Wolfsburg - VW Caddy TDI BlueMotion: Familienfrachter mit langer Aufpreisliste

VW Caddy TDI BlueMotion: Familienfrachter mit langer Aufpreisliste

Von: amv
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VW Caddy
Der aktuelle Jahrgang präsentiert sich schon äußerlich modern und zeitgemäß. Foto: Volkswagen

Wolfsburg. Nicht spektakulär, eher solide wie ein treuer Freund präsentiert sich der VW Caddy. Ausflüge mit Familie und Hund, ein kleinerer Umzug, mal wieder wie früher im Auto übernachten - wo auch immer man vorfährt, scheint die Phantasie geweckt, was man mit der Kombiversion des Kastenwagens alles erleben könnte.

Die eher einfache Machart des Nutzfahrzeug-Abkömmlings tritt bei derartigen Überlegungen vollkommen in den Hintergrund. Übersichtlichkeit sowie Alltagstauglichkeit zeigen ihre eigenen Reize. Und ganz so karg wie früher ist der Caddy der vierten Generation ja nun wahrlich nicht mehr.

Der aktuelle Jahrgang präsentiert sich schon äußerlich modern und zeitgemäß. Das Heck wird dominiert von einem großen und ebenfalls steil stehenden Fenster in der über die gesamte Fahrzeugbreite und bis auf den Stoßfänger reichenden Ladeklappe. Breite, hohe Türen vorne oder Schiebetüren hinten (links 470 Euro Aufpreis) sorgen für einen einfachen und mühelosen Zugang.

Die großen Scheiben rundum tragen zu einer lichtdurchfluteten und großzügig wirkenden Atmosphäre im Inneren bei. Öffnen lassen sich die Fenster im Fahrgastraum allerdings nur dann, wenn auf der Optionsliste ein Kreuzchen beim Punkt „Schiebefenster“ für 280 Euro pro Seite gemacht wird.

Die Platzverhältnisse in dem 4,50 Meter langen Kastenwagen sind für alle Reisenden tadellos. Die Position hinterm Steuer ist angenehm hoch. Der Fahrer kann sich seinen Arbeitsplatz dank höhen- und längsverstellbarem Lenkrad sowie höhenverstellbarem (Aufpreis: 154 Euro) und wirklich bequemen Sitz individuell anpassen.

Die im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel teilbare Rücksitzbank im Fond dürfte indessen etwas stärker konturiert sein. Doch das Maß an Bein- und Kopffreiheit entschädigt für diesen Nachteil.

Der Armaturenträger ist VW-typisch: alle Schalter und Funktionen liegen genau da, wo man sie erwartet. Man findet sich schnell zurecht. Für das Multifunktionslenkrad zur Bedienung von Radio, Multifunktionsanzeige und Telefon müssen allerdings 440 Euro zusätzlich investiert werden. Um sich auf dem Bildschirm für das optionale Navigationssystem (1310 Euro) schneller einen Überblick verschaffen zu können, würde man sich wünschen, er läge über und nicht unter den Lüftungsdüsen.

Eine Dachgalerie über den vorderen Plätzen bietet Staumöglichkeiten für familiären Krimskram von Reinigungstüchern bis hin zum Kuscheltier. Einliter-Flaschen-taugliche Seitenfächer in den Türen helfen zusammen mit zahlreichen kleineren Ablagen ebenfalls dafür, Ordnung an Bord zu halten. Im Frachtraum steht bei voller Besetzung auf einer Fläche von knapp einem Quadratmeter ein Ladevolumen von 910 Litern zur Verfügung.

Wenn das noch nicht ausreicht, können die Lehnen der Rücksitzbank umgelegt werden. Dann baut sich allerdings eine ziemlich hohe Stufe auf. Praktischer ist es da schon, die Sitzbank ganz nach vorne umzulegen. Die Kopfstützen müssen dabei zwar nicht abmontiert werden. Ganz einfach ist es dennoch nicht, da vor allem der Teil mit zwei Sitzplätzen ziemlich sperrig und auch nicht wirklich leicht ist. Der Lohn der Umbauarbeiten sind 3200 Liter Ladevolumen bei einer Nutzlast von 798 Kilogramm.

Zudem ist es möglich, die Sitze ganz auszubauen. Allein ist das aber kaum zu bewerkstelligen und dürfte deshalb die Ausnahme bleiben. Grundsätzlich erfreulich ist es, dass die Ladekante nur 54 Zentimeter über dem Boden liegt und die Hecköffnung mit 81 Zentimeter Breite und 1,24 Meter Höhe so groß ist, dass die Beladung rückenfreundlich gelingen kann.

Wenig zu spüren bekommen die Insassen auch von Fahrbahnunebenheiten. Die schluckt das Fahrwerk des VW trotz der blattgefederten hinteren Starrachse weitgehend weg. Seiner Nutzfahrzeugherkunft geschuldet ist der Wendekreis von elf Metern. Das trägt dazu bei, dass der Caddy in der Stadt gelegentlich etwas unhandlich wirkt.

Als ausreichend durchzugsstark und agil erweist sich der 102 PS starke Zweiliter-TDI. Die leicht rauen Arbeitsgeräusche nehmen bei höheren Geschwindigkeiten etwas zu, womit ein Telefonat per Freisprechanlage mühsam wird.

In der BlueMotion-Version sollen Bremsenergierückgewinnung, rollwiderstandsoptimierte Reifen, die tadellos funktionierende Start-Stopp-Automatik sowie eine verbesserte Aerodynamik laut Volkswagen dazu beitragen, den Durchschnittsverbrauch auf 4,6 Liter zu reduzieren. Im Durchschnitt und bei einem etwas größeren Anteil an zügiger Überlandfahrt standen im Test gut sechs Liter im Display. Bei etwas zurückhaltender Fahrweise schafft man einen Liter weniger.

Erstaunlich und nicht zu verstehen ist, dass die grundsätzlich gut bestückte Sicherheitsausstattung nicht einmal optional mit Seiten- und Kopfairbags für die hintere Sitzreihe ergänzt werden kann. Auch bei einem einfacheren Fortbewegungsmittel für die Familie würde man sich diese Extras wünschen. Zumal die Liste der Sonderausstattungen für den Zweiliter-TDI BlueMotion (21.860 Euro) sowieso recht häufig bemüht werden muss, will man zumindest etwas Komfort an Bord des Caddy haben.

Während Geschwindigkeitsregelanlage und Zentralverriegelung ab Werk geliefert werden, kosten elektrische Fensterheber und elektrische einstell- und beheizbare Außenspiegel im Paket 420 Euro. Für den Parkpilot hinten müssen 340 Euro, für die Klimaanlage 1260 Euro oder das einfachste Radio 325 Euro ausgegeben werden. Damit kommt der biedere Familienfrachter letztlich auf einen stattlichen Preis.

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