Berlin - Nutzfahrzeughersteller erklären neue Grenzwerte für überflüssig

Nutzfahrzeughersteller erklären neue Grenzwerte für überflüssig

Von: Thomas Rietig, dapd
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Berlin. Eine Lockerung der strikten Größenbegrenzungen bei Lastzügen kann nach Ansicht der Nutzfahrzeugindustrie umweltpolitische Vorteile bringen.

Vertreter der großen Lkw-Konzerne erklärten darüber hinaus am Montag in Berlin auch die derzeitigen und geplanten Emissionsgrenzwerte für prinzipiell überflüssig, da der hart an der Wirtschaftlichkeitsgrenze operierende Markt ohnehin nur sparsamsten Modellen eine Chance lasse.

„Das wirksamste Umweltgesetz ist das Gesetz des Marktes”, sagte der Daimler-Vorstand für Nutzfahrzeuge, Andreas Renschler. Schon jetzt unterböten die Mercedes-Lastwagen die gültigen Standards um 80 Prozent. Das neueste Modell unterbiete das Vorgänger-Fahrzeug um 7,6 Prozent. Selbst bei den anstehenden Verschärfungen durch den Euro-VI-Standard sei er noch 4,5 Prozent besser. Die neuen Grenzwerte sollen vor allem die Stickoxid-Emissionen weiter reduzieren. Die dazu nötigen Filteranlagen erhöhen aber prinzipiell den Spritverbrauch.

Lastzüge aerodynamischer gestalten

Sein Kollege Georg Pachta-Reyhofen, Vorstandssprecher von MAN, sprach sich für eine Änderung der Längenvorschriften aus, um die Lastzüge aerodynamischer zu gestalten. Renschler erklärte darüber hinaus, eine „moderate Aufstockung beim zulässigen Gesamtgewicht um 4 auf 44 Tonnen könnte CO2-Einsparungen von zwei Prozent ... nach sich ziehen, weil dadurch weniger Fahrzeuge unterwegs sind”.

Ähnlich argumentierte auch Verkehrs-Staatssekretär Andreas Scheuer (CSU). Er rechtfertigte den geplanten Feldversuch mit 25,25 Meter langen Lastzügen, den Lang-Lkw oder Gigalinern, auch damit, dass zwei überlange Lkw so viel transportieren könnten wie drei herkömmliche und sich damit Energieverbrauch und Emissionen entsprechend reduzierten. Er appellierte an die „Grundsolidarität” Baden-Württembergs. Grün-Rot dürfe ja weiterhin dagegen sein, solle aber wenigstens 35 Kilometer der Autobahn A 7 für den Feldversuch freigeben, damit eine Nord-Süd-Strecke definiert werden könne.

Umweltvorteil der Schiene schwindet

Eine Studie des Beratungsunternehmens PE international ergab, dass der Umweltvorteil der Schiene beim Gütertransport schwindet. Die Studie attestiert dem Straßentransport „tendenziell bessere” Verbrauchs- und Emissionswerte etwa beim Transport schwerer Stückgüter, während die Bahn deutlich besser beim Schüttguttransport bleibt. Auch beim Containertransport behält die Schiene ihre Vorteile, vorausgesetzt, die Züge sind länger als zehn Waggons. Angesichts der vorhersehbaren Verbesserungen der Wirkungsgrade beim Lkw komme es bei der Bahn in den nächsten Jahren auf den Energiemix beim Bahnstrom an, erklärten die Unternehmensberater. Entscheidend sei, wie die Bahn ihren derzeitigen Anteil von 22 Prozent Atomstrom kompensiere.
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