Shooting mit Blechkamerad: Wie man das eigene Auto fotografiert

Von: Stefan Weißenborn, dpa
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Dem einen geht es um Ästhetik, dem anderen um Verkaufschance - das eigene Auto fotografieren Liebhaber, die sich von ihrem Wagen nie trennen würden, aber auch Halter, die den alten abstoßen wollen. Um gute Bilder zu bekommen, müssen sie dieselben Regeln beachten. Foto: dpa

Berlin. Für manchen Autoliebhaber ist sein Blechkamerad fast wie ein Familienmitglied. Es wäre unangebracht, dieses nicht mit dem ein oder anderen Schnappschuss im Familienalbum zu verewigen. Also greift der Autofreund zur Kamera. Das Ergebnis kann sich mit etwas Glück sehen lassen.

Wer ein paar Tricks und Kniffe beherrscht und die typischen Fallen kennt, die manches Autofoto unhübsch wirken lassen, landet mehr als nur Glückstreffer.

Es gibt grundlegende Fehler, die bei jeder Art der Fotografie im Freien schnell begangen werden: „Die meisten haben keinen Blick für den Sonnenstand”, sagt Jörg Hajt, Auto- und Werbefotograf, der seit 15 Jahren für den Heel-Verlag Bilder für Fahrzeugkalender anfertigt. „Viele fotografieren die Schattenseite und wundern sich später über dunkle Objekte”, sagt der Profi. Die Sonne stehe idealerweise - sofern nicht ausdrücklich anders gewollt - im Rücken des Fotografen. „Am besten ist ein Winkel von 45 Grad.”

Auch der Intensität des Lichts gehört Beachtung: „Wer in der prallen Sonne fotografiert, erhält schlechte Ergebnisse”, sagt Bernd Sumalowitsch. Der Fotograf arbeitet unter anderem als Dozent im Bereich Visuelle Kommunikation an mehreren Hochschulen und hat einige Ausstellungen zur Automobilfotografie kuratiert.

Als günstigen Zeitpunkt für das Fotografieren unter freiem Himmel nennt Sumalowitsch den „Moment der blauen Stunde” am frühen Morgen oder späteren Abend. „Wenn die Sonne nicht so hoch steht, sind die Kontraste weniger stark, das Auto sieht gleichmäßiger aus.” Auch wer Details im Inneraum des Autos fotografieren möchte - schönes Holzfurnier oder chromeingefasste Instrumente - kann grell einfallendendes Licht abmildern. „Decken Sie die Fenster mit einem lichtdurchlässigen Stoff ab”, rät er. Das mache das Licht weicher.

Ein typisches Phänomen bei der Autofotografie sind Spiegelungen im Blech. „Im Extremfall zerstört die Spiegelung die Form des Fahrzeugs auf dem Foto”, hat Sumalowitsch beobachtet. Umso wichtiger sei das Umfeld, in dem das Fahrzeug vor die Kamera soll. Wenn sich gewöhnliche Häuser in den Flanken spiegeln, ist das meist ungewollt. Bildet sich dagegen die Weite der Wüste auf der Seitenpartie eines Ford Mustang ab, ist das wohl Absicht. Eine Grundregel: Je dunkler die Farbe, desto größer die Herausforderung für den Fotografen. „In einem schwarzen Lack sieht man alles”, gibt Sumalowitsch zu bedenken.

Bei der Wahl von Hinter- und Vordergrund gibt es noch eine inhaltliche Dimension zu beachten: „Es sollte eine Szene sein, in die das Auto passt”, lautet der einhellige Expertenrat. Etwa der Supersportwagen Audi R8 passe besonders gut in ein modernes Gebäudeensemble, meint Hajt, während ein historischer Mercedes 170 besser vor einer Scheune oder einem Fachwerkhaus in Szene gesetzt wird. „Aber auch krasse Gegensätze können reizvoll sein - zum Beispiel ein gepflegter Oldtimer vor der gläsernen Fassade einer Bank.” Bei der Wahl des Umfelds gelte immer: Es darf nicht vom Auto ablenken. „Um das zu gewährleisten, kann der Hintergrund mit Unschärfe weggedrückt werden”, sagt Sumalowitsch.

