Berlin - Apps zum Selbermachen: Baukastensysteme helfen weiter

Apps zum Selbermachen: Baukastensysteme helfen weiter

Von: Oliver Schonschek
Letzte Aktualisierung:
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Berlin. Eine eigene App bringt Kundenkontakte, ist aber kostspielig. App-Baukästen bieten eine Alternative zur teuren Eigenentwicklung.

Mobile Apps sind beliebt und erreichen viele mögliche Kunden. Das zeigt sich in den rund 962 Millionen Apps, die deutsche Smartphone-Besitzer laut BITKOM in 2011 herunter geladen haben. Es lohnt sich offensichtlich für Unternehmen, selbst Teil der App-Welt zu werden.

Mit eigenen Apps können individuelle Geschäftsmodelle im mobilen Internet umgesetzt werden, und die Kunden lassen sich ganz gezielt ansprechen. So jedenfalls die Theorie, denn individuelle Apps sind durchaus mit größeren Investitionen verbunden. Dies erschwert gerade kleinen und mittleren Unternehmen den Schritt ins mobile Internet.

In nur fünfzehn Minuten zur eigenen App, das verspricht zum Beispiel der Anbieter AppYourself. Man muss keinen Crash-Kurs zum App-Entwickler absolvieren, um in dieser Zeit eine App zu erstellen. Innerhalb des Browsers kann man bei diesem App-Baukasten zwischen drei Layout-Typen wählen, auf Wunsch einen eigenen Menühintergrund hochladen und zwischen zwölf Modulen wählen, abhängig vom gebuchten Paket und natürlich von den eigenen Zielen, die man mit der App erreichen möchte.

Zur Auswahl stehen zum Beispiel Module wie RSS-Feeds, um den Nutzern automatisch aktuelle Unternehmensnachrichten anzeigen zu lassen, eine Foto- oder Video-Galerie z.B. für die Produktvorstellung, eine Navigationsfunktion für die Route zum eigenen Unternehmen, eine Veranstaltungsübersicht, ein Reservierungsmodul oder aber eine Gutschein-Funktion. Die Farbgestaltung der App lässt sich ebenso wählen wie das Icon, das die App zusammen mit dem Namen repräsentieren soll.

Die App für Android-Smartphone und iPhone gibt es bei AppYourself ab rund 40 Euro monatlich. Enthalten sind der Telefon- und E-Mail-Support sowie in Zukunft auch Nutzerstatistiken, um den Erfolg der eigenen App prüfen zu können.

Der App-Baukasten totallyApp bietet ebenfalls die Möglichkeit, online eine eigene App zu generieren. Allerdings sind nur Apps für iPhones und iPads möglich. Die sechs verfügbaren Module sehen zum Beispiel eine Kontaktseite, RSS-Feeds mit den eigenen Nachrichten, eine Foto-Galerie und eine Karten-Funktion in der eigenen App vor.

Vor Bereitstellung und Veröffentlichung der selbst zusammen gestellten App erhält man eine kostenpflichtige Testversion für rund 60 Euro. Die Vollversion kostet dann rund 500 Euro, wobei die Veröffentlichung im App Store, die Abwicklung des Review-Prozesses und die Anlage eines Entwicklerkontos im App Store enthalten sind. Individuelle Funktionen werden auf Basis eines Stundensatzes angeboten.

Mobile Apps können mehr sein als Informations- und Kommunikationskanäle. Sie können auch für den Online-Vertrieb genutzt werden. So gibt es zum Beispiel im YourApp-Framework neben den Modulen für News, Impressum, Firmenprofil, Kartenfunktionen, Feedback und PDF-Dokumente auch die Möglichkeit zur Darstellung von Artikeln und eine Warenkorb-Funktion.

Auch dieser App-Baukasten liefert Apps speziell für den iTunes App Store von Apple. Die Start-App mit RSS-Feeds, Unternehmensdarstellung, Impressum und der Darstellung von bis zu zehn Artikeln gibt es für rund 450 Euro, die Warenkorbfunktion soll zusätzlich 399 Euro kosten. Insgesamt werden mehr als 20 verschiedene Module angeboten, darunter auch eine Terminwunsch-Funktion oder ein Bonuscard-Modul zur Kundenbindung.

Mobile Roadie bietet einen App-Baukasten für ausgewählte Branchen, insbesondere im Bereich Entertainment, Sport, Medien, Bildung und Restaurants. Der Baukasten-Anwender kann über ein Content-Management-System (CMS) auf Wunsch gleichzeitig eine iPhone-App und eine Android-App aktualisieren und anpassen.

