Sekundenschlaf: Der verhängnisvolle Aussetzer

Von: amv
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Sekundenschlaf
Der Sekundenschlaf ist eines der Hauptrisiken bei langen Autofahrten. Foto: dpa

Bonn. Das Verhängnis währt etwas länger als ein Lidschlag. Sekundenschlaf. Fährt man in einer solchen Situation mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern, so werden während einer Sekunde Schlaf 28 Meter blind und reaktionslos zurückgelegt bevor man wieder aufwacht. Oder auch nicht. „Nahezu jeder vierte tödliche Unfall auf Autobahnen kann auf das Einschlafen am Steuer zurückgeführt werden“, weiß Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn.

Die Ursachen für die Blitz-Bewusstlosigkeit sind vielfach. „Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass das als Sekundenschlaf bekannte Phänomen sehr individuell auftritt. Eine allgemeine Aussage über die Umstände, unter denen ein Autofahrer plötzlich weg ist, kann nach derzeitigem Stand nicht eindeutig getroffen werden“, sagt Marion Seidenberger, Verkehrspsychologin des österreichischen Autoclubs ÖAMTC.

Der schnelle Tod durch den kurzen Schlaf lauert nicht nur nachts, wie viele vermuten. Einschlafunfälle häufen sich nach Erfahrungen von Experten vor allem zwischen sechs und sieben Uhr morgens sowie in den Nachmittagsstunden, oft auch nach einem opulenten Mittagessen.

Die Ursachen für das kurze Eindösen am Steuer sind banal. Monotone Strecken und Übermüdung. Wer übermüdet oder schläfrig ist, fährt ganz generell mit einem erhöhten Risiko, denn seine Reaktionsfähigkeit beträgt nur knapp ein Viertel des normalen Wertes.

„In solchen Situationen“, befindet Vincenzo Luca von TÜV Süd, „hilft nur, rechts ran, Augen zu machen und schlafen, alles andere ist Humbug“.

Pausen planen und einhalten

Mittels GPS-Peilsendern in Testfahrzeugen analysierte der ÖAMTC bei Probanden sowohl die Durchschnittsgeschwindigkeit als das Spurverhalten.

„Es zeigten sich markante Schwankungen, die Testpersonen wechselten häufiger das Tempo und durchfuhren beispielsweise Kurven mit unterschiedlichen Radien“, fasst Verkehrspsychologin Seidenberger zusammen. Elektroenzephalogramme der Testfahrer hätten zudem offenbart, dass vor allem lange Wachzeiten vor Fahrtantritt eindeutig zu Ermüdungserscheinungen führten, betont die Verkehrspsychologin: „Auch die Schlafdauer der vergangenen Nacht spielt eine große Rolle.“

Je kürzer man geschlafen habe, je länger man wach sei, desto müder und gestresster setze man sich ins Auto mit den entsprechenden Folgen. Ebenfalls sehr wichtig sei das subjektive Müdigkeitsgefühl: Fühle man sich müde, schlapp und leistungsschwach, sei man es meist wirklich.

Keinen messbaren Einfluss auf die Müdigkeit hätten Faktoren wie Alter, Geschlecht, Schlafgewohnheiten und Schlafqualität.

Wecker stellen

Um dem verhängnisvollen Schlafbedürfnis auszuweichen sollte man bereits vor Fahrtantritt Pausen einplanen, rät Marion Seidenberger. „Am besten wird die Fahrstrecke so gewählt, dass man nach spätestens eineinhalb bis zwei Stunden die erste Pause einlegen kann.“

Man sollte nicht erst dann Pause machen, wenn man bereits müde sei, sondern die geplanten Fahrtunterbrechungen strikt einhalten. „Driften die Gedanken ab und treten Tagträume auf, sind das bereits erste Alarmsignale“, warnt die ÖAMTC-Expertin. „Auch wenn man sich nur schwer oder gar nicht an die gerade zurückgelegte Strecke erinnern kann, sollte man besser sofort eine Pause einlegen.“ Weitere Vorboten seien unruhiges Sitzen, ein allgemeines Stimmungstief und Antriebslosigkeit. Lege man dann einen Powernapp ein, rät sie, sollte der Kraftschlaf allerdings nicht länger als 20 Minuten sein. Entsprechend solle man einen Wecker, beispielsweise im Mobiltelefon, aktivieren.

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