München - Rost und Reparaturen auf der Spur: Gebrauchtwagen selber beurteilen

Rost und Reparaturen auf der Spur: Gebrauchtwagen selber beurteilen

Von: Christoph Walter, dpa
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Rost und Reparaturen auf der Spur - Gebrauchtwagen beurteilen
Detektivarbeit: Rost versteckt sich oft in verborgenen Ecken - zum Beispiel hinter den Schwellern oder unter dem Kofferraumteppich. Nach Korrosion an der Karosserie sollte man deshalb nicht nur oberflächlich suchen. Foto: dpa

München. Auch wenn ein Gebrauchtwagen wie neu glänzt, könnte unter dem hübschen Blechkleid ein technisches Wrack stecken. Wie sich gute Gebrauchte von aufpolierten Autogurken unterscheiden lassen, erklären Experten von TÜV Süd, ADAC und der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ).

- Kaufvorbereitung: Präzise Vorstellungen von Fahrzeugmodell, Baujahr und Preis erleichtern die Suche nach einem guten Wagen aus zweiter Hand. Bei der Vorauswahl bieten Autotests auf den Webseiten der Fachpresse, Erfahrungsberichte in Foren wie „Motor-Talk” oder „Autoplenum” Hilfe. Welche typischen technischen Schwächen einzelne Automodelle haben, lässt sich zum Beispiel in der Pannenstatistik auf der ADAC-Homepage oder im TÜV-Report-Heft nachlesen.

- Fahrzeugbesichtigung: Ist ein passender Gebrauchter gefunden, beginnt die Mängelsuche mit einem Rundgang ums Auto. Unterschiedliche Spaltmaße an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen lassen meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt - dann wurden sie schon einmal ausgewechselt.

- Papiere prüfen: Im Serviceheft sollte die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert sein. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten auf ein Montagsauto hindeuten. Mehr als zwei Halter in fünf Jahren sind verdächtig.

- Blick unter die Haube: Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

- Rostsuche: Um Korrosionsschäden auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit den Fingern lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Riecht es im Wagen muffig, sollte im Fußraum nach feuchten Stellen gesucht werden.

- Lack-Check: Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

- Systemtest: Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis hin zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen.

- Probefahrt: Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht aus. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn eine verzogene Spur oder defekte Stoßdämpfer machen sich oft erst bei höherem Tempo bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

- Tachostand: Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft oder auf dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber können auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben.

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden: Finger weg - er könnte etwas verbergen wollen.
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