Volvo XC 90 T6 Momentum: Das Luxus-SUV macht Volvo Probleme

Von: amv
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Luxusprobleme bei Volvo: Bereits im ersten halben Jahr wurden mehr Modelle des XC 90 bestellt, als für die Produktion im ganzen Jahr vorgesehen waren.

Köln . Volvos Manager stecken derzeit mit ihren Topmodell XC90 in Kalamitäten. „Wir hatten für dieses Jahr mit weltweit 50.000 XC90-Verkäufen gerechnet, doch schon wenige Wochen nach dem Marktstart im Juni lagen uns bereits 51.000 Bestellungen vor“, skizziert Volvo-Vizepräsident Alain Visser das Luxusproblem.

„ Durch eine Produktionserhöhung im schwedischen Werk Torslanda werden wir aber ziemlich rasch den Überhang abbauen“, beruhigt Volvo-Sprecher Michael Schweitzer und bis die Lieferwelt wieder in Ordnung ist, werde man hierzulande XC-90-Käufern bis zur Auslieferung eine adäquate Ersatzmobilität anbieten. Der XC90 ist das erste Modell mit der neuen schwedischen Designsprache, die von dem Deutschen Thomas Ingenlath - früher Formgeber im VW-Konzern - kreiert wurde.

Trotz seiner konservativen Form präsentiert sich der XC90 als etwas Besonderes, schlicht und dennoch hochwertig. Mit üppigem Raumangebot, sicher, stilvoll und bequem, am Konzept des XC 90 haben die Techniker und Designer nichts geändert, sondern nur überall Feinschliff geleistet und zeitgemäße Technik installiert. Dazu gehört für Volvo auch Verzicht. Sechs- oder gar Achtzylinder sind fortan Fehlanzeige. Vierzylinder müssen reichen und tun es auch, wie der Zwei-Liter-Benziner (320 PS) im XC 90 T6 Momentum beweist. 230 Kilometer pro Stunde (km/h) nennt Volvo als Höchstgeschwindigkeit für den Allradler.

Der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 wird demnach in 6,5 Sekunden erledigt. Es versteht sich, dass beim Auskosten des Leistungsangebots der Normverbrauch von acht Liter Makulatur ist. Knapp unter elf Liter sollte man im Alltagsbetrieb einkalkulieren. Seine Arbeit verrichtet der Vierzylinder des XC90 T6 samt Achtgang-Automatikgetriebe zufriedenstellend. Allerdings wirkt er jenseits von Tempo 150 etwas angestrengt, zudem ansonsten wohltuende Ruhe herrscht und er lässt jene Souveränität vermissen, die Konkurrenten mit ihren sechs oder acht Zylindern in dieser Liga bieten.

Doch da das Luxus-SUV ohnehin eher zu einer entspannten Fahrweise animiert, ist der konstruktive Verzicht an Brennräumen kein wirkliches Manko. Dem Relax-Charakter kommt auch der Innenraum zugute. Allein das üppige Platzangebot beeindruckt schon. Vorne bietet der XC90 zwei kuschelige Sessel, aus denen man selbst nach etlichen hundert Kilometern entspannt aussteigt. Im Fond gibt es drei weitere Fauteuilles, zudem zwei Kindersitze in der dritten Reihe (Aufpreis: 1500 Euro).

Das Ladevolumen beträgt dann 314 Liter. Sonst finden zwischen 721 und 1886 Liter Platz. Was einzustellen oder abzulesen ist, wurde digitalisiert. Nur noch acht Tasten finden sich auf der Mittelkonsole. Navi, Infotainment oder Fahrmodi werden mittels diverser Menüs auf einem Tablet-ähnlichem 9,2-Zoll-Touchscreen gesteuert. Das allerdings erfordert - wie bei einem neuen Mobilephone - etwas Übung und wer beispielsweise während der Fahrt rasch den Spurhalteassistenten aktivieren will, muss feinmotorisch zu Wege gehen und wird dabei wohlmöglich unnötig vom Verkehrsgeschehen abgelenkt.

Im Kapitel Fahrdynamik erweist sich der Volvo als überraschend behände, auch dank seiner präzisen Lenkung. Aber er lässt keine Zweifel aufkommen, seine Domäne ist die Langstrecke, nicht der Sprint von Kurve zu Kurve. Wer partout möchte, kann den XC 90 Kurven räubern lassen, doch bei fahrerischem Übermut lenkt das ESP ebenso sanft wie nachhaltig die Fuhre wieder in sichere Bahnen. Unternehmenstypisch wird Sicherheit ganz großgeschrieben. Entsprechend besitzt der XC 90 praktisch alles, was es derzeit an Assistenzsystemen gibt, etwa einen adaptiven Temporegler mit Assistent: die Elektronik steuert den XC90 im Stop-und-Go-Verkehr bis 50 km/h autonom.

Neu ist ein Kreuzungsassistent, der beim Abbiegen vor Gegenverkehr warnt. Besonders stolz aber sind Volvos Entwickler auf ein System („Run off Road“), das beim Abkommen von der Straße drohendes Unheil mildern soll. „Wir halten die Insassen in einer aufrechten Position und federn den Aufprall ab. Dadurch können wir die vertikalen Kräfte, die auf die Passagiere einwirken, um bis zu ein Drittel verringern“, erläutert Lotta Jakobsson, Senior Technical Specialist Safety im Volvo Cars Safety Centre. 2002 kam der erste Volvo XC 90 auf den Markt. Inklusive eines Facelifts wurde er 13 Jahre lang gebaut. Mit dem neuen XC90 ist Volvo nun der Brückenschlag zwischen Tradition und Fortschritt gelungen. Geblieben ist das Preisniveau des Flaggschiffs.

Mit diversen Zusatzausstattungen wie der Textilfussmatte für die dritte Sitzreihe (30 Euro oder dem adaptiven Luftfahrwerk (2560 Euro) werden aus dem Basispreis von 53.400 Euro rasch 88.755 Euro. Allerdings: süddeutsche oder englische Konkurrenten kicken in der gleichen Preisliga.

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