RWTH: Künftige Ingenieure bauen Rennwagen

Von: Berthold Strauch
Letzte Aktualisierung:
Rennwagen
Noch ziemlich nackt: Der neue schwarze Aachener RWTH-Rennwagen. Foto: Strauch

Aachen. Die Spannung steigt. Draußen ist es heiß. Doch drinnen, im Space des Ludwig-Forums, wo alles abgedunkelt ist und das Objekt der Begierde mit einer schwarzen Decke verhüllt auf den offiziellen Akt wartet, arbeitet die Klimaanlage gut. Die Gäste strömen herein, die meisten dank ihrer dunkelblauen T-Shirts sofort als Teammitglieder zu erkennen.

Über 80 Studenten haben kräftig mit angepackt für diesen Moment, für die feierliche Präsentation – die auch dem neuen „Arbeitsgerät“ von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel fast zur Ehre gereicht hätte.

Dann ist es so weit: Die Decke wird weggezogen – und dann zeigt sich der neugeschaffene Rennwagen „EAC 10“, die zehnte Auflage des Ecurie-Aix-Teams, dem erwartungsfrohen Publikum, bereit zum Bestaunen. Der Name ist übrigens angelehnt an das französische Wort für Rennstall – und ergänzt um Aachens Kurzbezeichnung in dieser Sprache.

Kräftiger Applaus brandet auf. Sofort strömen die Zuschauer herbei, zücken  ihre Handykameras, um diesen historischen Moment festzuhalten. Ja, das Werk ist gelungen, die Konstrukteure und Monteure können sich berechtigt feiern lassen, auch wenn das gute Stück dann doch noch nicht so ganz fertig geworden ist – trotz vieler nächtlicher „Überstunden“ der Studenten, die das Team bilden. Denn die Ecurie-Leute mussten letztlich dem Hochwasser im Osten Deutschlands Tribut zollen, das die Anlieferung einiger wichtiger und außerdem auch noch sicherheitsrelevanter Teile leider ein paar Tage aufgehalten hat.

Nun sollen der fehlende, heißersehnte Diffusor – zur Verbesserung der Aerodynamik im Rennen – und die „Seitencover“, die Abdeckteile, bis Mitte dieser Woche in Aachen ankommen, hoffen die Akteure, die im Moment ihr Studium ein wenig vernachlässigen müssen, damit alles passt. Große Sorgen, dabei den Anschluss in den Hörsälen und den Seminarräumen zu verpassen, brauchen die Teammitglieder eigentlich nicht zu haben. „Die Formula Student ist ein Versuchsgelände für die nächste Generation von Weltklasse-Ingenieuren“, sagen sie selbstbewusst und fügen an, dass die Führungsetagen etwa von Bosch und anderen namhaften Automobilzulieferern „nur auf unsere Bewerbung warten“.

Schon jetzt sind die Verbindungen zu den Herstellern intensiv. Besonders stark ist in dieser Saison der Wolfsburger VW-Konzern mit von der Partie. Manches Problem wird auf dem „kleinen Dienstweg“ gelöst, die Entwicklungsabteilungen steuern spezielles Renn-Know-how und entscheidende Teile bei – und engagieren sich außerdem finanziell als Sponsoren, ohne dass die geplante Rennserie zum Scheitern verurteilt wäre. „Es macht großen Spaß“, bekräftigt Mario Zerbe, „sonst würde man nicht so viel Zeit da reinstecken.“ Der 19-Jährige studiert im zweiten Semester Maschinenbau.

Wenn die Technik bei Ecurie-Aix steht, soll es endlich losgehen mit dem ersten Härtetest – mit röhrendem Motorsound wie auf dem berühmten Nürburgring, quietschenden Reifen und hoffentlich technisch problemlosen Einfahrrunden mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde bei gut 90 PS auf der Teststrecke des RWTH-Instituts für Kraftfahrzeuge (IKA) am Rande des Hochschulcampus Melaten. Hier an der Mathieustraße hat Ecurie-Aix Container zur Verfügung, die als Konstruktionsbüro und Montagewerkstatt dienen.

Die räumliche Nähe zu den einschlägigen Instituten wie eben dem IKA, dessen Leiter Professor Lutz Eckstein Ecurie-Aix nach Kräften unterstützt, genauso wie dessen Kollege Prof. Stefan Pischinger vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen (VKA), hilft den angehenden Ingenieuren, dass sie ihr Wunschziel ansteuern und erreichen können. Dabei greifen sie ehrgeizig nach den Sternen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt“, erzählt der technische Leiter Manuel Senge (24), der im achten Semester Maschinenbau studiert, „in den nächsten Jahren die Nummer eins in Deutschland zu werden.“ Das dürfte nicht so einfach werden. Denn dazu muss der nationale „Platzhirsch“ verdrängt werden, die Universität Stuttgart, die immerhin schon zwei Weltmeistertitel eingefahren hat.

Das Aachener Ecurie-Team muss sich sputen. Denn schon am 3. Juli startet das große Renn-Event auf der Traditionsstrecke des Formel-1-Zirkus im britischen Silverstone. Dann muss der  EAC 10 endgültig den Beweis antreten, was er draufhat – im direkten Vergleich mit der internationalen Konkurrenz. Bis zum 7. Juli geht es dort kräftig zur Sache. Doch nicht nur dem Hauptrennen selbst dient die Aufmerksamkeit. Ausdauer- und Beschleunigungswettbewerbe sind genauso zu bestehen. Außerdem muss das Fahrwerk in sogenannten „Achter-Schleifen“, den „Skid Pads“, beweisen, dass die Konstrukteure und Monteure perfekte Arbeit geleistet haben.

„Es zählt das Gesamtpaket“, unterstreichen Senge und Zerbe im Gespräch mit unserer Zeitung. Dazu gehört neben der Renn-Performance, wie die jungen Experten sagen, auch das Bestehen vor eine hochkarätigen Jury, die ihr Augenmerk neben dem Design etwa auch auf die Finanzplanung und die Verkaufsargumente für ein fiktives Unternehmen legt – ebenfalls wichtige Elemente, die reichlich Praxisschulung für den künftigen Beruf bieten. „Wir wollen aufs Treppchen fahren“, kündigt Senge an. Also mindestens Platz drei sollte schon herausspringen.

Nach Großbritannien rollt der Formula-Student-Rennzirkus bald auch nach Deutschland: Auf dem Hockenheimring geht es dann vom 30. Juli bis zum 4. August kräftig zur Sache. Im Mai 2014 tritt der Tross wieder – wie kürzlich mit dem Modell EAC 09 vom vergangenen Jahr – in Michigan in den USA an. Und im kommenden September darf sich Ecurie-Aix sogar auf der berühmten Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentieren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert