Sindelfingen statt Arktis: Autos im Klimakanal ersetzen Außentests

Von: Norbert Michulsky, dapd
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Mercedes-Benz hat in Sindelfingen zwei neue Klima-Windkanäle eingeweiht, welche in einem Temperaturbereich von minus 40 bis plus 60 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten bis zu 265 km/ h alle Wetterlagen simulieren können. Foto: Daniel Maurer, dapd

Stuttgart. Wenn es kalt wird, wird es rund um das nordschwedische Arjeplog oder das finnische Rovaniemi betriebsam. Innerhalb weniger Tage verwandeln sich die eisigen Gegenden in Testzentren für Autohersteller von A wie Alfa bis V bis Volvo.

Neue Modelle und Techniken müssen dort dann zeigen, was sie in arktischer Kälte leisten - oder eben nicht. Hitzetests wiederum absolvieren die Firmen häufig im Death Valley zwischen Kalifornien und Nevada, einem der heißesten Punkte der Erde.

Ein immenser Aufwand, den Ingenieure zunehmend zu verringern versuchen. Um die Testmöglichkeiten bei extremen Wetterbedingungen in heimischen Gefilden zu optimieren, hat beispielsweise Mercedes in Sindelfingen zwei neue Klima-Windkanäle in Betrieb genommen.

Temperaturen von minus 40 bis plus 60 Grad Celsius, Orkane mit Windgeschwindigkeiten bis 265 km/h, tropische Regengüsse und heftige Schneestürme gehören hier zum täglich verfügbaren Repertoire der Versuchsingenieure. Wenn nötig, können sie sogar eine erbarmungslos scheinende Sonne wirklichkeitsgetreu simulieren.

Klima-Windkanäle wie diese erlauben es den Ingenieuren, neu entwickelte Fahrzeuge oder Komponenten bereits frühzeitig für alle Wetterbedingungen zu optimieren. Solche Tests können zwar Prüfstandsversuche und die Erprobung in der wirklichen Welt nicht gänzlich ersetzen, „aber wir können sie deutlich reduzieren und wir gehen viel besser vorbereitet hinein”, erläutert Ulrich Mellinghoff, Leiter der Mercedes-Sicherheitsentwicklung.

Er nennt ein Beispiel: „So können unter 20 Varianten für ein Motor-Abschirmblech im Klima-Windkanal viele bereits aussortiert werden, die nicht den gewünschten Effekt bringen. Dann gehen wir mit nur noch zwei oder drei der Erfolg versprechendsten Varianten in den Praxistest.”

Chefentwickler Thomas Weber nennt einen weiteren Grund, warum Wetter per Knopfdruck immer wichtiger wird: „Selbst im arktischen Teil Schwedens herrschen im Winter nicht immer so tiefe Minusgrade, wie wir sie bei unseren Erprobungsfahrten gerne hätten. Ebenso wenig können wir uns für Fahrerprobungen auf hochsommerliche Extremhitze beispielsweise im berüchtigten Death Valley in Amerika immer verlassen.”

Mit den neuen Klima-Windkanälen könne man nun alle gewünschten klimatischen Bedingungen rund ums Jahr herstellen, wann immer es nötig sei - und dies alles mit sehr engen Toleranzen. Weber: „Die Messungen sind jederzeit reproduzierbar. Unter freiem Himmel ist das so nicht machbar.”
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