VW will Amerikanern den Kombi schmackhaft machen

Von: Daniel Schnettler, dpa
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„Der Markt bewegt sich, alleine schon wegen der steigenden Spritpreise”, begründete Nordamerika-Chef Jonathan Browning den Zeitpunkt für den Vorstoß. Foto: dpa

New York. Die US-Amerikaner sind das Volk der Kombi-Muffel. Wer ein großes Auto braucht, kauft einen Geländewagen oder Van. VW wagt mit jetzt einen neuen Vorstoß bei den Kombis.

VW versucht das scheinbar Unmögliche und testet, ob die US-Amerikaner nicht doch einen Kombi in ihr Herz schließen können. Auf der New York Auto Show ist ab dieser Woche die Studie Alltrack auf Passat-Basis zu sehen. „Der Markt bewegt sich, alleine schon wegen der steigenden Spritpreise”, begründete Nordamerika-Chef Jonathan Browning den Zeitpunkt für den Vorstoß.

„Bislang stehen Amerikaner auf Geländewagen und Vans. Kombis haftet in den Vereinigten Staaten der Ruf an, Lastentransporter zu sein.” Browning will die Amerikaner mit einem Kniff überzeugen: So liegt der Alltrack höher als klassische Kombis, besitzt einen Unterbodenschutz und erinnert auch rein äußerlich mit seinen bulligen Stoßfängern an die so beliebten Geländewagen. „Wir wollen einfach testen, wie solch eine Mischung bei den Kunden ankommt”, sagte Browning.

Der Alltrack kombiniere die Robustheit und Vielseitigkeit eines Geländewagens mit dem Spritverbrauch und den Fahreigenschaften eines Pkw. Den in Deutschland gefragten Passat Kombi hat Volkswagen in den USA mangels Nachfrage aus dem Programm genommen. Auch der kleinere Jetta-Kombi verkauft sich in den Staaten nur schleppend. Es ist aber noch vollkommen offen, ob die Studie Alltrack in Serie geht. „Warten wir erst mal die Reaktionen auf der Messe ab.”

Als Stinker verschrien

VW war mit der Einführung des Diesel schon einmal gegen den Trend erfolgreich - denn die Motoren waren in den USA lange als Stinker verschrien. Mittlerweile ist jeder vierte in den Staaten verkaufte VW mit einem Dieselmotor ausgerüstet, was mit dazu beigetragen hat, dass die Wolfsburger kräftig gewachsen sind. Die Stammmarke legte im ersten Quartal um 41 Prozent zu.

„Unser Ziel bleibt, schneller als der Markt zu wachsen”, sagte Browning. Nach Daten des Marktforschers Autodata wuchs der Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum um 13 Prozent. „Wir wollen weiterhin im Jahr konzernweit mehr als 500 000 Autos in den USA verkaufen. Aber es gibt immer Möglichkeiten, das Ziel zu übertreffen.” Im vergangenen Jahr war VW samt der Oberklasse-Tochter Audi auf gut 444 000 Wagen gekommen.

Allerdings fielen im vergangenen Quartal die Verkäufe des meistverkauften Modells Jetta, wenngleich nur leicht. „Das ist normal im zweiten Jahr eines Modellzyklus, vor allem wenn es ein weiteres starkes Modell wie in diesem Fall den neuen US-Passat gibt.” Der US-Passat, der größer und gleichzeitig günstiger als sein europäischer Namensvetter ist, wird in einer eigens gebauten Fabrik in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee hergestellt.

Momentan überlegt auch Audi, ein Werk in der Region zu errichten, wobei neben den USA auch Mexiko als Standort im Rennen ist. „Die Entscheidung über das neue Audi-Werk wird noch in diesem Jahr fallen”, bestätigte Browning die Planungen. Mit der Offensive schließen die Wolfsburger eine Lücke auf ihrer Landkarte und kommen ihrem Ziel näher, die Nummer eins unter den Herstellern auf der Welt zu werden. Bislang ist dies die Opel-Mutter General Motors. Während VW in Europa und China höchst erfolgreich war, dümpelten die Verkäufe in den USA und Kanada lange vor sich hin, es liefen Verluste auf. „Es bleibt dabei: Wir wollen 2013 gruppenweit in Nordamerika die Gewinnschwelle erreichen”, sagte Browning.
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