Was die Fehlerdiagnose beim Auto für Hobby-Schrauber bringt

Von: Philipp Laage, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Die On-Board-Diagnose kontrolliert alle abgasrelevanten Systeme des Autos, aber auch wichtige elektronische Steuergeräte. Richtig interpretieren kann die Daten aber nur ein Fachmann.

München/Hannover. „Ich schau mir das mal an”, hat früher der Nachbar gesagt, wenn etwas mit dem Auto nicht stimmte. Heute steckt so viel Elektronik unter dem Blech, dass auch ein versierter Tüftler schnell ratlos ist. Es gibt allerdings Geräte und Software, die Fehler in der Steuerungselektronik aufdecken, um einem Schaden auf die Spur zu kommen. Das nennt sich On-Board-Diagnose (OBD).

Die macht in der Regel eine Werkstatt und nicht der Nachbar. Allerdings gibt es auch für Hobby-Schrauber Systeme im Handel.

Was macht die On-Board-Diagnose? Sie kontrolliert alle abgasrelevanten Systeme des Autos, aber auch wichtige elektronische Steuergeräte. Das System ist für neue Benziner-Modelle ab 2000 und für neue Diesel-Modelle ab 2003 vorgeschrieben. Alle Fehlermeldungen werden gespeichert, bei Defekten leuchtet die Motorkontrollleuchte. Der Fehlerspeicher lässt sich auslesen, wenn die OBD-Schnittstelle im Auto mit einem Diagnosegerät oder einem Laptop mit entsprechender Software verbunden wird.

Was für Ergebnisse liefert die Diagnose? Das hängt von der Technik ab. Kompakte Diagnosegeräte aus dem Baumarkt für rund 50 Euro zeigen lediglich Fehler in Form genormter Codes, erklärt Fahrzeugtechniker Arnulf Volkmar Thiemel vom ADAC. „Man muss dann in einer Liste nachschlagen, wofür der jeweilige Zahlencode steht.” Spezielle Diagnosesoftware, für die der Nutzer ein Laptop braucht und die gut und gerne 500 Euro kostet, kann wesentlich mehr: Damit sind auch Codierungen der Fahrzeugelektronik möglich.

Im Handel erhältliche Diagnosesoftware kommt nicht von den Autoherstellern selbst, sondern wird von unabhängigen Anbietern entwickelt, erläutert Thiemel. Die Mehrmarken-Diagnose-Geräte könnten nicht bei jedem Auto alle Fehler anzeigen. „Das hängt sehr vom Anbieter ab und davon, wie gut der sich mit den verschiedenen Marken auskennt.” Die größte Diagnose-Tiefe erreichten meist die Hersteller-Werkstätten selbst mit ihren eigenen Systemen.

Kann ich mein Auto damit selbst reparieren? „Das ist eine unerfüllte Hoffnung. Der Nutzen wird meist überschätzt”, urteilt Mirko Dölle, Fachredakteur der Computerzeitschrift „ct”. „Das System liefert zwar die Codes. Was schiefläuft, muss ich aber selbst herausfinden.” Auch markenspezifische Programme könnten das nicht. Die richtige Interpretation der Codes bedürfe viel Erfahrung, ergänzt Thiemel. „Das fällt auch Werkstätten nicht immer leicht.”

„Man kann das mit einem Arztbesuch vergleichen”, erklärt Dölle. „Das Diagnosegerät ist der Patient, der dem Doktor erklärt, wo es wehtut. Aber erst wenn der Arzt anhand der Symptome die Erkrankung diagnostiziert, kann er dem Patienten helfen.” Meist lässt erst eine Vielzahl an Fehlern auf den eigentlichen Schaden im Auto schließen. „Die Diagnosegeräte ersetzen deshalb keinen versierten Mechaniker.”

Kann ich mein Auto mit der Software tunen? In Internetforen werde darüber viel diskutiert, hat Thiemel beobachtet. Tatsächlich sind weitreichende Eingriffe in die Steuerungselektronik möglich. „Das ist aber nur etwas für jemanden, der solide Kfz-Grundkenntnisse hat”, sagt Sven Meyer. Er ist Geschäftsführer von OBD-Tuning in Hamburg und warnt: „Mit mancher Software lassen sich sicherheitsrelevante Einstellungen ändern. Da sollte man genau wissen, was man tut.”

Das sieht auch ADAC-Experte Thiemel so: „Wer sich damit nicht auskennt, kann ganz viel kaputtmachen.” Ein Auto verliere leicht die Betriebserlaubnis, wenn an den Codierungen herumgespielt wird. „Wenn Sie das ABS manipulieren und ihr Freund mit dem Auto gegen einen Baum fährt, haben Sie ein gewaltiges Problem.” Um die Diagnosegeräte nutzen zu können, müsse man zwar kein IT-Experte sein, aber durchaus ein versierter Mechaniker, sagt Mirko Dölle.

Was bringt mir OBD sonst? Manche Diagnosesysteme erlauben den Werkstätten Eingriffe in die Motorsteuerung, womit sich die Leistung steigern lässt. Dafür braucht es aber einen KFZ-Meister, der sich mit den Leistungsgrenzen des Motors auskennt und das passende Gutachten für den TÜV erstellt, erklärt Dölle. Auch die Firma von Sven Meyer macht professionelle Updates der Motorsteuerung, um mehr aus dem Aggregat herauszuholen oder den Kraftstoffverbrauch zu senken.

Für Hobby-Schrauber müssen es nicht gleich sicherheitskritische Umcodierungen sein: Zum Beispiel lassen sich viele Funktionen freischalten, für die Hersteller viel Geld nehmen, berichtet Dölle. „Zum Beispiel einen Tempomaten: Hat man den Bedienhebel aus dem Ersatzteilkatalog erst eingebaut, muss man oft nur die Funktion freischalten und kann sich so einige hundert Euro gegenüber dem Nachrüstpreis der Werkstatt sparen.”

„Mit einem markenspezifischen System können Hobby-Schrauber einige Verbesserungen aus ihrem Wagen herausholen”, urteilt Dölle. Für Schrauber-Gemeinschaften lohne das auf alle Fälle - wenn sie das nötige Fachwissen haben. „Ein Laie kann sein Auto nicht programmieren wie einen Computer”, erklärt Thiemel. „Solche Software ist für Fachleute.”

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