Datensammler auf dem virtuellen Bauernhof: Kritik an Social Games

Von: Nadine Hantke, dpa
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Datensammler auf virtuellem Bauernhof - Kritik an Social Games
Verdecktes Geschäft in drolliger Kulisse: Bei Social Games säen viele User ihre persönlichen Daten bereitwillig aus - die Anbieter ernten die Informationen dann ab. Foto: dpa

Berlin. Millionen Menschen ernten täglich Obst und Gemüse, kaufen Saatgut und Traktoren, scheren Schafe und melken Kühe - auf dem virtuellen Bauernhof am Computer. Auch als Hobbyköche, Mafiosi oder Aquarienbesitzer sind Millionen auf Facebook, StudiVZ und in anderen sozialen Netzwerken unterwegs.

Die Anbieter verdienen gut, doch Datenschützer warnen vor der Preisgabe persönlicher Daten.

Social Games sind kostenlose Spiele, die man nicht installieren, sondern im Browser spielen kann. Da sie auf der Kommunikation und Interaktion von Spielern basieren, sind Soziale Netzwerke ideale Plattformen. Über die vorhandenen Netzwerke haben sich die Spiele in kurzer Zeit rasant verbreitet. Allein Branchenprimus Zynga lockt nach eigenen Angaben monatlich rund 230 Millionen Spieler vor den PC, um Mafia Wars, Poker oder Farmville zu spielen. Für die Spieleindustrie sind die Browsergames ein einträgliches Geschäft. Eine Studie der Unternehmensberatung Mücke, Sturm & Company aus München geht davon aus, dass die beteiligten Unternehmen im laufenden Jahr mit Social Games 680 Millionen bis 1,3 Milliarden Euro erwirtschaften.

Doch womit verdienen die Anbieter das Geld? „Mikrotransaktion” lautet das Schlüsselwort. Zwar sind die Spiele grundsätzlich kostenlos. Wer jedoch schneller vorankommen, mehr Spielgeld besitzen oder besondere virtuelle Güter kaufen möchte, kann mit realem Geld nachhelfen. „Diese Möglichkeit nutzen weniger als fünf Prozent der Spieler, und die einzelnen Beträge sind gering. Bei Millionen von Spielern kommt trotzdem eine Menge zusammen”, erklärt Jens Begemann, Geschäftsführer von Wooga, einem Social-Games-Anbieter in Berlin.

Als zweite „Währung” in der Welt der Social Games gelten Daten. Sobald sich User zu diesen Spielen anmelden, übertragen die Betreiber der sozialen Netzwerke Daten an die Spiele-Anbieter. Welche Daten das sind, hängt vom Netzwerk und Anbieter ab. Von Facebook aus werden standardmäßig alle öffentlich zugänglichen Informationen übertragen. Bei StudiVZ erstellt der Nutzer vorab eine Visitenkarte, in die er eintragen kann, welche Daten er weitergeben möchte. „Bei dem neuen System der Visitenkarten kann der Name geändert und auch die Nutzung des Profilbildes untersagt werden”, erklärt Begemann.

Die Visitenkarten hält auch Henry Krasemann vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein für eine gute Lösung: „Der Nutzer hat dadurch sofort einen Überblick, welche Daten weitergegeben werden, und kann dies für jedes Spiel einzeln bestimmen. Das ist beispielsweise bei Facebook nicht gegeben.” Wer bei Facebook spielen möchte, muss unter Umständen auch zulassen, dass E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, Freundesliste und Wohnort an den Spiele-Anbieter weitergeleitet werden. Dies ist nach dem deutschen Datenschutzgesetz rechtens, sobald der Nutzer dem zugestimmt hat. „Wenn der User umfassend aufgeklärt wurde und der Nutzung seiner Daten zugestimmt hat, dürfen die Daten übertragen werden”, erklärt Carsten Ulbricht, Anwalt für Internetrecht aus Stuttgart.

Profildaten, die der Nutzer in den Privatsphäre-Einstellungen als „öffentlich” freigegeben hat und somit beispielsweise auch bei Google auffindbar sind, dürfen auch Spiele-Anbieter nutzen. Besonders bei amerikanischen Firmen wie Facebook seien die Datenschutzrichtlinien häufig sehr intransparent, findet Ulbricht. Deutsche Anbieter wie StudiVZ punkteten mit transparenteren Datenschutzrichtlinien.

Dass bestimmte Daten gespeichert werden, hält Begemann bei Social-Games für unumgänglich: „Man will ja mit Freunden spielen. Werden Name und Foto nicht übertragen, weiß keiner, wer da mit einem spielt.” Genutzt werden könnten persönliche Daten zum Beispiel für personalisierte Werbung. „Wir nutzen die Daten nur für unsere Spieler. Wie das bei anderen Anbietern aussieht, weiß ich nicht. Bei allen großen Anbietern erfolgt die Monetarisierung jedoch über die virtuellen Güter”, so der Wooga-Gründer.

Wer seine Daten schützen möchte, sollte die Datenschutzerklärungen der Anbieter lesen und hinterfragen, ob er die geforderten Daten preisgeben möchte, rät Krasemann. Ein Hinweis auf einen seriösen Anbieter sei es, wenn so wenige Daten wie möglich abgefragt werden. „Man sollte stets nur so viel angeben, wie erforderlich ist.” Aus einzelnen Daten lasse sich zwar nicht viel machen, in der Masse ergäben sie aber ein Profil, das für Werbetreibende interessant sei.

Rechtsanwalt Ulbricht hält es durchaus für eine Alternative, sich mit Synonymen anzumelden - auch wenn dies bei manchen Netzwerken gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstößt. „Das schlimmste, was passieren kann, ist, dass der Account gelöscht wird”, sagt er. Das wäre zwar ein Verlust der mühselig aufgebauten Farm für den Amateur-Bauern, die Daten jedoch sind dann geschützt.
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