Die Module, die Funktionen für die jeweiligen Fans oder Kunden anbieten, reichen zum Beispiel von der Produktdarstellung, einer Terminübersicht, Podcasts und Video-Clips über die Integration in soziale Netzwerke wie Facebook und einem mobilen Online-Shop bis hin zu gezielten Push-Nachrichten z.B. an Kunden oder Fans in einem bestimmten räumlichen Umkreis. Zu den Funktionen für den Anwender selbst gehören neben dem CMS zur Content-Pflege auch umfangreiche Statistiken zur App-Nutzung.

Nach der Erstellung der App durch den Anwender übernimmt Mobile Roadie z.B. den Freigabe-Prozess für den iTunes App Store oder die Übermittlung der App an Android Market. Die Kosten betragen im Standard für die Einrichtung rund 500 Euro sowie 29 Euro monatlich, wobei die Zahl der App-Installationen auf 1.000 begrenzt ist. Unbegrenzte App-Installationen sind möglich, wenn man sich z.B. für das Jahresmodell entscheidet für 1.200 Euro jährlich. Dabei beziehen sich die Preise jeweils auf eine Plattform wie Android, für die zweite Plattform gibt es einen Preisnachlass.

Mit AppMakr steht ein Baukastensystem für Apps zur Verfügung, das nicht nur eigene Apps liefern kann, sondern auch eine unverbindliche Vorschau auf die eigene App. Dazu gibt man auf der Startseite einfach ein passendes Schlagwort zum eigenen Unternehmen oder aber die Internetadresse des Unternehmens ein. Dann sucht AppMakr passende Inhalte, um eine App-Vorschau erzeugen zu können.

Der App-Simulator zeigt allerdings nicht die Bandbreite an Modulen, die in diesem Baukasten zur Auswahl stehen. Neben einem RSS-Modul zur Anzeige von Unternehmens- oder Branchennachrichten können z.B. Push-Nachrichten an die App-Nutzer verteilt, eine Foto-Galerie eingebunden oder mobile Werbeanzeigen integriert werden, um mit der eigenen App Werbeumsätze zu generieren.

Umgekehrt ist es auch möglich, eine App von AppMakr kostenlos erstellen zu lassen, wenn man dafür Fremdwerbung in der eigenen App akzeptiert. Wer dies nicht möchte, kann die App für monatlich rund 80 US-Dollar einsetzen. AppMakr unterstützt die App-Generierung für iPhones, Android-Smartphones und Windows Phones.

Einen kostenlosen App-Baukasten bietet der MIT App Inventor. Dieses Projekt führt den Google App Inventor weiter, der von Google eingestellt wurde. Die Anmeldung für den MIT App Inventor setzt heute zumindest noch ein Google-Konto voraus. Erzeugt werden können eigene Android-Apps. Derzeit befindet sich der App Inventor allerdings in einer Beta-Phase, so dass er erst einmal nur für Tests, nicht aber für den produktiven Einsatz genutzt werden sollte.

App-Baukästen können abhängig vom Anbieter für die Kundenkommunikation und für den eigenen, mobilen Online-Shop einiges leisten, ohne Programmierkenntnisse oder größere Investitionen vorauszusetzen.

Doch je nach Geschäftsmodell im mobilen Internet können die Möglichkeiten eines App-Baukastens zu begrenzt sein. Wer Zugriff auf Entwicklerkapazitäten hat, findet im Internet ausführliche Leitfäden zur eigenen Programmierung von Android-Apps, iPhone-Apps oder Apps für Windows Phone. Mit einem eigenen App-Entwickler ist nahezu alles in der App-Welt möglich, doch gerade kleine und mittlere Unternehmen dürften kaum einen solchen Programmierer in den eigenen Reihen haben.

Nicht vergessen werden sollte, dass auch die selbst entwickelten oder im Baukasten zusammen gestellten Apps Vorgaben an den Datenschutz und die Datensicherheit erfüllen müssen. Eine eigene App zur Kundenbindung im mobilen Internet, die die Kundendaten gefährdet, wäre zweifellos schädlich für den Ruf des eigenen Unternehmens.

Doch es gibt auch für selbst entwickelte Apps die Möglichkeit, die Sicherheit zu verbessern, zum Beispiel das mIDentity App Security Toolkit (mID AST) von Kobil. Das Toolkit bietet unter anderem einen Schutz gegen schadhafte Apps, Verschlüsselungsfunktionen, eine Versionskontrolle, eine Update-Funktion sowie einen systemunabhängigen Zertifikatsspeicher für digitale Zertifikate, mit denen sich zum Beispiel die Echtheit einer App bescheinigen lässt.

Der eigene Weg in die App-Welt kann somit nicht nur schnell und relativ preiswert erfolgen, sondern auch möglichst sicher. Die Werkzeuge dafür sind bereits vorhanden.

© IDG / In Zusammenarbeit mit computerwoche.de
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