Rüsselsheim - Opel Insignia Country Tourer 2.0: Nicht nur Show

Opel Insignia Country Tourer 2.0: Nicht nur Show

Von: amv
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Der Autobauer Opel hat sein fast fünf Jahre altes Flaggschiff Insignia überarbeitet. Foto: Axel Wierdemann/Opel

Rüsselsheim. Kombis werden gemeinhin wegen ihres Nutzwertes gekauft. Wer als Hersteller dazu eine ansehnlichere Optik gesellen möchte, stellt gerne eine hochgebockte Variante im Rustikal-Look mit zahlreichen Plastikbeplankungen plus Allradantrieb in die Schaufenster.

Opel folgt diesem Trend mit dem Insignia Country Tourer 2.0 CDTI 4x4 und der hat durchaus mehr als Showeffekte zu bieten. Eigentlich soll man ein Pferd ja nicht von hinten aufzäumen. Aber beim Country Tourer trägt das Heck wesentlich zur Beurteilung der Alltagstauglichkeit des Wagens bei. Der weit nach hinten gezogene Überhang des 4,92 Meter langen Rüsselsheimers prägt die Karosserie zunächst einmal optisch. Er lässt den Viertürer, der als Country Tourer 20 Millimeter mehr Bodenfreiheit, beplankte Radhäuser und einen optischen Unterfahrschutz mitbringt, noch ein wenig gestreckter und damit eine Portion dynamischer wirkt.

Für einen Kombi ist die schräge Hecklinie durchaus ungewöhnlich. Üblicherweise haben Fahrzeuge dieses Segments ja einen eher senkrecht stehenden Abschluss. Schließlich will man in dem hinteren Teil möglichst viel Gepäck verstauen können. Grundsätzlich eignet sich die Kombiversion des Insignia dafür auch ganz hervorragend. Das Kofferraumvolumen lässt sich von 540 bis zu 1 530 Liter bei umgeklappten Rücksitzlehnen variieren. Bei voller Ausnutzung des Stauraums ist die Ladefläche nicht nur topfeben, sondern mit 1,90 Metern Länge bestens geeignet, selbst sperrige Teile aus dem Möbelhaus einzuladen. Die breite Öffnung und die geraden Seitenwände unterstreichen diese Qualitäten zusätzlich. Und doch wird die Freude bei der Beladung des Opels getrübt. Das liegt zum einen an der schweren, wuchtigen Heckklappe für die man schon ein paar Muskeln aufbieten muss, um sie zuzuziehen. Zum anderen ragt der Stoßfänger als verlängerte Ladekante so weit nach hinten heraus, dass man ständig Gefahr läuft, sich die Hosenbeine beim Einladen zu beschmutzen. Selbst wenn man sich extrem weit streckt, sind die Dinge, die etwas weiter hinten im Gepäckabteil liegen, quasi unerreichbar. Zugriff ist dann durch die hinteren Türen möglich. Das ist schon ein herber Dämpfer für die Praxistauglichkeit.

Schade. Denn an und für sich ist es angenehm, mit dem Insignia Country Tourer auf Reisen zu gehen. Das Passagierabteil bietet allen Insassen großzügig Platz für Kopf, Knie und Ellenbogen. Nur der Fußraum für Fahrer sowie Beifahrer ist angesichts der sonstigen Großzügigkeit erstaunlich schmal bemessen. Dafür sind die von der „Aktion Gesunder Rücken“ als besonders ergonomisch und rückenfreundlich zertifizierten Sitze inklusive Heizung und Lüftung (Premium-Paket Leder 1750 Euro) umso bequemer, da sie tatsächlich ganz auf die individuellen Proportionen eingestellt werden können.

Die seit der letzten Überarbeitung der Baureihe deutlich gestiegene Qualität im Innenraum zeichnet sich durch hochwertig wirkende Materialien und Oberflächen aus. Dazu gehört überdies eine gute Übersichtlichkeit des Cockpits. Die Designer haben bei der Gestaltung des Armaturenträgers ganz nach dem Motto gehandelt =84weniger ist mehr=93. Dementsprechend ist die Zahl der Schalter auf dem Bedienfeld gegenüber vorherigen Generationen deutlich reduziert worden. Das vereinfacht die Handhabung. Dazu zählt ebenfalls, dass der Fahrer beispielsweise Audiosystem oder Klimaanlage sowohl über diese Tasten als auch über Schalter am Lenkrad oder einen acht Zoll großen Farb-Touchscreen im Armaturenträger bedienen kann. Optional gelingt das zudem über eine Touchpad-Steuerung (120 Euro in Verbindung mit dem Navi). Anstelle des sonst üblichen Dreh-Drückstellers in der Mittelkonsole befindet sich hier nun eine Art Mouse. Per Fingerbewegung können Funktionen angesteuert oder in der eigenen Handschrift eingegeben werden. Es dauert jedoch ein wenig, um sich an die leichte Verzögerung bei der Reaktion auf die Befehle zu gewöhnen. Sehr präzise funktioniert hingegen die Spracheingabe, mit der sich sämtliches Schalten und Drücken an Knöpfen umgehen lässt.

Ebenfalls keinen Schalter braucht es, um den serienmäßigen Allradantrieb zu aktivieren. Er verteilt seine Kraft je nach Bedarf automatisch bis zu 100 Prozent von der Vorder- zur Hinterachse. Bei schnelleren Ausweichmanövern oder zügigen Kurvenfahrten gibt das ein gutes Gefühl der Sicherheit. Zudem muss man auch nicht ein Abbiegen auf rutschige Feldwege scheuen. Das adaptive Fahrwerk (980 Euro) dürfte im Normalmodus durchaus etwas straffer abgestimmt sein. Ein Druck auf die Taste „Sport“ schafft an dieser Stelle aber schnell Abhilfe. Selbst dann werden Unebenheiten der Straße noch ausreichend weggefiltert, bevor sie sich störend auf die Bandscheiben der Insassen auswirken würden. Tadellos präsentiert sich die Kombination des Allradlers mit dem 163 PS starken Turbodiesel. Ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmetern zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen verschafft dem Vierzylinder einen souveränen Auftritt. Dazu ist das Aggregat angenehm laufruhig und hält sich selbst bei hohen Geschwindigkeiten (maximal ist laut Werk Tempo 200 möglich) akustisch weitgehend zurück.

Ganz so zurückhaltend wie Opel den Normverbrauch angibt, bleibt der Selbstzünder im Mix aus Stadt-, Landstraßen- und Autobahnfahrten allerdings nicht. Zu den veranschlagten 5,6 Litern (beim Sechsgang-Schaltgetriebe) kommen bei zügiger Fahrweise schon zwei Liter im Durchschnitt hinzu. Mit dem 70-Liter-Tank ergibt sich da eine mehr als ordentliche Reichweite. Bei der Anschaffung bleibt es hingegen nicht aus, etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Mit 38.960 steht der Opel Insignia Country Tourer 4x4 in dieser Motorisierung in der Preisliste. Klimaanlage, LED-Tagfahrlicht, Berganfahrhilfe, Radioanlage mit Freisprecheinrichtung und Multifunktionslenkrad sind dann bereits mit an Bord. Zusätzlich zur ordentlichen Serienausstattung gibt es für faires Aufgeld viele Assistenzsysteme vom adaptiven Fahrlicht bis hin zur Frontkamera mit adaptivem Geschwindigkeitsregler und automatischer Gefahrenbremsung. Vor allem aber die Investition von 580 Euro für den ausziehbaren Ladeboden könnte sinnvoll sein.

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