Köln/Berlin - Mit dem Alltagsauto auf der Rennstrecke

Mit dem Alltagsauto auf der Rennstrecke

Von: Fabian Hoberg
Letzte Aktualisierung:
8494404.jpg
Die legendäre Nordschleife des Nürburgrings: Auch sie lässt sich mit dem Privat-Boliden unter die Reifen nehmen. Der Hobbypilot zahlt für eine Runde 27 Euro.
8494403.jpg
In breiter Formation: Viele Rennstrecken-Betreiber öffnen ihre Rundkurse auch für ambitionierte Privatleute und ihre Straßenfahrzeuge. Foto: dpa

Köln/Berlin. Die Strecke ist sauber, der Asphalt griffig, die nächste Kurve gut einsehbar. Wir befinden uns auf einer Rennstrecke, hier darf gerast werden. Manche Rundkurse bieten aber nicht nur PS-Profis eine Spielwiese für ihre Passion, sondern auch Laien mit ihren unauffälligen Alltagsautos.

Zu den Rennstrecken in Deutschland, die ihre Pisten für sogenannte Trackdays, Touristen- oder Publikumsfahrten ohne Zeitmessung geöffnet haben, gehören Nürburgring, Hockenheimring, Sachsenring, Eurospeedway Lausitz, Heidbergring und der Spreewaldring. Ein ähnliches Programm bieten Anlagen wie der Motorpark Oschersleben, das Bilster Berg Drive Ressort oder auch der ehemalige Flughafen Groß-Dölln.

Privatfahrer ohne Rennlizenz und Rennwagen können sich dort ein bisschen wie Rosberg, Vettel und Co. fühlen. Auf den Internetseiten der jeweiligen Betreiber finden sich Öffnungszeiten und Preise. Beispielsweise kostet eine Runde auf der legendären Nordschleife 27 Euro.

Damit das Feilen am Fahren entlang der Ideallinie und an besseren Rundenzeiten möglichst gelingt, sollten die Hobbypiloten allerdings ein paar Dinge beachten. „Das Auto sollte allgemein in einem guten Zustand sein, denn Fahrten auf Rennstrecken sind für einen Wagen sehr belastend“, sagt Hans-Gerd Brauneiser von der Rheinland-Garage in Köln.

Der Mechaniker mit Rennsporterfahrung empfiehlt, vor dem Start alle Betriebsflüssigkeiten wie Öle und Wasser zu kontrollieren und diese bis auf den erlaubten Maximalstand aufzufüllen. Die Bremsflüssigkeit sollte für möglichst hohe Bremsleistung nicht älter als zwei Jahre sein.

Beim Luftdruck ist Nachjustieren angesagt: „Der Reifendruck sollte zu Beginn der Fahrt den vom Hersteller vorgeschriebenen Wert haben. Nach ein paar Runden steigt wegen der Erwärmung der Druck, dann sollte man etwas Luft ablassen“, sagt Brauneiser. Radkappen auf Stahlfelgen nehme man besser ab: „Die fliegen sonst gerne ab.“ Auch wenn Fahrer nicht dazu verpflichtet sind: Sicherer ist die Fahrt mit einem Schutzhelm.

Wer sich mit dem Alltagsauto auf die Piste wagt, muss mehr zahlen als die reinen Gebühren vermuten lassen. Denn vor allem „bei Steigerung der Rundenzeiten und längerer Nutzung auf der Strecke kommen diverse Fahrzeugbauteile an ihre Belastungsgrenze und sind stärkerem Verschleiß ausgesetzt“, sagt Rennmechaniker Brauneiser. Vor allem Reifen, Bremsanlage und radführende Teile des Fahrwerks leiden auf Rennstrecken.

Motor, Getriebe und Bremse schonen Piloten am besten mit einer Auslaufrunde nach der schnellen Fahrt. So können sich Kühlsystem, Bremsen und Reifen schonend abkühlen, sagt der Experte. Ist der Trip vorbei, werden erneut die Reifen überprüft. Profiltiefe und Zustand müssen noch stimmen. Bei starker Beschädigung muss Ersatz her. Wenn die Reifen abgekühlt sind, wird wieder der vorgeschriebene Luftdruck auf die Gummis gegeben.

Auch wenn ein Auto in einem guten technischen Zustand ist, können Unfälle passieren. Oft sind die Piloten übermütig und schätzen ihr Können falsch ein. Oder sie lassen sich von anderen Teilnehmern mitreißen. Liegt das Auto erstmal abseits der Strecke im Gras oder Kies, kann es ganz schön teuer werden. Denn nicht jede Autoversicherung übernimmt automatisch den entstandenen Schaden.

„Die Teilnahme an nicht genehmigten Rennen stellt eine Pflichtverletzung des Versicherungsnehmers dar. Sein Versicherungsschutz erlischt. Die Haftpflicht zahlt zwar den Schaden des unbeteiligten Dritten, kann aber den Fahrer bis zu 5000 Euro in Regress nehmen“, sagt Alina Schön vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Und die Kaskoversicherung trete in der Regel nicht für Schäden ein, die bei Fahrveranstaltungen entstehen, „bei denen es auf die Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit ankommt“. Dazu zählen zwar keine Publikumsfahrten. Wer aber mit hoher Geschwindigkeit im Kiesbett oder an der Leitplanke landet, der hat womöglich ein Argumentationsproblem bei der Schadensregulierung. Alina Schön rät, sich bei der Versicherung vorab nach dem passenden Versicherungsschutz zu erkundigen.

Sicheres und schnelles Fahren lernen Möchtegern-Rennfahrer nicht durch ein paar Runden im Publikumsverkehr auf der Rennstrecke. „Wer sein Fahrzeug nicht nur schnell, sondern auch sicher auf einer Rennstrecke bewegen will, ist bei einem Fahrerlehrgang gut aufgehoben“, sagt Michael Kramp vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB).

Für Neulinge empfiehlt er ein Fahrertraining, bei dem die Basics für das Fahren auf der Rennstrecke gelehrt und auch in der Praxis erklärt werden.

Auf den theoretischen Teil mit fahrphysikalischen Aspekten folgt die Praxis auf einer exklusiv gemieteten Rennstrecke, oft unter der Anleitung von aktiven Rennfahrern. Teils kann eine Prüfung abgelegt werden, mit der die Rennfahrerlizenz beim DMSB beantragt werden kann. Diese berechtigt zur Teilnahme an offiziellen Rennen und Meisterschaftsläufen. Der Weg zum Profirennfahrer ist dann zwar immer noch weit. Aber man fährt schon in die richtige Richtung.

Die Homepage wurde aktualisiert