Tuning im deutschen Gesetzesdschungel

Von: amv
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getuntes Auto
Sieht gut aus. Jedoch sollte sich jeder Tuner zuvor über die genaue Gesetzeslage informieren, um sein Auto auch auf deutschen Straßen fahren zu dürfen. Foto: dpa

Köln. Rund 4,5 Milliarden Euro setzt die deutsche Tuningbranche pro Jahr um. Die Palette reicht von Verschönerungsaktionen bis hin zu Leistungssteigerungen. "Doch nicht alles, was dem Kundenwunsch entspricht, erfreut das Auge der Ordnungshüter", warnt der Kornwestheimer Anwalt Michael Winter.

„Erlischt durch Um- oder Anbauten, Mehrleistung oder Karosserieänderungen die Betriebserlaubnis, so kostet dies mindestens ein Bußgeld“, erinnert der auf Verkehrsrecht spezialisierte Jurist. Schlimmer noch, bei einem Unfall kann die Versicherung streiken, wenn etwas unerlaubt verändert worden ist und beispielsweise den Vollkaskoschutz verweigern oder bei Haftpflichtschäden der Fahrzeugeigentümer in Regress nehmen. Und sogar Garantie- oder Gewährleistung sind in Gefahr.

„Immer wieder stoßen die Prüfingenieure auf völlig unprofessionelle Tuning-Maßnahmen, von denen ein erhebliches Gefährdungspotenzial ausgeht“, schildert  Hans-Jürgen Götz von der Sachverständigenorganisation GTÜ in Stuttgart seine Beobachtungen: „Nicht selten wird tief in die Tuning-Trickkiste gegriffen.“

„Monströse Spoiler, dicke Schweller oder riesige Kotflügelverbreiterungen sind völlig out“, beschreibt Hans-Ulrich Sander von TÜV Rheinland in Köln den vorherrschenden Trend: „Was heute in der Szene zählt, heißt OEM-Tuning (OEM = Original Equipment Manufacturer = Hersteller).“ Dabei bleibt die möglichst tiefgelegte Karosse im Wesentlichen unangetastet, wird aber durch Teile eines anderen Modells ergänzt. Wichtig: Alle Komponenten müssen aus dem konzerneigenen Baukasten kommen. Außerdem sind luftgefederte Airride-Fahrwerke, Bremsen-Upgrades sowie verchromte, groß dimensionierte Tiefbettfelgen bei den Autoveredlern heiß begehrt.

Viele Änderungen wie etwa Leistungssteigerungen müssen in die Fahrzeugpapiere eingetragen werden, andernfalls erlischt die Betriebserlaubnis. Neue Rad/Reifen-Kombinationen beispielsweise erfordern stets die Änderungsabnahme bei einer amtlichen Prüfstelle. Schaltknüppel mit einer EG-Betriebserlaubnis hingegen dürfen Hobby-Bastler in der Regel ohne Eintragung tauschen.

„Allerdings sind scharfkantige, spitze Teile aus Sicherheitsgründen tabu“, unterstreicht Sander. „Damit das alles im vorgeschriebenen Rahmen bleibt, sollten sich Interessenten bereits vor dem geplanten Umbau über legale Möglichkeiten informieren“, legt er den Tuningfreunden ans Herz.

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