Notwendige Einstellmöglichkeiten wie variables Spiel mit der Blende bieten Kompaktkameras in der Regel ebenso selten wie die Möglichkeit zum Objektivwechsel. „Eine gewöhnliche Kompaktkamera eignet sich weniger, da der Schärfebereich im Bild oft nicht frei bestimmt werden kann”, sagt Sumalowitsch. Deswegen raten die Fotografen zur Spiegelreflexkamera. „Kameras ab 500 Euro reichen für Amateurzwecke völlig - ein gutes Objektiv vorausgesetzt”, ergänzt Hajt. Wegen der gedämpften Lichtverhältnisse in den empfohlenen Morgen- und Abendstunden und zum Schutz vor Verwacklern sollte zudem mit Stativ fotografiert werden.

Bei der Linse rät Profi Hajt zu einem Teleobjektiv und einer Brennweite im Bereich von 100 bis 130 Millimetern. Wer dagegen im Weitwinkelbereich, etwa ab 35 Millimetern abwärts, fotografiere, bekomme Probleme mit der Verzerrung: „Dann wird die Motorhaube zu groß und der Kofferraumdeckel viel zu klein.”

Nicht nur Ästheten, auch Verkäufer sollten auf gute Fotos Wert legen. „Wenn Sie Ihr Fahrzeug zum Beispiel auf Verkaufsplattformen im Internet mit Bildern inserieren wollen, ist Verzerrung eher nachteilig”, sagt Hajt. Und Malte Krüger, als Geschäftsführer der mobile.international GmbH verantwortlich für die Plattform mobile.de, ergänzt: „Ansprechende und informative Inserate sind für Kfz-Händler ein echter Wettbewerbsvorsprung, denn je mehr Transparenz ein potenzieller Kunde hat, desto höher das Vertrauen und letztendlich die Verkaufschance.” Er rät dazu, das Auto aus möglichst vielen Perspektiven zu präsentieren und auf Details aufmerksam zu machen.

Wichtig für das Foto kann auch der Winkel sein, den der Fotograf zum Objekt einnimmt. „Was sind die wichtigsten Linien? Hat das Auto eine schöne Schulterlinie, soll diese herausgearbeitet werden?” Solche Fragen sollte sich der Fotograf vorher stellen, rät Sumalowitsch. „Zum Beispiel eine Diva wie den Citroën DS würde ich immer von der Seite ablichten.”

Bei sportlichen Fahrzeugen raten die Autofotografen zur moderaten Froschperspektive, die für eine dynamische Wirkung sorge. „Auf Augenhöhe fotografiert, wird das Auto schnell langweilig. Das ist die Perspektive, die jeder hat”, sagt der Hochschuldozent Sumalowitsch. Als idealen Abstand der Kamera vom Boden gibt Hajt 40 bis 50 Zentimeter an. „Aber sportliche Dynamik passt nicht zu jedem Auto”, schränkt er ein. „Einen VW T1 oder T2 fotografieren Sie am besten aus Höhe des Markenzeichens. Auch ein sportlich eingeschlagenes Lenkrad würde etwa einem Oldtimer eher den Stil nehmen.”

Und wer den typischen Mitzieher machen möchte - eine Aufnahme, bei der der Untergrund verwischt und das fahrende Auto scharf ist -, muss experimentieren. „Die benötigte Zeit-Blenden-Kombination hängt stark vom Tageslicht ab, da muss man ausprobieren”, sagt Sumalowitsch.

Macht der Hobby-Autofotograf Fehler, kann er vieles später am Rechner mit Bildbearbeitungssoftware ausbügeln. Zu viel Kontrast oder manche Spiegelung können laut Sumalowitsch behoben werden. Störende Objekte im Hintergrund lassen sich mit etwas Übung wegretuschieren. Wer aber beim Fotografieren die falsche Perspektive wählt, dem kann bei der Nachbearbeitung keine Software helfen.
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