Schwalbach/Taunus - Range Rover Evoque 2.2 : Style statt Schlamm

Range Rover Evoque 2.2 : Style statt Schlamm

Von: amv
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range rover evoque 2.2
Soll mit mehr Style punkten: Der Range Rover Evoque 2.2. Foto: amv

Schwalbach/Taunus. Wer Land-Rover-Fahrer an anglophilen Garderobenvorlieben wie Wachsjacken zu erkennen glaubte, musste sich spätestens mit dem Auftritt des Range Rover Evoque umgewöhnen. Der viertürige Evoque ist der krasse Gegensatz zum wertkonservativen Range Rover und sein Einsatzgebiet eher der Großstadt-Dschungel.

„Er soll vor allem designorientierte Kunden ansprechen“, steckte Land-Rover-Chef John Edwards seinerzeit die Fahrtrichtung ab. Das Ziel scheint erreicht. Mit bislang mehr als 170.000 verkauften Fahrzeugen ist der kleinere Range Rover eines der erfolgreichsten in der Unternehmensgeschichte.

Zum aktuellen Modelljahr spendierte Land Rover dem Evoque (Basispreis: 35.300 Euro/Testwagenpreis: 45.650 Euro) diverse Assistenzsysteme, teils aufpreispflichtig, vor allem aber eine Neunstufenautomatik (Aufpreis: 2330 Euro). Die von ZF entwickelte Schaltbox besitzt ein adaptives Programm und wechselt die Fahrstufen entsprechend den Fahrerwünschen und Fahrstilen. Das macht sie so geschickt, dass selbst Schaltwippen-Junkies alsbald die Nutzlosigkeit menschlichen Zutuns einsehen. Mitunter aber steuert die Automatik ein bisschen ruppig und mit leichter Verzögerung den Krafteinsatz. Das allerdings fällt höchstens im Gelände wirklich auf.

Aufgrund der geringeren Spreizung der Gänge läuft der Motor nun öfter im optimalen Betriebsbereich, als es mit der bisherigen Sechsgang-Schaltung der Fall war. Bisweilen geht das zu Lasten der Spritzigkeit. Außerdem ist ins neue Getriebe eine Start-Stopp-Funktion integriert: Beides schlägt sich positiv auf den Verbrauch nieder, der laut Werk bei sechs Liter Diesel je 100 Kilometer liegen soll. Tatsächlich zeigt der Bordcomputer knapp unter acht Liter an. Aufgrund der höheren Anzahl der Gänge sinkt zudem naturgemäß das Drehzahlniveau und damit wohltuend der Geräuschpegel. So liegt das Drehzahlniveau des Neungang-Getriebes bei Tempo 120 etwa 700 Umdrehungen pro Minute unter der Drehzahl des Sechsgang-Automatikgetriebes.

Optisch hat Range Rover nur Details geändert, wie etwa die Außenspiegel. Das charakteristische Design aus der Kombination auffallend schmaler Seitenscheiben, einer abfallenden Dachlinie und einer ansteigenden Taille kaschiert geschickt, dass der kleine Range im Vergleich zu Konkurrenten mit 1,97 Metern ziemlich breit geraten ist. Andererseits bieten sich dadurch im Innenraum für vier Personen angenehme Platzverhältnisse. Der hintere Platz in der Mitte kann allenfalls als Notsitz gelten.

Ein Manko der hohen Fensterlinie ist die Einschränkung der Sicht nach hinten. Parksensoren und Kamerahilfe sind mithin Pflicht. Davon abgesehen verschafft die erhöhte Sitzposition dem Fahrer einen guten Überblick. Wie bereits die Karosserie zeigt sich der Innenraum sorgfältig und qualitativ hochwertig verarbeitet. Alle Bedienungselemente entsprechen ergonomischen Regeln. Ihre Vielfalt bedarf einer gewissen Einübung, insbesondere bei dem mittig installierten Informationssystem mit seinem etwas unsensiblen Berührungsbildschirm (Touchscreen).


Die breite Mittelkonsole sowie die üppigen Türverkleidungen vermitteln ein beruhigendes Sicherheits- und Geborgenheitsgefühl. Da ist Land Rover konservativen Werten treu geblieben. Die gut gewählten Materialien, gebürstetes Aluminium und Leder, genügen selbst gehobenen Ansprüchen. Dieses Urteil gilt gleichermaßen für die fahrdynamischen Kapitel. Der 2,2-Liter-Diesel mit 190 PS Leistung sorgt für Ruhe und Gelassenheit. Von dem grundsätzlich harten Verbrennungsprinzip eines Diesels bekommt man im Innenraum kaum etwas mit.

Als Höchstgeschwindigkeit nennt Land Rover 182 Kilometer Pro Stunde (km/h). Der Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 wird demnach in 9,6 Sekunden absolviert. Serienmäßig besitzt der Evoque 2.2 TD4 Allradantrieb gekoppelt mit dem sogenannten Terrain-Response-System, einer elektronischen Fahrhilfe, die auch ein Vorwärtskommen abseits befestigter Straßen ermöglicht. Doch dort wird erfahrungsgemäß der schicke Landy kaum zu beobachten sein. Auf normalen Straßen bietet der Allradantrieb Vorwärtskommen auch bei schlechten Traktionsverhältnissen und im Normalbetrieb bewegt sich der Evoque spurstabil, in Kurven leicht untersteuernd und mit der präzisen Lenkung kleinsten Richtungsbefehlen folgend.

Werden die Grenzen der Fahrphysik erreicht, bremsen diverse elektronische Helfer die Fuhre wieder in sichere Dimensionen. Als gut gelungen erweist sich das Fahrwerk. Der Evoque lässt sich sportlich und agil bewegen, ohne dass die Insassen auf Komfort verzichten müssen, zumindest solange der Wagen mit den serienmäßigen Felgen bestückt ist. Vermeintlich schickere, weil größere Räder, liefern einen Straßenzustandsbericht auf den man gerne verzichten kann.


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