Deutschland auf der digitalen Standspur

Von: Jürgen Hill
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Aachen. Massive Kritik hagelte es auf der Jahrestagung des FTTH Council in München für die Breitbandpläne der Bundesregierung. Mit dieser Agenda - so das allgemeine Credo - verpasse Deutschland den Anschluss an das breitbandige 21. Jahrhundert.

Viele Teile das Landes verkommen zur digitalen Standspur - mit diesen markigen Worten eröffnete Münchens Oberbürgermeister Christian Ude den 9. Kongress des Fibre to the Home Council Europe (FTTH Council). Zwei Tage lang diskutieren in München über 3300 Besucher und 91 Aussteller, wie Europas Weg in die breitbandige Zukunft aussehen sollte.

Als Gastgeber konnte Ude leicht reden: München ist hierzulande in Sachen Glasfaserausbau der Einäugige unter den Blinden. Während Deutschland mit einer Glasfaserpenetration von 0,4 Prozent in den offiziellen Statistiken des FTTH Council erst gar nicht aufgeführt wird, wollen die Bayern bis 2013 die Hälfte der Stadt, also rund 350.000 Wohnungen per Glasfaser erschließen. Stadtwerke und Regio-Carrier Mnet investieren hierfür rund 250 Millionen Euro.

Mit seiner Haltung befand sich Ude auf einer Linie mit Chris Holden, President des FTTH Council Europe. Im Gegensatz zur Bundesregierung, die sich noch im Dezember am gleichen Ort auf dem Nationalen IT-Gipfel für ihre Erfolge in Sachen Breitbandausbau feierte, las Holden der Politik die Leviten: „Westeuropa verliert weiter an Boden”. Und wenig charmant verurteilte er die Ausbaupläne der Kanzlerin: „Die nationalen Breitbandpläne sind eine Katastrophe.” Holden zufolge zeigen aktuelle Zahlen, dass Deutschland in der EU-Breitband-Liga Schlusslicht bleibt.

Zudem wird Deutschland wohl kaum die EU-Ziele der Digital Agenda 2020 erreichen: Dann sollen alle Europäer mit mindestens 30 Mbit/s ins Internet gehen und 50 Prozent der Bevölkerung bereits 100 Mbit/s-Zugänge besitzen, die ganz im Sinne des FTTH Council per Glasfaser realisiert sind. Laut Zahlen des FTTH Councils wird Deutschland mit Italien und Großbritannien 2020 dem Durchschnitt der EU-Staaten in Sachen Breitbandversorgung hoffnungslos hinterherhinken.

Allerdings räumten die Teilnehmer auch ein, dass man beim Glasfaserausbau selbst Fehler gemacht habe. So seien etwa Business-Pläne von Providern, die davon ausgehen, dass zwei Jahre nach der Glasfasererschließung 60 Prozent der Haushalte einen entsprechenden Vertrag unterschreiben, nicht zu halten. Einen Grund für die Zurückhaltung der Anwender sei, dass ihnen der Mehrwert der Glasfaser nicht bewusst sei.

Künftige Breitbandanwendungen demonstrierte die Application World. Neben neuen Apps für das Home Office stand hier die medizinische Versorgung einer alternden Gesellschaft im Vordergrund. So sollen etwa ältere Mensche zuhause von einem Medi-Roboter betreut werden können. Dieser folgt den Menschen auf Schritt und Tritt und ist per Video mit einem Betreuungszentrum verbunden, das so aus der Ferne Kontakt hält.

© IDG / In Zusammenarbeit mit computerwoche.de
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