„Case Modding”: Mit Fantasie gegen Computer-Tristesse

Von: Alexandra Balzer, dpa
Letzte Aktualisierung:
Computerspiele-Messe Gamescom
Ein Besucher der Gamescom schaut sich in Köln ein als Käse gestaltetetes Computergehäuse an. Foto: dpa

Köln. Was macht der Kühlschank auf dem Tisch? Und warum ist auf dem alufarbenen Gehäuse ein Mini-Bildschirm montiert? Durch die halb geöffnete Tür dringt blaues Licht nach außen. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass in diesem Küchengerät kein Getränk mehr kalt wird.

Der alte Kühler ist nur noch Fassade, denn das Team „The Mod-Connection” hat ihn ausgeschlachtet und zu einem Computer- Gehäuse umgebaut. „Case Modding” heißt die Disziplin, bei der Computer eine möglichst ungewöhnliche oder skurrile Hülle bekommen. Auf der Computerspielemesse Gamescom in Köln fanden bis zum Sonntag die achten Deutschen CaseMod Meisterschaft (DCMM) statt.

Mit viel Fantasie kreieren Case Modder die verrücktesten und unglaublichsten Computer-Gehäuse. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das fertiggestellte Objekt auch tatsächlich als Computer nutzbar ist. Vielmehr ist es eine Schönheits-Operation für die tristen Hüllen handelsüblicher PCs. Oft werden Seitenteile ausgeschnitten und durch Plexiglas ersetzt. Der Blick fällt meist auf grell leuchtende Leuchtmittel im Inneren. Andere „verlegen” im Herzen des Computers Schläuche für eine schicke Wasserkühlung, die vor sich hin blubbert.

„Chaos Modder” Matthias Streser tupft mit einem Pinsel Effektlack in Kupfer auf zwei Schraubenköpfe. Gemeinsam mit Team-Kollege Thomas Kleffmann bastelt er an einer „Neocron Drone”. Während Streser sich um den metallisch wirkenden Holzaufbau kümmert, schraubt Kleffmann vor den Augen der Messebesucher am Gehäuse. Neben dem originellen Look haben sich die beiden Mechatroniker noch etwas Spezielles einfallen lassen: Das fertige Gebilde soll sich später auch bewegen. „Wir müssen sehen, ob die Elektronik nachher läuft”, gibt Streser sich nicht allzu optimistisch. 24 Stunden hat das Team Zeit für den Gehäuse-Umbau.

Andere Bastler bekleben ihr Computer-Gehäuse mit Kunstrasen oder einem zotteligen Flokati-Teppich, verzieren die Seitenteile mit Airbrush-Bildern oder Aufklebern. Wieder andere passen den PC optisch ihrem Lieblingsfilm oder -spiel an. So entstehen futuristische Alien- Rechner oder Eigenkonstruktionen im Endzeit-Dress. Dabei ist das Hobby nicht einmal besonders kostspielig. Was die Bastler vor allem in ihre Arbeit stecken, ist Zeit.

Auf der Gamescom ziehen die Kunstwerke viele neugierige Blicke auf sich. Neben den in grellem Orange leuchtenden Computern von Team „alphacool” weckt auch ein kleiner Roboter das Interesse der Besucher. Auf dem Tisch von Team „BT-Custom PC” hockt der kleine „Wall-E” aus dem gleichnamigen Disney-Film als niedlicher Nachbau.

Die meisten Besucher bleiben jedoch vor dem Kühlschrank stehen, schauen vorn, schauen hinten, wagen einen Blick hinein. „Da unten ist ein CD-Laufwerk” bemerkt einer der Zaungäste. Ein anderer meint, „der Bildschirm könnte eine Idee größer sein.”
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