Betrug und Geldwäsche: Kriminalität in Online-Welten nimmt zu

Von: Stephen Wolf, ddp
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Der Veranstalter des Internationalen Symposiums "Virtuelle Welten und Kriminalität", Kai Cornelius, posiert in Heidelberg in einem Hörsaal der Universität. Was klingt wie eine Science-Fiction-Geschichte, ist längst real. Millionen von Internetnutzern weltweit bewegen sich täglich in künstlich geschaffenen 3D-Welten wie "Second Life", "Twinity" oder "Freggers". Sie schicken ihre grafischen Stellvertreter - die Avatare - in diesen virtuellen Räumen zum Einkaufen, zu Konzerten oder zur Immobilienbesichtigung. Inzwischen haben sich auch Kriminelle diese weitgehend rechtsfreien Online-Räume erschlossen, um dort von Betrug bis zu Kinderpornografie ihr ganz reales Unwesen zu treiben. In Heidelberg befassen sich dieser Tage erstmals Wissenschaftler aus mehreren Ländern mit dieser Problematik. Auch die Polizei ist alarmiert. Foto: ddp

Heidelberg/Stuttgart. Was wie eine Science-Fiction-Geschichte klingt, ist längst real. Millionen von Internetnutzern weltweit bewegen sich täglich in künstlich geschaffenen 3D-Welten wie „Second Life”, „Twinity” oder „Freggers”.

Sie schicken ihre grafischen Stellvertreter - die Avatare - in diesen virtuellen Räumen zum Einkaufen, zu Konzerten oder zur Immobilienbesichtigung. Inzwischen haben sich auch Kriminelle diese weitgehend rechtsfreien Onlineräume erschlossen, um dort von Betrug bis zu Kinderpornografie ihr ganz reales Unwesen zu treiben. In Heidelberg befassen sich dieser Tage erstmals Wissenschaftler aus mehreren Ländern mit dieser Problematik. Auch die Polizei ist alarmiert.

Um die Auswirkungen dieser Entwicklung zu diskutieren, veranstaltet die Universität Heidelberg noch bis Samstag ein internationales Symposium unter dem Titel „Virtuelle Welten und Kriminalität”. „Interessant ist dieser auf Second Life und anderen Plattformen existierende Wirtschaftsraum vor allem für Geldwäscher und Betrüger”, sagt Kai Cornelius vom Juristischen Seminar der Uni. Gerade die Geldwäsche, ohne die etwa international agierende Terrorzellen kaum handlungsfähig wären, verlagere sich zunehmend in diese virtuellen Welten. Der 37-jährige Jurist hat die Tagung organisiert, zu der Wissenschaftler aus Deutschland, Italien, Großbritannien und den Niederlanden anreisten.

Cornelius zufolge wurden in den zurückliegenden Monaten auch Delikte wie Gewaltverherrlichung, Volksverhetzung oder Kinderpornografie - dargestellt von Avataren - registriert. Die Entwicklung wirft nach Ansicht des Experten für IT-Recht dringend zu klärende rechtliche Fragen auf. Denn bislang fehlen internationale Rechtsstandards. Seit Beginn des Internetzeitalters gehört es zu den ungelösten Problemen, wie Straftaten im grenzübergreifenden Netz geahndet werden können.

Nach Auffassung des Juristen erhöht die Entwicklung bei den virtuellen Plattformen den Handlungsdruck auf die Staaten. „Die Geldwäsche beispielsweise ist ein Problem, das sämtliche Länder betrifft, ganz gleich wie liberal die Rechtsprechung ist.” Das Problem sei drängend, zumal zahllose Firmen diese Parallelwelten mittlerweile als Marktplatz und Vertriebsmöglichkeiten entdeckt haben und wiederum viele Kunden auf die Plattformen locken.

Um beispielsweise Accessoires für ihre Avatare zu erwerben, können die Internetnutzer bestimmte Aufgaben - ähnlich wie eine berufliche Tätigkeit - übernehmen, oder auch die in der Plattform geltende Währung nutzen. „Da diese Währungen, je nach Plattform, aber mit US-Dollars oder Euro konvertierbar sind, sind diese nur über das Internet zugänglichen Parallelgesellschaften in den realen Wirtschaftskreislauf eingebunden”, sagt Cornelius. Und überall, wo Handel getrieben werde, biete sich auch für Kriminelle die Chance zum Betrug.

Auch im Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg zeigt man sich besorgt. „Virtuelle Welten - wie etwa Second Life - stellen durchaus eine Umgebung dar, in der Verstöße gegen in Deutschland geltendes Jugendmedienschutzrecht oder auch Strafrecht möglich sind und auch tatsächlich passieren”, sagt der LKA-Experte Stefan Middendorf.

Relevant seien vor allem Delikte wie Kinderpornografie oder Glücksspiele. „Aufgrund der relativen Anonymität der Anbieter ist eine Strafverfolgung allerdings nur sehr eingeschränkt oder teilweise gar nicht möglich”, erklärt Middendorf. Problematisch sei darüber hinaus, dass viele geprellte oder bedrohte Nutzer oft gar kein Interesse an einer Strafverfolgung hätten, etwa weil sie sich schämten.

Auch wenn die Frage nach den Auswirkungen und der Verfolgung dieser Kriminalität im Vordergrund steht: Bei dem, was sich in den virtuellen Welten abspielt, handelt es sich mitnichten nur um ein rein rechtliches Thema. Auch Sozialwissenschaftler und Psychologen kamen zum Symposium nach Heidelberg. Ihnen geht es etwa um die Frage, ob für die zumeist jüngeren Nutzer das Risiko eines Suchtverhaltens besteht und wie sich eine sinnvolle Prävention bewerkstelligen lässt.
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