München - Verkehrsverstoß im Ausland: Bußgelder folgen in die Heimat

Verkehrsverstoß im Ausland: Bußgelder folgen in die Heimat

Von: Nobert Michulsky
Letzte Aktualisierung:
Symbol Radarfalle Blitzanlage Blitzer Blitze Tempomessung Starenkasten Foto Martin Gerten/dpa
Ob Tempoverstöße, falsches Parken oder Fahren unter Alkoholeinfluss: Die Verkehrssünden im Ausland folgen vielen Deutschen bis in die Heimat. Symbolfoto: Martin Gerten/dpa

München. So manchen Osterurlauber wird ein Souvenir der unliebsamen Art noch Wochen nach der Heimkehr an den Ausflug ins Ausland erinnern. Wer nach der Rückkehr ein ausländisches Strafmandat in seinem Briefkasten vorfindet, sollte dieses allerdings nicht einfach ignorieren.

Früher konnte man Strafmandate aus dem Ausland - etwa wegen Tempoüberschreitung oder Missachtung des Rotlichts - zu Hause getrost in den Papierkorb werfen. „Das ist lange vorbei“, warnt Thomas Achelis vom Automobilclub Kraftfahrer-Schutz (KS) in München.

Laut Fachleuten der Arag-Rechtschutzversicherung können und werden inzwischen Bußgelder EU-weit vollstreckt. Für deutsche Autofahrer bedeutet dies: rechtskräftige Bußgeldbescheide aus diesen Ländern können ab einer Höhe von 70 Euro in Deutschland sogar zwangsweise eingetrieben werden. Der Schwellenwert ist rasch erreicht, denn im europäischen Ausland sind Bußgelder oft wesentlich höher als hierzulande.

Zudem sollten man sich gegenwärtigen, dass bei ausländischen Bußgeldverfahren die Verjährungsvorschriften des jeweiligen Landes gelten. Während in Deutschland Verkehrsverstöße bereits nach drei Monaten verjähren, sind die Verjährungsfristen in anderen EU-Staaten zum Teil deutlich länger. Daher können theoretisch noch solche Verstöße geahndet und vollstreckt werden, die Monate oder sogar Jahre zurückliegen.

Grundsätzlich sind im Ausland Verkehrssünden teurer als hierzulande, insbesondere bei Tempoverstössen, falschem Parken und Fahren unter Alkoholeinfluss. „Spitzenreiter mit den höchsten Bußgeldsätzen ist Norwegen, gefolgt von Schweden und Italien“, weiß Katrin Müllenbach-Schlimme vom ADAC in München: „Wer 20 Kilometer pro Stunde (km/h) zu schnell fährt, muss in Norwegen mindestens 420 Euro, in Schweden 270 Euro und in Italien 170 Euro Bußgeld zahlen.“

Die größten Folgen haben Fahrten unter Alkoholeinfluss. „In Italien kann bei 1,5 Promille im Blut sogar das Fahrzeug enteignet werden, wenn Fahrer und Halter identisch sind“, warnt die ADAC-Fachfrau. Dänemark sieht eine ähnliche Regelung ab 2,0 Promille vor. In Norwegen kann ein Bußgeld von 600 Euro an aufwärts ab 0,2 Promille verhängt werden. Gefängnis droht bei Alkoholfahrten unter anderem in Schweden (ab 1,0 Promille) und in Spanien (ab 1,2 Promille). Satte Bußgelder drohen ebenso für das Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung. Hier führen die Niederlande (230 Euro), Dänemark (200 Euro) und Italien (160 Euro) das Ranking an.

Besonders kostspielig wird falsches Parken etwa in den Niederlanden und in Norwegen (jeweils 90 Euro), in Spanien (bis 200 Euro) und Dänemark (70 Euro). Allerdings: Wer ein Bußgeld aus dem Ausland schnell bezahlt, kann viel Geld sparen. Italien und Spanien beispielsweise gewähren bei sofortiger Bezahlung hohe Rabatte. Und wen es angesichts happiger Bußgelder tröstet - für Verkehrsverstöße im Ausland gibt es keine Punkte in Flensburg und ein von einer ausländischen Behörde ausgesprochenes Fahrverbot hat in Deutschland keine Auswirkungen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert