Risikofaktor Bremsflüssigkeit: Vorsicht vor dem Tritt ins Leere

Von: amv
Letzte Aktualisierung:
Bremsflüssigkeit
Je älter die Bremsflüssigkeit ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit für den gefürchteten Tritt ins Leere. Foto: Inga Kjer/dpa

München. Es ist eine Horrorvorstellung schlechthin. Eben noch haben die Bremsen tadellos funktioniert. Doch dann fällt plötzlich das Pedal förmlich durch. Der Tritt auf die Bremse bewirkt rein gar nichts mehr. Den Rest vermag man sich auszumalen. „Dieses Szenario ist leider nicht so unrealistisch, wie es sich vielleicht anhört“, warnt Eberhard Lang von TÜV Süd in München.

Schuld sei in vielen Fällen ein zu hoher Wasseranteil in der Bremsflüssigkeit. „Gerade bei einer hohen Beanspruchung der Bremsen beispielsweise bei Urlaubsfahrten im Gebirge oder mit einem angehängten Wohnwagen kann es lebenswichtig sein, dass die Bremsflüssigkeit nicht zu alt ist“, gibt der TÜV Süd-Fachmann zu bedenken.

Je älter die Bremsflüssigkeit ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit für den gefürchteten Tritt ins Leere. „Deshalb schreiben alle Autohersteller Wartungsintervalle vor, innerhalb deren die Bremsflüssigkeit getauscht werden sollte, zumeist alle zwei Jahre“, weiß der TÜV Süd-Fachmann und erläutert den technischen Hintergrund: „Die gebräuchlichen Bremsflüssigkeiten basieren auf Glykol und ziehen das Wasser aus der Luft an.“

Fachleute sprechen von einem hygroskopischen Verhalten. Frische Bremsflüssigkeit hat einen Wasseranteil von etwa 0,05 Prozent und damit einen Siedepunkt von bis zu 260 Grad Celsius.“ Ist sie zwei Jahre alt, kann ihr Wassergehalt schon auf drei Prozent angewachsen sein, wodurch sich der Siedepunkt je nach Sorte auf nur noch 140 Grad verringert. Und der Siedepunkt ist entscheidend für das Funktionieren des gesamten Bremssystems.

Wenn die Bremsflüssigkeit durch eine starke Beanspruchung der Bremse diese Grenz-Temperatur erreicht, beginnt sie zu kochen. Und das kann bei Temperaturen von bis zu 700 Grad an der Bremsscheibe schnell passieren. Es entstehen Dampfblasen. Sie wiederum verhindern, dass der nötige Druck im Bremssystem aufgebaut werden kann. Das Bremspedal fällt durch.

„Leider kann man nicht mit bloßem Auge erkennen, wie hoch der Wasseranteil der Bremsflüssigkeit ist“, betont Lang und empfiehlt, den Wassergehalt der Bremsflüssigkeit auch innerhalb der Wechselintervalle regelmäßig prüfen zu lassen. Den Ratschlag legt er besonders jenen ans Herz, die häufig Fahrten mit hoher Bremsenbelastung unternehmen, beispielsweise bei Fahrten mit einem Wohnanhänger oder die betont sportlich fahren.

Mitunter liebäugeln gerade sportliche Fahrer mit dem Einsatz von speziellen Bremsflüssigkeiten, die im Motorsport eingesetzt werden. Keine gute Idee, sie bieten zwar einen höheren Siedepunkt, aber sind höchst hygroskopisch und werden deshalb beim Rennsport nach jedem Einsatz gewechselt.


„Grundsätzlich ist der Austausch der Bremsflüssigkeit Sache einer Fachwerkstatt“, betont Lang und „generell sollte die Bremsflüssigkeit in das Bremssystem eingefüllt werden, welche auf dem Deckel des Ausgleichsbehälters spezifiziert ist oder für die eine Freigabe des Fahrzeugherstellers vorliegt.“ Bei dieser Prozedur wird die neue Bremsflüssigkeit mittels eines Entlüftergerätes in die Bremsanlage gepresst und die alte dabei durch das gesamte System gespült, um dann über Ventile abgelassen zu werden.

„Das dauert zwischen einer halben und bis zu einer Stunde und kostet je nach Fahrzeug etwa ab 40 Euro“, beschreibt der TÜV Süd-Fachmann die Rahmendaten für das Plus an Sicherheit.


Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert