Heiter und trotzdem wolkig: Cloud-Computing wird immer wichtiger

Von: Thomas Schörner, dpa
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Immer alles dabei: Zum Cloud-Computing gehört das zentrale Speichern von Daten im Netz - und der Zugriff darauf immer und überall. Foto: dpa

Hannover. Wolken sind beliebt - zumindest in der IT-Welt. Von Cloud-Computing ist in der Branche immer mehr die Rede. Viele Aufgaben, die früher vom eigenen PC erledigt wurden, werden zunehmend ins Internet beziehungsweise in die Wolke verlagert.

Auf der Computer- und Technikmesse CeBIT in Hannover (2. bis 6. März) spielt Cloud-Computing ebenfalls eine wichtige Rolle. „Neben Größen wie Microsoft und IBM werden zahlreiche kleinere Firmen ihre Cloud-Neuheiten präsentieren”, sagt CeBIT-Sprecher Hartwig von Saß.

Cloud-Computing könnte auch „digitales Outsourcing” heißen: Systemressourcen kommen nicht nur aus dem Computer unterm Schreibtisch, sondern aus dem Internet. Dort stellen Server die Kapazitäten zum Speichern von Daten, für Anwendungsprogramme oder gar Betriebssysteme bereit. Nutzer müssen lediglich einen schnellen Zugang ins Netz haben. Dass sich dafür erst vor kurzem, dafür aber umso schneller, der Begriff Cloud-Computing durchgesetzt hat, hat laut Holger Bleich von der Zeitschrift „ct” in Hannover viel mit Marketing zu tun.

Auch viele private Anwender schweben schon auf der Wolke - es ist ihnen nur oft nicht bewusst. Vorreiter sind E-Mail-Dienste wie Web.de, GMX oder Yahoo: Deren Nutzer speichern ihre Mails im Internet und können sie daher überall abrufen. Auch das Hochladen von Fotos auf einschlägige Portale oder in die Galerien von sozialen Netzwerken fällt unters Cloud-Computing. Und das Büro-Programmpaket Google Apps lässt die Nutzer gratis - und vor allem ohne Software auf dem eigenen Rechner installieren zu müssen - Texte und Tabellen erstellen.

Auch von Microsoft wird ein solches Angebot für private Nutzer kommen: Office Web Apps 2010. „In drei bis vier Jahren wird ein Großteil der Lösungen über das Web laufen”, sagt Carlo Velten vom Institut für Marktanalyse Experton Group in Ismaning bei München. Der Bedarf an Online-Backups privater Daten werde steigen. Das gelte auch für die Bereitschaft privater Nutzer, für entsprechende Dienste zu bezahlen. Schließlich seien schon jetzt Verbraucher bereit, für das Speichern von Daten bei Anbietern wie Rapidshare oder Megaupload Geld auszugeben.

Kein Geld locker machen müssen private Internetnutzer für die „wolkigen” Aktivitäten von Amazon, weil sie von denen ohnehin nur indirekt profitieren können: Das Online-Warenhaus hat weltweit Server aufgestellt, um Ausfälle zu verhindern. Überkapazitäten werden für einen Cloud-Dienst genutzt. „Bisher gilt Amazon mit seinem Dienst EC2 als führender Cloud-Anbieter”, erklärt Bleich.

Die in Hannover präsentierten Cloud-Entwicklungen richten sich vorrangig an Unternehmen. Für sie ist es besonders wichtig, Rechnerkapazitäten, Intranets, Applikationen und Daten in die Wolke verlagern zu können. Das spart in erster Linie Geld. „Eine betriebliche IT-Infrastruktur muss man nicht mehr selbst aufbauen, die Wartungskosten entfallen”, erläutert Holger Bleich.

Ein gutes Beispiel dafür sind Facebook und Konsorten: „Der Fotoupload ist das größte finanzielle Problem der Social Networks”, erläutert Marktanalyst Velten. Facebook-Nutzer zum Beispiel haben nach Angaben des Unternehmens rund 20 Milliarden Fotos gespeichert. Monatlich kommen zwei bis drei Milliarden Aufnahmen hinzu. Was eigentlich als Gimmick gedacht war, frisst jetzt Ressourcen - und damit Kosten. Deshalb schiebt Facebook vieles in die Cloud.

Ebenso wie Amazon bietet auch Microsoft Wolken-Lösungen für Firmen an und präsentiert sie auf der CeBIT. Eine entscheidende Rolle wird das im vergangenem Herbst gestartete Cloud-Betriebssystem Azure spielen. „In Azure können IT-Anwendungen direkt im Web entwickelt werden”, erklärt Frank Mihn von Microsoft. Nach Holger Bleichs Einschätzung wird die Anzahl derjenigen, die Cloud-Lösungen für Firmen ebenso wie für Privatnutzer anbieten, im Lauf dieses Jahres weiter steigen. Das werde sich auch auf die Preise auswirken - sie dürften fallen.

Doch nicht alles an der schönen neuen Wolkenwelt ist positiv: „Der Nutzer gibt Anwendungen und Daten aus der Hand”, gibt Bleich zu bedenken. „Niemand weiß, wo die Rechenzentren der Anbieter stehen.” Bei sensiblen Unternehmens- und Kundendaten ist es daher aus Datenschutzgründen ratsam, sich vertraglich einen Serverstandort in Deutschland oder zumindest in Europa zusichern zu lassen. Auch der normale Nutzer sollte sich genau überlegen, was er wirklich ins Web verschieben will und was besser auf der eigenen Festplatte bleibt.
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