Porsche 911 Targa S: Offen und extravagant

Von: amv
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Stuttgart. Es ist ein faszinierendes Schauspiel: Klappen öffnen sich wie Flügel. Es klickt. Es surrt. Wie von Geisterhand schieben sich Metallstreben, Glas und Stoff in eine neue Position.

Innerhalb von 19 Sekunden verwandelt sich der Porsche 911 Targa in einem geradezu eleganten Prozess von einem Coupé in ein Beinahe-Cabrio. Dem kann man sogar als Betrachter von Außen folgen, denn das Öffnen oder Schließen ist auch per Fernbedienung zu steuern. Vor beinahe einem halben Jahrhundert präsentierte Porsche die erste Targa-Version.

Das vordere Dachteil, ein faltbarer Aludruckgussrahmen mit Kunstlederbezug und das hintere Mini-Stoffverdeck mit einer Kunststoff-Scheibe konnten separat entfernt und im Kofferraum verstaut werden. Der Sportwagenhersteller reagierte damit auf die verschärften Zulassungs- und Sicherheitsrichtlinien des wichtigen US-amerikanischen Exportmarktes und tarnte so geschickt einen Überrollbügel.

Heute erfordert der Dachbetrieb des Cabrio-Coupés kein Fingernagel-gefährdendes Tun mehr. Zeitgemäß übernehmen dies elektronisch-gesteuert Elektromotoren. Geblieben sind die drei Kiemen im Bügel, eine Hommage an das erste Modell. Es ist vermutlich eine Glaubensfrage, für welche Variante des Porsche 911 sich der Kunde entscheidet, der bei Bedarf den freien Blick zum Himmel genießen und sich frischen Wind um die Nase wehen lassen möchte.

Für Letzteres ist der Targa weniger geeignet, als das Cabrio. Und auch der freie Blick nach oben ist aufgrund des Bügels und der Heckscheibe nicht ganz so frei. Warum also Targa? Vielleicht, weil er extravaganter ist. Vielleicht, weil er eben das entscheidende Mehr an Dach bietet. Ist man offen - also ohne Dach über dem Bereich von Fahrer und Beifahrer - unterwegs, zaust der Wind kaum an den Haaren und es bleibt auch erstaunlich leise im Passagierabteil.

Erst ab Tempo 160 muss man die Stimme deutlich erheben, um eine Unterhaltung zu führen. So etwa ab 180 Kilometer pro Stunde (km/h) macht sich der Fahrtwind etwas mehr bemerkbar. Und wen der ständig steigende Geräuschpegel nicht stört, der kann selbst mit Tempo 250 und schneller noch offen fahren. Doch mit freiem Blick zum Himmel ist eher cruisen statt rasen angesagt.

Maximal rennt der Targa S 294 km/h und sprintet in 4,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 (Werksangaben). Das Fahrwerk ist porschegerecht für alles bestens gewappnet und wurde für das Mehrgewicht von etwa 40 Kilogramm (1540 Kilogramm) gegenüber dem Cabrio eigens überarbeitet. Insgesamt zeigt der Targa, welche Reife ein halbes Jahrhundert Modellpflege und Feinschliff möglich machen.

Dementsprechend fegt der generell mit Allradantrieb ausgestattete und wuchtig-breite Bügel-Porsche wie jeder Elfer schnell und sicher um die Ecken, zeigt sich aber selbst auf schlechter Wegstrecke noch so komfortabel, dass selbst Rückenleidende entspannt die Fahrt genießen können. In der Targa-S-Variante bietet ein 3,8-Liter-Boxer mit 400 PS beispielhaften Vortrieb.

Antritt, Durchzug, Laufruhe und vor allem der Sound der Maschine sind faszinierend. Für die Kraftübertragung sorgt ein tadellos abgestimmtes Doppelkupplungsgetriebe (3510 Euro), das in Verbindung mit der Start-Stopp-Automatik zu einem Verbrauch beiträgt, der sich bei 11,8 Litern einpendelt.

Und das, obwohl der Targa auf der freien Autobahn schon zeigen musste, was er drauf hat - geschlossen und offen. Öffnen muss man aber auch das Portemonnaie ziemlich weit. 124.094 Euro werden für den Targa 4S - mit Schaltgetriebe - aufgerufen. Ein Aufschlag von etwa 12.000 Euro zum Coupé und fast so teuer wie das Cabrio.

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