Aachen - Acht spezielle Suchdienste im Test

Acht spezielle Suchdienste im Test

Von: Diego Wyllie
Letzte Aktualisierung:
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Aachen. Für allgemeine Recherchen ist Google praktisch unersetzbar. Doch in bestimmten Fällen können spezielle Suchdienste schneller zu besseren Ergebnissen führen als der Suchmaschinenriese.

Heutzutage gibt es zwar hunderte von Suchmaschinen, aber keine dieser kleineren Alternativen, auch wenn einige davon sehr viel versprechend sind, können dem Suchdienst von Google das Wasser reichen. In den USA kommt der Suchprimus nach aktuellen Daten des Marktforschungsunternehmens ComScore auf rund 65 Prozent Marktanteil. In Deutschland beläuft sich der Wert sogar auf über 80 Prozent. Diese monopolartige Stellung von Google macht das Leben der Konkurrenten extrem schwer. Mehr oder weniger populäre Google-Alternativen wie DuckDuckGo, das von einem Einmannunternehmen angeboten wird; Ixquick, das Anonymität im Web verspricht; oder Metasucher wie Metacrawler bekämpfen sich eigentlich gegenseitig, ohne die führende Marktstellung von Google zu gefährden.

Vor diesem Hintergrund wird Google für allgemeine Recherchen voraussichtlich auch noch in ein paar Jahren die erste Adresse sein. Spezielle Suchdienste können in konkreten Fällen aber bereits heute bessere Ergebnisse liefern als Google. Auf welche Tools man, je nachdem was man sucht, am besten zurückgreifen sollte, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

Eine der wichtigsten alternativen Suchmaschinen ist „Wolfram Alpha”. Das Programm wurde von Stephen Wolfram, Erfinder der populären Wissenschaftssoftware ”Mathematica”, entwickelt, und will eine Funktionslücke von Google und Co. bei der Beantwortung von Fragen füllen. So soll das Hauptziel von Mathematica nicht das Auffinden von möglichst vielen Internet-Inhalten sein, sondern die Verarbeitung der zu einem bestimmten Thema verfügbaren Daten zu aussagekräftigen Ergebnissen. Damit ist Wolfram Alpha eine semantische Suchmaschine. Anstatt unzählige Suchergebnisse soll Wolfram Alpha stets eine direkte, konkrete Antwort liefern. So wird zum Beispiel bei der Frage „Wie viele Menschen wohnen in den USA?” die gesuchte Einwohnerzahl samt Graphiken und weiterführenden Details zurückgegeben. Man muss aber leider sagen, dass die Datenbasis bis dato recht klein zu sein scheint, denn viele getestete Suchen führen ins Leere. Ein weiterer Nachteil ist, dass das Programm nur Englisch versteht.

Seit neuestem bietet Wolfram Alpha neben dem Gratis-Angebot eine kostenpflichtige Pro-Version, die vor allem für Wissenschaftler interessant sein dürften. Für knapp fünf Dollar im Monat erhalten Anwender Zugriff auf weiterführende Features, wie etwa die Möglichkeit, Dateien zur Analyse hoch laden zu können. Ebenfalls erhältlich ist eine mobile Version für iPhone und iPad, die 2,39 Euro kostet. Wolfram Alpha steckt auch übrigens oft hinter den Antworten von Siri, der „digitalen Assistentin” des iPhone 4S.

Wer auf der Suche nach wissenschaftlichen Fakten ist - und etwas Glück hat! -, kann bei Wolfram Alpha fündig werden. Die Datenbasis scheint aber noch ziemlich klein zu sein. Man kann nur hoffen, dass diese erweitert wird, denn das Tool hat ein enormes Potenzial.

