Unfall im Ausland: Tipps für die Schadenregulierung

Von: amv
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Warndreieck Unfall Symbol Blaulicht Polizei Dreieck Autopanne Foto: Matthias Strauß/dpa
Verbandskasten, Warndreieck und Warnwesten gehört bei jeder Reise ohnehin ins Auto. Symbolfoto: dpa

Erfurt. Mehr als jeder Zweite hierzulande fährt mit dem Auto in die Ferien, ein Großteil davon ins Ausland. Die Urlaubsstimmung schlägt allerdings schnell um, wenn es auf der Reise zu einem Crash kommt. Ärger ist da vorprogrammiert, macht Unfallexperte Achmed Leser vom TÜV Thüringen in Erfurt aufmerksam.

Nach einem Unfall kann die Schadenregulierung mit der ausländischen Versicherung zu einer nervenaufreibenden Prozedur werden. Achmed Leser: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass die regulierende Versicherung erst nach einem halben Jahr zahlt. Gerade bei ungeklärter Schuldfrage kann der Prozess langwierig und teuer werden. Wer hier keine Rechtsschutzversicherung in Anspruch nehmen kann, muss tief in die Tasche greifen und hat am Ende womöglich schlechte Karten.“

Auslandsreisende sollten einige Dinge im Handschuhfach griffbereit haben. „Auch wenn die grüne Versicherungskarte für die Länder der EU und einige weitere europäische Staaten überflüssig geworden ist, empfehle ich diese ‚Internationale Versicherungskarte für den Kraftverkehr‘ mitzuführen“, erläutert Achmed Leser.

Die Versicherungskarte gilt als Nachweis für den Versicherungsschutz und beinhaltet die Versicherungsnummer sowie die Adressen der ausländischen Gesellschaften, die im Schadenfall regulieren. Ein weiteres wichtiges Dokument ist der sogenannte europäische Unfallbericht. Dieser ist europaweit einheitlich und in allen Sprachvarianten gleich aufgebaut. Er erleichtert das Ausfüllen bei fremdsprachigen Unfallgegnern. Verbandskasten, Warndreieck und Warnwesten für alle Insassen gehören bei jeder Reise ohnehin zum Pflichtprogramm.

„Nach einem Unfall sollte man, wie überall, Ruhe bewahrt und die Unfallstelle gesichert werden“, so ein weiterer Tipp des Unfallexperten. „Dabei die Warnweste nicht vergessen.“ Sind Personen zu Schaden gekommen, sofort einen Notruf absetzen. Europaweit ist die einheitliche Notrufnummer 112. Danach Verletzen Erste Hilfe leisten. „Bei Personen- und hohem Sachschaden sollte in jedem Fall die Polizei hinzugezogen werden“, rät Achmed Leser.

Selbst wenn es sich nur um einen scheinbaren Bagatellschaden handelt, sollten sich Geschädigte alle Daten vom Unfallgegner notieren. Hier hilft der europäische Unfallbericht. „Machen Sie unbedingt Beweisfotos, eine Skizze vom Unfallhergang mit genauer Angabe des Unfallorts. Manchmal ist im Nachhinein nicht mehr ganz klar, an welcher Ecke der Unfall passiert ist. Notieren Sie sich Namen und Adressen von Zeugen“, empfiehlt der TÜV-Thüringen Fachmann.

Unfall der Versicherung melden

Stammt der Unfallgegner aus einem EU-Staat, Andorra, Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen oder der Schweiz können die Ansprüche gegenüber dem Unfallverursacher in Deutschland beim Schadenregulierungsbeauftragten der ausländischen Versicherung geltend gemacht werden. Über den Zentralruf der Autoversicherer kann dieser in Erfahrung gebracht werden. Aus Deutschland ist der Zentralruf telefonisch unter 0800/250260-0 (kostenfrei) erreichbar, aus dem Ausland unter der Rufnummer +49/40/300-330-300. Kommt der Unfallgegner allerdings aus einem anderen Land, muss der Schaden bei der ausländischen Versicherung im Herkunftsland geltend gemacht werden. Das erweist sich oftmals als schwierig, zumal dabei eine Sprachbarriere hinzukommt.

„Nach der Unfallmeldung beginnt die Zeit des Wartens. Im Zweifel ist es immer von Vorteil, einen Verkehrsrechtsanwalt hinzuzuziehen. Dieser muss in dem entsprechenden Land, in dem sich der Unfall ereignet hat, tätig werden können“, schildert Achmed Leser. Die Regulierung des Schadens kann dauern und wird immer nach dem Recht des Unfalllandes verhandelt. Oftmals haben Unfallgeschädigte dort kein Anrecht auf einen Werkstattersatzwagen, Nutzungsausfallgeld oder Wertminderung am Fahrzeug.

Auch die Kosten für ein unabhängiges Gutachten werden erfahrungsgemäß von ausländischen Versicherungen nicht übernommen. „Wir empfehlen dennoch, zur Beweissicherung ein Gutachten erstellen zu lassen. Sollte der Wagen zwischenzeitlich repariert oder verkauft worden sein, hat man so gegenüber der Versicherung einen handfesten Beweis über die Höhe des ursprünglich verursachten Schadens“, legt Leser Geschädigten ans Herz.

Die regulierenden Assekuranzen können sich mit ihrer Entscheidung bis zu 12 Wochen Zeit lassen. Immerhin übernehmen sie die Kommunikation mit der ausländischen Versicherung. Der Unfallgegner bekommt Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Und das dauert eben seine Zeit. Wer häufig ins Ausland fährt und kein Risiko eingehen möchte, ist mit einem Auslandsschutzbrief beziehungsweise einer Zusatzversicherung, die nach deutschem Recht reguliert, gut beraten.


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