Stärker, schneller, verbrauchsgünstiger: Der neue Audi R8 Spyder von 2017

Von: Norbert Michulsky
Letzte Aktualisierung:
Audi R8 Spyder 2017
Offener Supersportwagen mit Allradantrieb und 540 PS: der Audi R8 Spyder. Foto: Hersteller Audi

Ingolstadt. Selbst im Jahr Sieben der Baureihe R8 Spyder ist Audis Supersportler immer noch ein Blickfänger. Immer wieder gezückte Handy-Kameras, hochgereckte Daumen sowie stetige Bitten um technische Informationen sind alltägliche Begleiter.

Mitunter allerdings ebenso gesenkte Daumen verbunden mit lauten Geschimpfe über solchen unzeitgemäßen automobilen Unfug. Wie auch immer, unauffällig mit dem Boliden aus Bayern geht nicht.

Stärker, schneller, steifer, leichter und - verbrauchsgünstiger, entlang diesen Parametern wurde die zweite Generation des Spyder weiterentwickelt. Technisch nahezu perfekt, mit exzellenter Verarbeitung und einem hohen Sicherheitsniveau bietet der Zehnzylinder bietet Fahrleistungen jenseits jeglicher Diskussion und lässt sich andererseits durchaus in moderater Gangart bewegen. Dem Mensch am Steuer ist allerdings neben einem kühlen Umgang mit den verführerischen Fahrleistungen ein hohes Mass an Kommunikationsbereitschaft und der Verzicht auf misanthropische Attitüden zu empfehlen.

Auf der Autobahnmachen dem R8 selbst notorische Linksfahrer in PS-starken Business-Limousinen bereitwillig Platz. Andererseits fühlt sich mancher Fahrer eines mäßig getunten Mittelklassewagens herausgefordert und legt es deshalb auf eine Wettfahrt an. Ein ziemlich witzloses Unterfangen. Mit 540 PS, 530 Newtonmeter Drehmoment, einem Sprintwert von 3,6 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h) sowie einem Spitzentempo von 318 km/h (Werksangaben) werden Gegner rar.

Kurven jeglicher Couleur lassen sich messerscharf abzirkeln. Leistung gibt es im Überfluss, wenn man die Maschine entsprechend hochdrehen lässt, und dies wiederum bereitet in Verbindung mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe Riesenspaß. Der wird akustisch akzentuiert mit einer fulminanten Klangpalette. Nach dem Start schon, bei langsamem Rollen oder Beschleunigen, brüllt der Zehnzylinder förmlich seine Kraft heraus.

Ahnungslose Passanten drehen da schon einmal erschrocken den Kopf. Unterwegs wird das Klangkonzert dann leiser, oder zumindest empfindet man es so, und ein gewisser Fahrkomfort stellt sich ein. Dessen Grenzen offenbaren sich allerdings bereits beim Besteigen des Wagens: Eine gewisse körperliche Geschmeidigkeit ist im Umgang mit dem R8 Spyder kein Nachteil. Der Platz hinter dem Volant wirkt förmlich maßgeschneidert, mit zupackenden Sitzpolstern, die elektrisch betrieben vielfach feinjustiert werden können.

Das Dach öffnen bis Tempo 50

Als Haube über dem Passagierabteil setzt Audi ein klassisches Stoffdach ein, das geöffnet komplett im Heck verschwindet. Die Heckscheibe ist nicht in das Dach integriert, sondern fährt elektrisch aus den Tiefen des Raums nach oben. Auf Knopfdruck kann sie aber auch versenkt werden. Damit dient das hintere Fenster entweder als zusätzliches Windschott oder mutiert bei geschlossenem Verdeck zur Luftluke. Noch schöner ist es aber, das gesamte Dach zu öffnen. Nur 19 Sekunden dauert der Vorgang und ist bis Tempo 50 möglich.

Über Gepäck zu reden wäre hier ebenso unsinnig wie den Flanierkomfort von Fußballschuhen zu erörtern. Das gilt ebenso für den Spritverbrauch. 13 Liter dürfen als Minimum gelten, nach oben ist der Verbrauchswert eher offen. So ist das eben, wenn zehn Zylinder befeuert werden wollen, selbst wenn bei niedriger und mittlerer Last eine Zylinderbank abgeschaltet wird und der Wagen über ein Start-Stop-System verfügt.

Dank Allradantrieb legt der Spyder ein überraschend gutmütiges, selbst bei sehr hohen Geschwindigkeiten tückenfreies Fahrverhalten an den Tag. Die Fahrstabilität ist dank optimaler Gewichtsverteilung - Mittelmotorkonzept - und fein abgestimmtem ESP eine Klasse für sich. Der Wagen bleibt stets gut kontrollierbar und selbst in hohen Geschwindigkeitsbereichen sicher und beherrschbar. Insgesamt stehen vier Fahrmodi zur Wahl, zudem kann man die Traktion für nasse, trockene oder schneebedeckte Straßen regulieren.

Selbst ausgeprägte Drifts lässt die Elektronik zu und der stabilisierende Eingriff erfolgt erst spät - aber man sollte sein persönliches Können richtig einschätzen und ebenso die jeweiligen Fahrbahnverhältnisse. Zu dem aufwendigen Fahrwerk passen die etwas bissig ansprechenden Bremsen und die Lenkung: Sie arbeitet mit hoher Präzision und bar jeglicher Nervosität.

Gut 13.000 Euro mehr als der Roadster kostet das Vergnügen, auf ein Blechdach zu verzichten (Basispreis: 179.000 Euro/Testwagenpreis: 224.200 Euro). Serienmäßig an Bord befindet sich Musikanlage von Bang und Olufsen mit Kopfstützenlautsprechern. Doch solch ein aufwändiges Soundsystem erscheint ziemlich überflüssig. Die richtige Musik liefert autoaffinen Naturen der V10-Sauger - vor allem bei geöffnetem Verdeck.

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