E-Book-Reader: Eine Bibliothek für die Handtasche

Von: Susanne Ehlerding, dapd
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E-Book-Reader sind Lesegeräte für im Internet heruntergeladene Bücher. Gerade die etwas teureren Reader mit elektronischer Tinte sind sehr augenfreundlich, zumal sie ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen. Foto: dapd

Frankfurt. E-Book-Reader sind klein wie gelbe Reklamhefte und können doch eine ganze Bibliothek speichern. Die Bildschirme vieler Geräte sind augenfreundlich. Und die Preise sinken immer weiter. „E-Books werden einmal eine größere Rolle spielen als das klassische gedruckte Buch”, sagt Ronald Schild, Geschäftsführer der Gesellschaft für Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels.

E-Book-Reader hätten „viele Vorteile”, sagt Schild. Mit den Geräten lassen sich digitale Inhalte lesen, als hielte man ein Buch in der Hand. Und doch haben sie einen klaren Vorteil gegenüber dem gedruckten Werk, wie Schild betont: Der Leser kommt viel einfacher an den Lesestoff. „E-Books lassen sich jederzeit aus dem Internet herunterladen, unabhängig von Ort und Zeit und in einer sehr großen Auswahl”, sagt der Experte.

Derzeit seien von den 1,2 Millionen lieferbaren deutschsprachigen Titeln rund 70.000 als E-Book verfügbar. Die Zahl wachse aber rasend schnell, sagt Schild. Vor allem von Neuerscheinungen, die einen Großteil des Umsatzes ausmachten, gebe es viele schon als E-Book. Der Leser könne „seine gesamte Bibliothek immer bei sich tragen”. Auf Reisen brauche er sich keine Sorgen zu machen, dass der Lesestoff ausgehen könnte. Zudem könne er jederzeit auf Nachschlagewerke und Fachbücher zugreifen. „Das ist vor allem für mobile Menschen und Studenten wichtig.”

Teilweise tausende E-Books speicherbar

Je nach Speichergröße passen mehrere tausend Bücher auf einen Reader. Außerdem bieten die Lesegeräte Speziallösungen für Menschen mit Sehbehinderungen, wie Schild sagt. So könne man die Schriftgröße beliebig einstellen. Manche Geräte könnten das Buch sogar vorlesen. Und E-Books können auch beim Preis punkten. Häufig seien sie 10 bis 25 Prozent billiger als ein gedrucktes Buch, sagt der Experte. Künftig hätten alle Lesegeräte einen Internetzugang, sagt Schild.

Dadurch werde aus dem einsamen Vorgang des Lesens ein kommunikativer Akt: „Man wird mit anderen gemeinsam an Texten arbeiten und sie kommentieren.” Das heutige Lesen Seite für Seite werde sich außerdem zu einem vertiefenden, vernetzten Lesen weiterentwickeln. „Von einem Geschichtsbuch aus kann man dann zum Beispiel auf ein Kartenwerk zugreifen oder sich eine detaillierte Schlachtenbeschreibung aufrufen.”

Mehrere Möglichkeiten zum E-Book-Lesen

Um ein elektronisches Buch zu lesen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Smartphones und PDAs (Personal Digital Assistants) können E-Books wiedergeben. „Auch wenn es ungewohnt ist, größere Textmengen auf so einem kleinem Display zu lesen - man braucht sich kein neues Gerät zu kaufen”, sagt Schild. Eine zweite Geräteklasse sind Tablet-PC, beispielsweise das iPad oder ähnliche Geräte von Samsung oder Toshiba.

Von einem echten E-Book-Reader unterscheidet Letztere vor allem das LCD-Display. Seine Hintergrundbeleuchtung verbrauche viel Strom und biete eine Lesequalität wie am PC, die anstrengend für die Augen sei, sagt Schild. „Vor allem für längeres Lesen sind sie deshalb nicht zu empfehlen.” Auch bei den eigentlichen E-Book-Readern haben die preisgünstigen Geräte nur ein klassisches LCD-Display. „Etwas teurer sind Geräte mit E-Ink. Diese elektronische Tinte ist für das Lesen optimiert und die Displays brauchen keine Hintergrundbeleuchtung.”

Strom verbrauchen Geräte mit E-Ink nur beim Umblättern, abgesehen von Nutzung von WLAN oder UMTS natürlich. E-Ink gibt es zur Zeit nur in schwarz-weiß. Farbige Displays würden wohl in zwei bis drei Jahren marktreif sein, sagt Schild.

Die Verlage versuchen, ihre Rechte an den digitalen Inhalten durch ein Digital Rights Management (DRM) zu schützen. Es soll die Weitergabe von E-Books teilweise verhindern. Ein weit verbreitetes DRM-System kommt aus dem Hause Adobe, bekannt durch seinen PDF-Reader. „Allerdings sind auch kopiergeschützte Werke nicht vor einer illegalen Verbreitung sicher, denn auch ein hartes DRM lässt sich knacken”, sagt Schild. Der Börsenverein empfiehlt den Verlagen deshalb eine verbraucherfreundliche Lösung: Sie sollten E-Books mit einem digitalen Wasserzeichen versehen. Das erlaubt die Weitergabe eines E-Books an Freunde, so wie man auch Bücher verleiht. Beim illegalen Hochladen ins Internet aber ließe sich der Verursacher dingfest machen.

E-Book-Reader: Die Preise

Die Preise für E-Book-Reader bewegen sich tendenziell nach unten. Zur Zeit sind Geräte mit beleuchtetem LCD-Display für weniger als 100 Euro erhältlich. Augenfreundlichere Displays mit E-Ink, die nicht beleuchtet sind, kosten ab 100 Euro. Für Geräte mit WLan-Schnittstelle oder UMTS muss man mehr Geld ausgeben.

Amazons Kindle ist nach wie vor nur aus den USA zu beziehen. Auf dem Gerät kann man lediglich E-Books von Amazon lesen. Eine weitere sogenannte geschlossene Lösung ist das iPad. Werke aus dem iBook Store von Apple kann man nur mit dem iPad öffnen. Bei allen anderen Geräten sind die Inhalte kompatibel. Hersteller sind beispielsweise Bebook, BenQ, Bokeen, Hanvon, iRiver, Pocketbook, Thalia oder Txtr sowie große Elektronikunternehmen wie Acer, Sony, Samsung und Trekstore.

Klassische Werke, bei denen die Urheberrechte frei sind, lassen sich von vielen Webseiten kostenlos herunterladen, beispielsweise von http://www.gutenberg.org oder bei http://www.zeno.org auch. Aktuelle, kostenpflichtige Inhalte gibt es beispielsweise bei http://www.libreka.de, http://www.buecher.de oder http://www.ciando.de zum Download.

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