Der Suchmaschinenriese hat mit „Google Scholar” einen Recherchedienst für wissenschaftliche Literatur im Angebot, das bei vielen Internet-Nutzern noch unbekannt ist, obwohl es bereits seit 2004 verfügbar ist. Der erste Unterschied zur Standard-Suche, den man merkt, besteht darin, dass es hier keine Werbung gibt. Die entscheidende Differenz zwischen den beiden Tools ist jedoch die Tatsache, dass beim Scholar nicht das ganze Web, sondern nur wissenschaftliche Publikationen, Dissertationen und Bücher durchsucht werden. Dazu zählen sowohl kostenlose Dokumente aus dem freien Internet als auch kostenpflichtige Angebote von Verlagen. Wie der Suchmaschinenriese erklärt, berücksichtigt die Ranking-Technologie, die dem Dienst zugrunde liegt, den vollständigen Text eines Artikels, den Autor, wo der Artikel veröffentlicht und wie oft der Text in der wissenschaftlichen Literatur zitiert wurde.

Ein praktisches Feature, das Herr zu Guttenberg hätte sicherlich gut gebrauchen können: Das Programm analysiert und extrahiert die in den Volltexten enthaltenen Zitate und erstellt daraus automatisch eine Zitationsanalyse. Darüber hinaus können die bibliographischen Angaben dieser Zitate über den Suchdienst recherchiert werden. Damit eignet sich der Dienst bestens für Studenten und Wissenschaftler.

Keine Werbung, keine Social Media-Integration, und gute Ergebnisse in kompakter Form: Google Scholar zeigt, dass die Standard-Suche eigentlich viel zu Wünschen übrig lässt. Wer Daten aus wissenschaftlichen Quellen benötigt, der ist hier genau an der richtigen Adresse.

Immer wieder gerät Google aufgrund seiner Handlungen mit den sensiblen Daten seiner Kunden in die Kritik. Dabei zeigen sich vor allem hierzulande viele Anwender besonders empfindlich, was die Privatsphäre angeht. An solche Datenschutz-bewusste Anwender richtet sich die Suchmaschine „Startpage”. Die Seite liefert Suchergebnisse von Google, ohne die Privatsphäre der Nutzer zu gefährden. Der Betreiber verspricht, weder IP-Adressen noch Suchanfragen aufzuzeichnen, sowie auf so genannte „Tracking Cookies” zu verzichten. Wie der Anbieter erklärt, entspricht Startpage den Anforderungen der europäischen Datenschutzbestimmungen. Angeboten wird dieser Suchdienst erst seit 2011 von der Firma Surfboard Holding BV, dem niederländischen Anbieter, der aber bereits seit über zehn Jahren die „diskrete Suchmaschine” Ixquick betreibt. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Lösungen besteht darin, dass die Metasuchmaschine Ixquick die Ergebnisse verschiedener Suchdienste zusammenführt, aber Google-Ergebnisse nicht berücksichtigt.

Startpage vereint das Beste aus zwei Welten: Die bewährten Ergebnisse von Google auf der einen Seite, und der Datenschutz und Anonymität von Ixquick auf der anderen. In Zeiten, in denen ein Datenschutzskandal den nächsten jagt, sicherlich eine interessante und berechtigte Alternative.

Metasuchmaschinen wie Ixquick leiten eine Suchanfrage an mehrere andere Suchmaschinen gleichzeitig weiter, sammeln die Ergebnisse und bringen sie in eine einheitliche Oberfläche zusammen. Der Hauptvorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass mit einer einzigen Suche sehr viele Datenbestände durchsucht werden können. Als Nachteil werden häufig die Performance-Einbussen genannt, die durch die gleichzeitigen Anfragen an die unterschiedlichen Systemen unweigerlich entstehen.

Die erste Metasuchmaschine wurde in den 90er Jahren an der University of Washington programmiert und steht heute nach stetiger Weiterentwicklung immer noch zur Verfügung. Die Rede ist von „Metacrawler”. Dieser Suchdienst liefert Ergebnisse von Google, Bing und Yahoo und spezifiziert bei jedem Treffer, auf welcher Suchmaschine der angezeigte Link gefunden wurde. Wie es bei den klassischen Suchmaschinen der Fall ist, finanziert sich auch Metacrawler mit Werbung. Neben organischen Suchergebnissen werden also auch hier gesponsorte Links ganz oben auf der Seite präsentiert. Ein Vorteil ist, dass durch die zentrale Aufbereitung der Treffer viele nicht relevante Links rausgefiltert werden können, was letztendlich für akkurate Resultate sorgen soll. Im Praxistest liefert Metacrawler beispielsweise für die Bildersuche nach „Steve Jobs” tatsächlich ausschließlich Bilder, in denen der verstorbene Apple-Gründer zu sehen ist. Google dagegen liefert bei der gleichen Suche zahlreiche Bilder, die mit dem Suchbegriff, zumindest auf dem ersten Blick, nichts zu tun haben.

