Opel Ampera: Der erste seiner Art

Von: Norbert Michulsky, dapd
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Erstes voll alltagstaugliches Elektroauto für grenzenlose Mobili
Opel öffnet ein neues Kapitel in der Geschichte der Mobilität und löst ein Versprechen ein: Der revolutionäre, elegant gestylte und gleichzeitig voll alltagstaugliche Ampera ist Europas erstes Elektroauto für grenzenlose Mobilität. Die ersten Fahrzeuge aus der Serienproduktion gehen noch vor Jahresende in den Handel. Foto: dapd

Amsterdam. Im platten Hinterland zwischen den niederländischen Metropolen Den Haag und Amsterdam führte Opel sein Modell für die Zukunft vor: den Ampera. Mit der Präsentation in der Provinz will das Unternehmen nach den Jahren der Krise die Elektromobilität neu definieren und spricht von „E-Mobilität für alle und für alle Fälle”.

Zumindest der erste Teil der Behauptung darf bei einem Basispreis von 42.900 Euro schon mal bezweifelt werden. Immerhin legt Opel für diesen Preis ein Verlängerungskabel in den Kofferraum.

Opel hat sich bei seinem Strom-Vehikel für eine Kombination aus einem Verbrennungsmotor und einem Elektromotor entschieden, geht aber technisch einen anderen, durchaus respektablen, Weg als die bekannten Hybridmodelle. Nicht ein vergleichsweise schwacher Elektromotor mit einer kleinen Batterie hilft dem konventionellen Motor bei seiner Arbeit, sondern eine starke E-Maschine mit großer Batterie wird, nur bei Bedarf, von dem Benziner (1.398 ccm/86 PS) unterstützt. Mit seiner Kraft wird der Akku geladen, der Fahrbetrieb ist also rein elektrisch und Angst, mit leerer Batterie liegenzubleiben, muss niemanden mehr plagen. Die Frage, warum man nicht gleich diese technische Lösung mit einem verbrauchs- und abgasoptimierten kleinen Diesel kombiniert hat, bleibt dabei ungeklärt.

Der Mensch am Steuer muss sich der Technik anpassen

Für den rein elektrischen Betrieb nennt Opel eine Reichweite von maximal 80 Kilometern. Doch dazu muss sich der Mensch am Steuer der Technik anpassen. Wie weit man tatsächlich kommt, hängt entscheidend von der Fahrweise und den Fahrbedingungen ab. Autobahnpassagen, Ampelsprints oder Bergstrecken reduzieren die Reichweite rasch und deshalb wohl wählte Opel auch für erste Fahreindrücke die Strecke taktisch sorgsam aus. Zwar lockt das enorme Drehmoment (370 Newtonmeter) des umgerechnet 150 PS starken Elektromotors zum kräftigem Beschleunigen, ein sanfter, vorausschauender Umgang mit dem Gaspedal kommt der Technik jedoch eher entgegen. Für 80 Prozent aller Fahrten sei die elektrische Reichweite ausreichend, taxiert Opel. Zusammen mit dem Benzinmotor schaffe der Ampera über 500 Kilometer am Stück.

Geladen wird der Ampera an jeder konventionellen Steckdose. Ob die Atomstrom oder Windkraft-Energie liefert, sei mal dahingestellt. Maximal vier Stunden dauert der Ladevorgang. Folgt man der Opel-Rechnung, dann müssen bei einer Jahreskilometerleistung von 15.000 Kilometer und einem Strompreis von 20 Cent je kWh etwa 3,20 Euro je 100 Kilometer Strecke ausgeben werden, mithin etwa die Hälfte, die bei einem sparsamen Diesel fällig wäre. Nicht einkalkuliert ist dabei allerdings der hohe Anschaffungspreis.

Opel spricht von einem dynamischen Design

Die äußere Hülle des Ampera beschreibt Opel als „dynamisches Design”. Das kann man so sehen, muss es aber nicht. Innen dominieren zwei Monitore das Cockpit. Das Display hinter dem Lenkrad informiert über das Tempo und den Batteriezustand. Zudem visualisiert ein grüner Ball die Effizienz der Fahrweise: Wandert er nach unten, etwa beim Bremsen, informiert er, dass die Bewegungsenergie in Strom verwandelt, mithin der 160 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Akku geladen wird. Das zweite Mäusekino dient je nach Wahl als Navi oder versinnbildlicht den Energiefluss.

Laut Opel ist das Interieur eine Mischung „zwischen Cockpit und Lounge”. Tatsächlich jedoch wirken die eingesetzten Materialien eher billig und wenig attraktiv. Die lackierten Oberflächen zeigten bei den ersten Fahrten schon Kratzspuren, und ob die Verarbeitungsmängel mit der Serienproduktion verschwunden sind, muss sich zeigen. Branchenüblich begründete Opel-Sprecher Patrick Munsch die offensichtlichen Passungenauigkeiten als Probleme der Vorserienfertigung.

Europaweit, sagt Opel, liegen rund 5.000 Vorbestellungen auf dem Tisch. In Deutschland wird im ersten vollen Jahr, also 2012, mit einem Absatz von etwa 3.000 Exemplaren gerechnet. Verkaufsstart ist im Herbst. Dass der hohe Anschaffungspreis - gut ausgestattet kostet der futuristische Kompaktwagen fast 50.000 Euro - ein Handicap sein könnte, ist Opel offensichtlich bewusst. So redet denn auch Enno Fuchs, Direktor E-Mobility, Kaufanreizen der besonderen Art das Wort, nämlich „Subventionen, Steuerbefreiungen und Absetzbarkeit von Betriebskosten”, und verweist auf Staaten, etwa die Niederlande, in denen Stromfahrzeuge besser gefördert würden.
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