Auf die Boxen kommt es an: Musik hören mit dem Laptop

Von: Florian Sanktjohanser, dpa
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Eine Frage der Ausstattung: Wer sein Notebook als Ersatz für die Stereoanlage nutzen will, braucht gute Lautsprecher. Foto: dpa

Berlin/München. Für viele Nutzer ersetzt das Notebook die Stereoanlage: Es spielt Radiostationen aus der ganzen Welt, zeigt im Live-Stream selbst Musikvideos der abseitigsten Bands und lagert die gesamte Songsammlung seines Besitzers. Mitglieder der Generation Praktikum schätzen auch, dass er wesentlich leichter in den Umzugskarton passt. Doch lässt sich mit dem Klapprechner auch richtig Musik hören, kann er einen satten, klaren Sound erzeugen?

Die Antwort auf diese Frage hängt wie so oft von den Ansprüchen des Einzelnen ab. Laut Thomas Rau von der Zeitschrift „PC Welt” bieten 15 bis 17 Zoll große Laptops mit ihren integrierten Lautsprechern bereits „einen ordentlichen Sound” für Otto Normalmusikhörer.

Peter Knaak von der Stiftung Warentest in Berlin sagt: „Über eingebaute Lautsprecher müssen wir nicht reden, die haben nur eine Alibifunktion”. Und für Bernhard Rietschel, Hardware-Experte der Zeitschrift „Audio”, sind selbst kleine Aktivboxen nur „Computer-Brüllwürfel”.

Welche Qualität der Klang am Ende hat, hängt von mehreren Faktoren ab. Der erste ist, wie stark die Musik komprimiert ist. „Wer Musik als MP3 hört, braucht keine hochwertige Anlage”, sagt Rau. Denn aus den ausgedünnten Digital-Songs könne kein satter Sound entstehen.

Knaak widerspricht: Wurde die Musik mit 192 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) oder gar mit 256 kbit/s digitalisiert, sei der Klang „von einer CD nicht zu unterscheiden”. Darunter sollten Nutzer aber nicht gehen. Rietschel empfiehlt, vor dem Kopieren von CDs stets „verlustfrei speichern” anzuklicken. Das verbraucht zwar mehr Speicherplatz pro Song. Dafür kann das Album dann aber in vollkommener CD-Qualität abgespielt werden.

Die Komprimierung sei aber der Flaschenhals, sagt Rietschel: „90 Prozent des Klangs machen die Lautsprecher aus.” Wer keinen Verstärker ins Zimmer stellen will, greift zu Aktivboxen mit integriertem Verstärker. Je nach Lautstärke, Frequenz und Größe des Raums müssen sie eine gewisse Größe haben. Für ein 20 Quadratmeter großes Zimmer beispielsweise sollten Lautsprecher mindestens 30 Zentimeter hoch sein.

Beim Thema Subwoofer scheiden sich wieder die Geister. Laut Rietschel brauchen ihn vor allem Leute, die den Bass gern in der Magengrube spüren. Für Zimmer-Lautstärke reichten auch zwei gute Aktivboxen aus. Knaak rät unbedingt zu 2.1-Systemen mit einem Subwoofer und zwei Satellitenboxen mit jeweils eigenem Hoch- und Tieftöner. Die Satelliten sollten jeweils mindestens das Volumen von zwei Milchtüten haben. Ohne den Subwoofer fehlten einfach die Bässe, das Klangbild werde verzerrt, so Knaak. Das sei allenfalls „was für Jugendliche, die sonst ihre Musik vom Handy hören”.


Wer feinen Klang wünscht, darf allerdings nicht knausern: „Was unter 100 Euro kostet, kann man nicht nehmen”, sagt Knaak. Manche billigen Aktivboxen klingen zwar beim ersten Hören verblüffend gut. Auf Dauer gingen die vielen Fehler und Störsignale aber auf die Nerven. Gute 2.1-Systeme seien ab 200 Euro zu haben, etwa von Teufel. Rietschel empfiehlt sogar erst Lautsprecher in der Preisklasse ab 600 Euro pro Paar, zum Beispiel von Quad oder Adam: „Das sind richtig erwachsene Hifi-Boxen.” Im Elektrogroßmarkt seien solche Boxen aber selten zu finden. Knaak empfiehlt, sie über das Internet zu bestellen. Dann ließen sie sich innerhalb einer Frist auch wieder zurückschicken, wenn sie im heimischen Zimmer schlecht klingen.

Das Geld für eine externe Soundkarte können sich Käufer nach einhelliger Meinung der Experten sparen. Mit ihren vielen Schnittstellen dienen sie laut Rau vor allem dazu, die Anschlussmöglichkeiten zu erweitern - und weniger dazu, den Klang aufzupolieren. Bezüglich der Klangqualität seien die integrierten Soundchips moderner Notebooks mittlerweile gleichwertig. „Die 200 Euro für eine externe Soundkarte würde ich eher in die Lautsprecher stecken”, pflichtet Rietschel bei.

In der Regel lassen sich die Boxen einfach in den Audioausgang des Notebooks einstöpseln. Allerdings müsse dieser eine entsprechende Spannung liefern, sagt Rietschel. Ansonsten komme er vielleicht nicht mit der Last langer Kabel zurecht - oder der Nutzer könne nicht laut aufdrehen.

Schwächelt der Ausgang, bieten sich Boxen an, die sich direkt über USB-Kabel an den Rechner anschließen lassen. Diese haben laut Rietschel aber auch Nachteile: „Für den Schreibtisch sind sie fast zu groß und für das Wohnzimmer zu klein.” Außerdem seien ihre Kabel nur wenige Meter lang.

Rietschel empfiehlt deshalb eine drahtlose Audio-Übertragungsstrecke. Dabei funkt ein Sender am Laptop die Musik digital zu den Empfängern an den Lautsprechern, die überall in der Wohnung aufgestellt werden können. Wer den Raumklang gern ausgestreckt auf dem Sofa genießt, könne sich zusätzlich ein kostenloses App mit dem Namen „Remote” herunterladen: Damit lasse sich der Player auf dem Laptop per iPhone oder iPod fernsteuern.
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