Mit Metacrawler erhalten Anwender eine anspruchsvolle und professionelle Metasuchmaschine, die seit über 20 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wird. Wer die Ergebnisse der drei wichtigsten Suchmaschinen berücksichtigen möchte, ist bei diesem kostenlosen Tool genau an der richtigen Adresse.

Quora” ist auf dem ersten Blick ein weiteres Frage-Antwort-Portal wie etwa Yahoo Answers, Answers.com oder Gutefrage.de in Deutschland, das im Jahr 2009 von ehemaligen Facebook-Mitarbeitern gegründet wurde. Der Online-Dienst verspricht allerdings die Content-Qualität zu liefern, die viele Anwender bei den bestehenden Alternativen vermisst haben. So konnten die Gründer von Anfang an wichtige Persönlichkeiten als Experten gewinnen, die mit ihren Antworten zum guten Ruf der Plattform beigetragen haben. Der Fokus auf Qualität zeigt sich aber auch an der Funktionalität der Software. So können gestellte Fragen beziehungsweise gelieferte Antworten von anderen Anwendern nachträglich bearbeitet werden. Dadurch wird die Community dazu motiviert, den Content dauernd zu verbessern.

Was Quora von den klassischen Frage-Antwort-Portalen noch unterscheidet, ist die nahtlose Integration mit den Sozialen Netzwerken Twitter und Facebook beziehungsweise die Implementierung von Funktionen, die diese Plattformen auszeichnen. So ist es bei Quora ähnlich wie bei Twitter möglich, anderen Nutzern zu folgen und Themen zu abonnieren. Die direkte Veröffentlichung von Fragen und Antworten auf den Sozialen Netzwerken sorgt zudem für den nötigen viralen Effekt.

Neben der zentralen Web-Plattform bietet Quora eine iPhone-App, die im App Store kostenlos erhältlich ist. Ein großer Nachteil besteht darin, dass der Content bis dato nur in englischer Sprache verfügbar ist.

Quora versucht eine Wissensdatenbank aufzubauen, die eine Suche bei Google oder Wikipedia überflüssig machen soll. Ob dies dem ehrgeizigen Startup tatsächlich gelingen wird, muss sich noch zeigen. Fakt ist, dass Quora viel mehr ist als nur ein weiteres Frage-Antwort-Portal.

Von dem großen Hype um Quora profitieren auch weitere neue Frage-Antwort-Communities wie zum Beispiel „Stack Overflow”. Dabei handelt es sich um ein speziell für Entwickler konzipiertes und kostenloses Experten-Portal, das 2008 auf den Markt kam und heute, vor allem in den USA, sehr beliebt ist. Egal ob iOS, Android oder Blackberry, PHP, .NET oder Java: Wenn Entwickler bei ihrer täglichen Arbeit mit einem Problem alleine nicht weiter kommen, oder wenn sie nicht wissen, wie man dies oder jenes am besten implementieren sollte, dann können sie sich auf diesem Portal nach Hilfe umschauen. Mit rund einer Millionen registrierten Anwendern (Stand: Januar 2012) bleiben erstellte Fragen selten unbeantwortet.

Das besondere an Stack Overflow liegt an einem durchdachten Reputationssystem mit ziemlich vielen Regeln, das Anwender für gute Antworten belohnt und dadurch motiviert, möglichst viele Fragen ausführlich und kompetent zu beantworten. Um von Stack Overflow als Leser zu profitieren muss man sich nicht registrieren - wer selber Fragen stellen und mit eigenen Antworten Reputationspunkte sammeln möchte, schon. Auch Stack Overflow gibt es leider nur auf Englisch.

