie dagegen zu wahren Schnappschusskünstlern des Bewegtbilds. Die Videos können über die mitgelieferte Software auf Videoportale im Internet hochgeladen werden.

„Sie ermöglichen große HD-Videobilder zu einem kleinen Preis mit einer sehr einfachen Bedienung, die jeder versteht”, sagt Michael Ludwig, Redakteur bei „Chip Online” über die neue Gerätegeneration der „Spaß-Camcorder”, wie er sie nennt.

Das derzeit günstigste Gerät ist für 129 Euro erhältlich (Kodak Zi6); bei 229 Euro ist mit dem Samsung HMX-U10, der als einziger derzeit Bilder in Full-HD-Qualität (1920 × 1080 Bildpunkte) liefert, die obere Fahnenstange erreicht.

Die Hersteller witterten eine Marktlücke, denn schließlich seien „normale HD-Camcorder” mit Preisen ab 400 Euro noch vergleichsweise teuer, sagt Ludwig. Der Kunde bekommt Geräte für den Spontan-Einsatz - Hersteller Cisco wirbt für den Flip mit einer Dauer von drei Sekunden bis zur Bereitschaft.

Allerdings bieten die „YouTube”-Kameras fast keine weiteren Ausstattungsmerkmale oder Einstellmöglichkeiten. Ludwig spricht von „Einfach-Camcordern„, die sich auf ”Aufnehmen, Wiedergeben und kein Schnick-Schnack drumherum„ beschränkten.

Die Hosentaschenwinzlinge gewähren keinen Einfluss auf Belichtungszeit oder Fokus. Keine der Mini-HD-Cams hat einen optischen Zoom. ”Die einzige Zoommöglichkeit ist digital, das heißt, das Bild wird einfach vergrößert„, sagt Ludwig. Um die Bildqualität zu erhalten, hat der Redakteur einen einfachen Ratschlag: ”Am besten auf den Zoom verzichten.„

Darüber hinaus hat unter den derzeit erhältlichen HD-Kleinstkameras die Kodak Zi8 und die JVC Picsio GC-FM1 einen Bildstabilisator, aber auch der ist digital: ”Das heißt: Es werden mehr Pixel aufgenommen, als verwendet werden. Elektronisch wird versucht, die Verwacklung auszugleichen„, erläutert Ludwig: ”Keines der aktuellen Geräte hat einen optischen Verwacklungsschutz, dafür sind die Optiken zu billig.„

Dennoch gibt es Unterschiede: So nehmen die Flip-Modelle laut Ludwig nur im ”kleinen HD-Format„ auf (1280 × 720 Bildpunkte) - ebenso das Creative-Gerät und die beiden älteren Kodak-Cams Zx1 und Zi6. Samsung arbeitet laut Datenblatt mit der Full-HD-Auflösung. Die Varianten von Sony, Kodak und JVC lägen in punkto Auflösung ”irgendwo dazwischen„, sagt Ludwig, da sie die Aufnahmen lediglich auf 1920 × 1080 Pixel hochrechneten. Immerhin setzten sich alle Spaß-Kameras sichtlich ab: ”Man erkennt immer, dass es hochauflösende Bilder sind.„

Bei der Ausstattung stechen zwei Geräte mit Merkmalen hervor, die der anvisierten jungen Käuferschicht besonders gut gefallen könnten: Die Sony-Cam hat ein schwenkbares Objektiv eingebaut, das Ludwig gerade für den ”rasenden Videoblog-Reporter„ als pfiffig erscheint: ”Er kann sich selbst filmen und dabei auf dem Monitor sehen, wie er in die Kamera hineinspricht.„

Das Kodak-Modell Zi8 hat einen Mikrofon-Eingang; auch dies ein Ausstattungsmerkmal, das dem Blogger, der gern ein Interview einstreut, gefallen dürfte. Bei den Flip-Winzlingen überzeugt zudem ”die Namen gebende Funktion„, nämlich der ausklappbare USB-Stecker, über den die Stromversorgung läuft - auch der Creative Vado HD hat einen schwenkbaren Stecker.

Die in jedem Fall mitgelieferte Videoverwaltungs- und Bearbeitungssoftware ist ebenso einfach gehalten wie die Hardware selbst: Bei allen ist sie laut Ludwig auf dem internen Speicher abgelegt; nur beim JVC-Gerät sind Videoschnitt und Effekte Fehlanzeige. Durch die Bank weg erzeugen die Videowinzlinge Aufnahmen in Standardformaten wie MP4, AVI oder MOV, das heißt: Das Material kann mit gängiger Software geschnitten werden.

ei der Übertragung der digitalen Bewegtbilder auf den technisch entsprechend ausgerüsteten Fernseher oder die Großleinwand helfen HDMI-Schnittstellen. Nur die günstigeren Geräte beschränken sich auf einen AV-Ausgang.

Der Vorreiter Cisco, der sich in diesem Jahr die Flip-Erfinder-Schmiede Pure Digital einverleibt hat, setzt auf noch mehr Minimalisierung. Während sich mit fast allen anderen Cams auch digitale Fotos schießen lassen, ”muss man sich bei Flip die Aufnahmen aus dem Video ziehen„, sagt Ludwig. Was der User erhält, seien Bilder in einer Auflösung von einem knappen Megapixel. In diesem Punkt hat mit 10 Megapixel-Bildern der Samsung-Knirps ”mit dem am höchsten auflösenden Sensor„ im Feld die Nase vorn. Die Konkurrenten von Sony und Kodak liefern 5 Megapixel.

Die Flip-Modelle fallen in Sachen Ausstattung und technischer Daten hinter die Mitstreiter zurück, doch in einem Sinne sind sie die Konsequentesten: ”Flip hat die Video-Aufnahme auf einen roten Knopf reduziert„, sagt Ludwig. ”Man hat die weit entwickelte Camcorder-Technologie auf eine sehr einfache Art der Anwendung zurückgeführt.„ Gerade in dieser Reduktion bestehe der Reiz. In den USA gehören die ”YouTube”-Cams, angeführt von Flip, schön längst zu den Lieblingsgadgets; für Deutschland wagt Ludwig keine Prognose.
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