Volkswagen Beetle Cabrio: Ein offenherziger Käfer

Von: Silke Koppers, dapd
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VW Beetle Cabrio
Mit der offenen Version des Beetle legt Volkswagen nicht nur einfach einen Klassiker neu auf. Foto: dpa

Wolfsburg. Mit der offenen Version des Beetle legt Volkswagen nicht nur einfach einen Klassiker neu auf. Der Konzern, der weltweit die Nummer 1 der Automobilhersteller werden will und vermutlich auch wird, nutzt die in vielen Autofahrerherzen konservierte Liebe für den Frischluft-Käfer, um seinen Erfolg auszubauen.

Das war mit dem ersten Versuch vor knapp zehn Jahren nicht ganz so gelungen, aber die ab Februar 2013 erhältliche Neuauflage könnte das schaffen. Denn das neue Beetle Cabriolet rückt wieder näher an das Original heran.

Mit seinen rundlichen Scheinwerfern, den vorstehenden gewölbten Radhäusern und seinen schmalen Trittbrettern ist der Beetle sofort als Enkel des Käfers zu erkennen. Im Innenraum erinnert das in Wagenfarbe lackierte Armaturenbrett mit dem kleinen aufklappbaren Fach auf der Beifahrerseite an seine Vorfahren aus den Erfolgsjahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Wie diese besitzt auch der Neue ein Stoffverdeck, das aufgeklappt auf der Karosserie aufliegt und unter einer von Hand anzubringenden Persenning verstaut werden kann. Allerdings öffnet und schließt sich das Dach heute vollautomatisch binnen knapp elf Sekunden bis zu einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern (km/h). Ein für 325 Euro teurer, von Hand anzubringender Windschott schützt Fahrer und Beifahrer vor Verwirbelungen. Bei Fahrten mit ein oder zwei Passagieren auf der Rückbank treten diese naturgemäß dennoch auf, weil dann ein solcher Windschutz nicht genutzt werden kann.

Sportlichere Proportionen und mehr Platz

Dafür genießen alle Mitfahrer mehr Platz als zuvor, besonders im Fond. Der VW ist mit 4,28 Metern 15,2 Zentimeter länger als sein Vorgänger. In der Breite wuchs er um 8,4 Zentimeter auf 1,80 Meter. Dafür ist das Cabrio um knapp drei Zentimeter flacher geworden und nur noch 1,47 Meter hoch. Dennoch stoßen durchschnittlich große Menschen sich nicht den Kopf, wenn sie es sich auf den Rücksitzen bequem machen. Das Plus an Länge kommt nicht nur ihren Knien zugute, sondern auch dem Kofferraum. Dessen Volumen wuchs um 24 auf 225 Liter - was allerdings an der engen Öffnung nichts ändert. Dafür können jetzt die Rücksitzlehen über einen Hebel im Stauraum umgelegt werden. Das war vorher wegen des Überrollschutzsystems nicht möglich. Doch nun verbaut der Hersteller ein anderes System, das im Falle eines Überschlags hinter den Fondkopfstützen nach oben schießt und so das Einknicken des Daches verhindern soll.

Durch den nach hinten versetzten Windschutzscheibenrahmen und die damit veränderte Dachkontur ist der Beetle geschlossen nicht nur deutlich flacher, er wirkt zudem dynamischer. Dem trägt VW auch mit seinem Motorenprogramm Rechnung und bietet ausschließlich direkteinspritzende Vierzylinder-Turbomotoren an. Darunter befinden sich drei Benziner (TSI) mit 1,2, 1,4 und 2,0 Litern Hubraum und drei Leistungsstufen (77 kW/105 PS, 118 kW/160 PS und 147 kW/200 PS). Daneben werden zwei Dieselmotoren angeboten: Der 1,6-Liter-TDI leistet 77 kW/105 PS, während der 2,0-Liter-TDI 103 kW/140 PS entwickelt. Der kleinste Diesel ist ab Werk mit einer Fünfgang-Schaltung kombiniert, der kleinste Benziner mit einer Sechsgang-Schaltung. Alle Aggregate können optional mit einem Sechs- oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert werden. Der Verbrauch liegt je nach Motor-Getriebe-Kombination laut Hersteller zwischen 5,1 Litern Diesel und 7,9 Litern Superbenzin.

Konkurrent zum Mini Cabrio

Ein zu schwacher Motor für das Beetle Cabrio findet sich in dieser Liste nicht. In offenen Fahrzeugen wird eher gecruist als schnell gefahren, und dafür offeriert VW mit dem 118 kW/160 PS starken TSI den vermutlich besten Antrieb. Dabei kommt man schon mit dem kleinsten Benziner gut von der Stelle. Wer es sportlich mag, der sollte den stärkeren TSI wählen. Damit bereiten kurvige Landstraßen noch mehr Spaß als ohnehin schon. Hinzu kommt ein angemessener Motor-Sound in Form eines vernehmbaren, aber nicht lauten oder gar störenden Röhrens. Das ausgewogen abgestimmte Fahrwerk bügelt Unebenheiten souverän aus. Beim stärksten Diesel entstand bei ersten Testfahrten allerdings der Eindruck, als würde der Selbstzünder den Beetle erschüttern. Am Vortrieb an sich ist allerdings nichts auszusetzen.

Anders steht es da um die Sicht nach hinten. Zuerst meint man, der Innenspiegel sei zu klein, bis klar wird, dass die Kopfstützen im Fond auch bei einem größeren Spiegel die Rücksicht behindern. Das mag für den einen oder anderen Fahrer auch das Einparken erschweren, speziell bei geschlossenem Dach. Wer nicht schnell die Abmessungen des Cabrios verinnerlicht, dem sei der Parkpilot angeraten. Das akustische Warnsignal bei Hindernissen im Front- und Heckbereich kostet 550 Euro Aufpreis. Eine Rückfahrkamera hilft ebenfalls, hierfür werden 280 Euro fällig. Und das sind nur zwei von vielen Möglichkeiten, mit denen der Preis für den ab 21.350 Euro erhältlichen offenen Beetle in die Höhe getrieben werden kann. Auch damit liegt er auf einer Ebene mit seinem schärfsten Konkurrenten, dem Mini Cabrio. Trotz einer halbwegs akzeptablen Serienausstattung, sind die 28.000 Euro durch einen flotten Motor und ein paar Ausstattungselemente schnell überschritten. Aber das wird ebenso wie beim Mini die Kundschaft kaum schrecken.

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