Stack Overflow stellt eine zuverlässige Quelle für Entwickler dar, die Hilfe bei einem ganz bestimmten Problem suchen. Ein durchdachtes Reputationssystem sorgt dabei für verständliche und ausführliche Antworten. Es ist sogar oft überraschend, wie schnell manche Fragen beantwortet werden.

Als Informations-Netzwerk wird Twitter zunehmend zu einer entscheidenden Informationsquelle, die wertvolle Ergebnisse liefern kann - vor allem, wenn es um aktuelle News und Ereignisse geht. Twitter selbst bietet mit „Twitter Search” eine Suchmaschine, die das Twitter-Universum nach einem angegebenen Keyword beziehungsweise Hashtag durchsucht. Wer wissen möchte, was die Welt über bestimmte Themen gerade spricht, der ist bei Twitter genau an der richtigen Adresse. Doch Twitter Search ist nicht die einzige Möglichkeit, Tweets zu durchsuchen. Es gibt nämlich zahlreiche Tools von Drittanbietern, die die offizielle Search API von Twitter nutzen, aber weiterführende Features anbieten und die Ergebnisse besser, oder zumindest anders aufbereiten. Ein solches Tool ist „Twazzup”.

Dabei handelt es sich um ein einfaches, kostenloses Web-Angebot, mit dem Anwender recherchieren können, was gerade auf Twitter gepostet wird. Besonders nützlich kann das Werkzeug bei besonderen Ereignissen sein, zum Beispiel neulich beim Tsunami in Indonesien. Der Dienst zeigt nicht nur welche Tweets das gesuchte Keyword enthalten, sondern liefert gleichzeitig wertvolle Informationen rund um das Thema, wie etwa welche User als Experte in dem Gebiet gelten („Influencers”) oder diejenigen, die viel über das Suchwort schreiben („Most Active”). Ein weiterer Plus-Punkt: Die Suche kann bei Bedarf auf Tweets in deutscher Sprache eingegrenzt werden.

Wer auf Twitter nach aktuellen News und Ereignissen suchen möchte, der findet mit Twazzup eine einfache und gute Alternative, die genau das tut, was sie verspricht.

Eine weitere nennenswerte Suchquelle im Internet ist das „Open Directory Project”, kurz ODP, das bereits 1998 ins Leben gerufen wurde. Da es kurze Zeit später von dem Internetpionier Netscape übernommen und unter der Subdomain „directory.mozilla.org” geführt wurde, kennen viele den Dienst auch unter dem Namen „Dmoz”. Bei diesem Portal handelt es sich um eins der umfangreichsten Webverzeichnisse im Netz. Die Inhalte sind frei und werden von freiwilligen Redakteuren aus der ganzen Welt bearbeitet und aktualisiert. Mittlerweile enthält das manuell geführte Webverzeichnis nach eigenen Angaben rund fünf Millionen Einträge, die in Hunderttausenden Kategorien unterteilt sind - von Freizeit, Gesellschaft und Gesundheit, über Kultur, Politik und Medien bis hin zu Computer und Wissenschaft. Das Deutsch-sprachige Katalog umfasst laut Wikipedia allerdings nur etwa 500.000 Einträge. Der Dienst eignet sich bestens dazu, nach Produkten und Services zu suchen, ohne auf einen bunten, mit Werbung überfüllten Preisvergleichsportal zurückgreifen zu müssen.

Wer beispielsweise nach ERP-Software sucht, der findet eine ausführliche Liste mit zahlreichen Produkten und Dienstleistern, die in verschiedenen Kategorien unterteilt sind.

Wer sich von der altmodischen Benutzeroberfläche nicht erschrecken lässt, der kann beim Open Directory Projekt tolle Produkte, Dienstleistungen und weitere nützliche Informationen finden. (sh)

© IDG / In Zusammenarbeit mit computerwoche.de
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