VW Touran: Familien-Van mit nüchternem Design und bewährter Golf-Technik

Von: Norbert Michulsky
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Als Volkswagen im Fruehjahr 2003 mit dem Touran sein erstes Modell im boomenden Van-Markt praesentierte, gab es nicht wenige skeptische Stimmen. Jetzt steht ein Nachfolger bei den Haendlern. Foto: dapd

Wolfsburg. Der VW Touran ist der rollende Beweis dafür, dass praktisch nicht immer schön ist, meist aber gut. Im TÜV-Report 2011 rangiert der Familien-Van von Volkswagen zwar nicht auf den vordersten Plätzen, bekommt aber fast durchweg gute Noten.

Erst den Markt verschlafen und dann mit einem optischen Langweiler zu überhöhten Preisen hinterher fahren: Die Prognose der Auto-Fachwelt war nicht rosig, als der VW mit dem Touran im Jahr 2003 an den Marktstart rollte.

Zudem war das eher unscheinbare Gefährt zu einem Politikum geworden: Der Familien-Van ist das erste Kind des Projekts „5.000 für 5.000”, mit dem VW Beschäftigung sichern wollte. Allerdings auch hart dafür kritisiert wurde, dass innerhalb der VW-Produktion eine Zweiklassengesellschaft geschaffen würde.

Weder über die Tauglichkeit des Projekts „5.000 für 5.000” noch davon, dass VW den Markt bei den Familien-Vans verschlafen hatte, spricht heute noch jemand. Bereits ein Jahr nach Marktstart hatten die Wolfsburger die Nase vor den Pionieren des Segments, dem Zafira von Opel und dem Scenic von Renault. Im Frühjahr 2010 übersprang der Touran die Marke von einer Million verkaufter Fahrzeuge in Westeuropa.

Wenig hat das mit dem sehr nüchtern geratenen Design zu tun, sehr viel mit der millionenfach bewährten Golf-Technik unter der Haube und dem extrem hohen Nutzwert. Der Rückgriff auf erprobte Technik macht sich im guten Abschneiden bei der Hauptuntersuchung bemerkbar:

„Abgesehen von überdurchschnittlichem Bremsverschleiß bei älteren Modellen, überdurchschnittlich häufigen Defekten an den Antriebswellen sowie einer hohen Mängelquote bei der Beleuchtung steht der Touran gut da”, zieht TÜV-Süd-Autoexperte Philip Puls Bilanz. So schneidet der Fünfsitzer, der gegen Aufpreis zum Siebensitzer aufgemöbelt werden kann, in den Kapiteln Rost, Lenkung, Bremsen und Umwelt deutlich besser aber als der Durchschnitt der im TÜV-Report ausgewerteten Fahrzeuge.

Frei von technischen Problemen ist der Touran aber nicht. So gibt es in Pannenstatistiken und einschlägigen Foren insbesondere bei Modellen, die von den sparsamen TDI-Motoren angetrieben werden, Klagen über defekte Turbolader, undichte Pumpe-Düse-Elemente, Risse im Zylinderkopf und Störungen der Motorelektronik. Bei frühen Modellen gab es immer wieder Probleme mit dem klemmenden Heckklappenschloss.

Voll des Lobes ist die Touran-Gemeinde dagegen mit Blick auf das Fahrwerk und die Motorisierung. Letzteres gilt für die Diesel-Modelle, nachdem zur Jahresmitte 2010 die rauen Pumpe-Diesel-Aggregate durch die wesentlich kultiviertere Common-Rail-Technik ersetzt wurden. Keine Probleme hat das straffe und komfortable Fahrwerk auch mit den kleinen 1,4-Liter-TSI-Motoren, die mit ihrer kombinierten Kompressor- und Turboaufladung sehr ordentliche Fahrleistungen bei niedrigem Verbrauch produzieren.

Im Kapitel Verbrauch glänzt der Minivan ebenso wie beim Nutzwert: So ist es kein Problem, beispielsweise den 1,9 TDI mit 105 PS mit knapp sechs Litern über die Straßen zu bewegen. Mit Blick auf den Nutzwert hat der Touran ein fast perfektes Format: Selbst fünf Personen finden bequem Platz und das bei Mitnahme von Gepäck für die vierwöchige Urlaubsreise. Lediglich für kurze Strecken und für den Ausnahmefall ist hingegen die dritte Sitzreihe geeignet.

Die volle Ladung an Nutzwert lässt sich VW ordentlich bezahlen. Die Popularität des Touran schlägt sich entsprechend in den Gebrauchtwagenpreisen nieder. So beginnen die Preise für den 1,9 TDI Baujahr 2007 mit knapp unter 45.000 Kilometern bei rund 14.000 Euro, die Benziner liegen leicht darunter. Einen spürbaren Qualitätsfortschritt brachte die Modellpflege 2006, weshalb Interessenten Fahrzeuge nach diesem Baujahr empfohlen seien.
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