Wildunfälle: Ohne Scheu im Liebesrausch

Von: amv
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Wildunfall
Auto- und Motorradfahrer sollten jetzt während der Brunftzeit auf liebesblinde Tiere gefasst sein und sehr vorausschauend fahren. Foto: dpa

München. Es sind Begegnungen der unliebsamen Art. „Urplötzlich taucht Rehwild vor dem Auto auf. Auto- und Motorradfahrer sollten jetzt während der Brunftzeit auf liebesblinde Rehe gefasst sein und sehr vorausschauend fahren“, empfiehlt Christoph Hecht, Fachmann für Wildunfälle beim ADAC in München. Während der Brunftzeit treiben die Böcke die Ricken vor sich her, verlieren in ihrem Liebesrausch jegliche Scheu, nehmen Gefahrenquellen nicht mehr wahr.

 Besonders tückisch: Nicht nur in der Dämmerung, sondern auch am helllichten Tag springen die liebestollen Rehe dann plötzlich auf die Straße.

Draufhalten, Bremsen oder Ausweichen - diese Entscheidung stellt sich nach den Erfahrungen von Christoph Hecht allenfalls in der Theorie: „Wir halten das für praxisfremd“, sagt er und empfiehlt, „niemals ausweichen, nur bremsen. Die Kollision mit dem Tier muss der Autofahrer in Kauf nehmen". „Mit riskanten Ausweichmanövern gefährdet man nicht nur die Fahrzeuginsassen im eigenen Auto, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer“, warnt Gerhard Blümel, Leiter der Fahrerakademie des österreichischen Autoclubs ÖAMTC vor falschen Reaktionen. „Ist ein Zusammenstoß mit einem Wildtier unvermeidbar, dann sollte der Fahrer scharf bremsen und dabei das Lenkrad mit beiden Händen gut festhalten.“

Springt ein Wildtier unmittelbar vor dem Fahrzeug auf die Straße, kann der Fahrer erfahrungsgemäß einen Zusammenprall nicht vermeiden - unabhängig von der Geschwindigkeit und dem Bremsweg. „Niedrigere Geschwindigkeiten jedoch reduzieren den Unfallschaden und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten", schildert Christoph Hecht seine Erfahrungen. Die Begegnungen der fatalen Art passieren vielfach auf wenig befahrenen Landstraßen.

Obwohl Auto- und Motorradfahrer oft nur wenige Chancen haben, Wildunfälle zu vermeiden, kann richtiges Verhalten die Folgen reduzieren. Schon ein Crash mit einem Hasen erzeugt bei 100 Kilometern pro Stunde (km/h) einen Aufpralldruck von 125 Kilo. Ein 20 Kilo schweres Reh bringt es sogar auf eine halbe Tonne. So ein Aufschlag kann das Auto zerreißen.

„Nach Wildwechsel-Schildern gilt, runter vom Gas und auf die Fahrbahnränder achten", legt Hans-Ulrich Sander, Kraftfahrtexperte von TÜV Rheinland in Köln, Autofahrern ans Herz. Wer statt mit Tempo 80 nur 60 fährt, verkürzt seinen Anhalteweg um 40 Prozent, genauer um 34 Meter. Wertvolle Bremsmeter, denn wenn es kracht, dann eben meist gewaltig. Sander: "Befinden sich Tiere bereits auf der Fahrbahn, heißt es, umsichtig bremsen, abblenden und hupen. Außerdem sollten Autofahrer stets mit mehreren Tieren aus einem Rudel rechnen - ein Reh kommt selten allein.“

„Nach dem Sichern der Gefahrenstelle sollten Autofahrer bei einem Wildunfall die nächste Polizei- oder Forstdienststelle kontaktieren", skizziert Christoph Hecht, was zu tun ist, wenn etwas passiert ist. Eine Meldepflicht für Wildunfälle ist in den Jagdgesetzen der 16 Bundesländer unterschiedlich geregelt - einige haben gar keine. Dennoch empfiehlt sich die Information der Polizei nach einem Wildunfall, auch wegen der Wildunfallbescheinigung. Nur mit einer schriftlichen Bestätigung der zuständigen Behörde leisten die Versicherungen Schadensersatz.

Auch ein Foto der Unfallstelle hilft, Ansprüche auf Schadensersatz zu untermauern. Die Polizei kann zudem den zuständigen Revierpächter informieren, der sich um das tote oder verletzte Tier kümmert und es nötigenfalls im Wald nachsucht. Generell, rät Hecht, solle man verletzte Tiere nicht anfassen - „nicht nur Raubwild kann in Panik beißen oder um sich schlagen und einen Menschen verletzen".

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