Mercedes SLS AMG: Supersportler mit sinnbetörenden Fahrleistungen

Von: Norbert Michulsky, dapd
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Ein Mercedes SLS AMG übt in Kontaktfreudigkeit und charakterlicher Stärke. Kaum steht man mit dem aufsehenerregenden Flügeltürer an einer Tankstelle oder Kreuzung, werden reihum Kameras und Smartphones gezückt und der Fahrer mit Fragen gelöchert. Charakterstärke ist angesichts des Kraftpotenzials gefordert: Mit einem unbeabsichtigt heftigen Tritt auf das Gaspedal katapultiert man sich in Geschwindigkeitsbereiche jenseits aller Verkehrsregeln. Der 6,3 Liter V8-Motor mit 571 PS sorgt für betörende Fahrleistungen, garniert mit einem verführerischen Klangerlebnis von tiefem Grollen bis wildem Brüllen. Foto: dapd

Stuttgart. Ein Mercedes SLS AMG übt in Kontaktfreudigkeit und charakterlicher Stärke. Kaum steht man mit dem aufsehenerregenden Flügeltürer an einer Tankstelle oder Kreuzung, werden reihum Kameras und Smartphones gezückt und der Fahrer mit Fragen gelöchert.

Charakterstärke ist angesichts des Kraftpotenzials gefordert: Mit einem unbeabsichtigt heftigen Tritt auf das Gaspedal katapultiert man sich in Geschwindigkeitsbereiche jenseits aller Verkehrsregeln.

Der 6,3 Liter V8-Motor mit 571 PS sorgt für betörende Fahrleistungen, garniert mit einem verführerischen Klangerlebnis von tiefem Grollen bis wildem Brüllen. Fragen nach dem Preis oder dem Spritverbrauch sind müßig.

Der Zweisitzer mit seinem einzigartigen Design ist so sinnvoll wie ein diamantenes Collier, aber für Menschen mit Benzin im Blut mindestens so sinnlich und verführerisch. Ebenso sind Erkundigungen nach der Alltagstauglichkeit fehl am Platz - wohl niemand benutzt den 149.000 Euro (Basispreis) teuren Renner für die Fahrt zum Supermarkt.

Mit dem SLS AMG knüpft Mercedes an den legendären 300 SL aus dem Jahr 1954 an. Entwickelt wurde der Flügeltürer unter der Regie der hauseigenen Tuningschmiede AMG. Der makellos verarbeitete Zweisitzer kann sich sowohl bei den Fahrleistungen als auch fahrdynamisch mit den besten Sportwagen messen. Die Werte - von 0 auf Tempo 100 in 3,8 Sekunden und 317 km/h in der Spitze (Werksangaben) - sprechen für sich.

Von 60 auf 100 km/h spurtet der SLS lässig in 1,9 Sekunden. Überholmanöver können somit extrem schnell absolviert werden. Lässt man die 571 Pferdestärken angaloppieren, dann fühlt man sich zu recht einem Formel-Eins-Piloten sehr nahe. Vertiefte Kenntnisse in Sachen Fahrphysik sollten dabei allerdings vorhanden sein.

Speziell bei nasser Fahrbahn ist die Gefahr eines Drehers recht groß. Selbst im dritten Gang kann die Kraft nicht ohne korrigierende Maßnahmen der Traktionskontrolle oder des Fahrers schlupffrei übertragen werden.

Natürlich ist der Mercedes ein sehr sicheres Auto, das mühelos Kurven absolviert, bei denen andere sich längst in ihrem Grenzbereich oder jenseits dessen bewegen. Auch dank einer fast optimalen Gewichtsverteilung und eines niedrigen Schwerpunkts zeigt der SLS AMG ein hervorragendes Kurvenverhalten.

Erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten neigt der Achtzylinder zu leichtem Untersteuern, was das ESP auf den Plan ruft - für den elektronischen Fahrassistenen gibt es einen Normal- sowie in einem Sport-Modus. Insgesamt hält die Elektronik vier Fahrprogramme bereit, dazu eine Renn-Start-Funktion (Launch Control).

Trotz elektronischer Helfer muss man sich die verlockenden Fahrleistungen erst peu à peu erarbeiten - und dies am besten auf einer abgesperrten Strecke. Nutzt man den Flügeltürer als Reisegefährt, zeigt sich rasch: Die Langstreckentauglichkeit wird durch das harte, auf Fahrdynamik ausgelegte Fahrwerk spürbar eingeschränkt.

Doch diese Einschränkung empfindet man nicht als Manko, sondern man arrangiert sich rasch damit. Falls man mag, kann man auch über den kaum vorhandenen Kofferraum (176 Liter) mosern oder die sehr schlechte Rundumsicht. Ein SLS-Fan lässt sich davon aber das Fahrvergnügen nicht verderben - ebenso wenig wie vom Blick auf die Verbrauchsanzeige.

Wer schier hemmungslos das vorhandene Potenzial abruft, wird sich über Verbrauchswerte deutlich jenseits der 20-Liter-Marke nicht wundern. Wer es indes vernunftbetont angehen lässt, sieht im Display auch schon mal eine Zwölf vor dem Komma.

Unterstrichen wird der sportliche Charakter des SLS durch tadellose Bremsen, eine höchst präzise Lenkung mit klarer Rückmeldung und ein ultraschnell agierendes Doppelkupplungsgetriebe (AMG Speedshift DCT) mit sieben Fahrstufen. Die Sportlichkeit, die der Flügeltürer bietet, fordert er allerdings auch ein: Das Ein- und Aussteigen sollte geübt werden - tunlichst unbeobachtet, sonst ist die publikumsträchtige Blamage vorprogrammiert.

Das Überwinden der sehr breiten Schweller stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. Hat man sich auf den Fahrersitz gefädelt, findet man einen aufgeräumten und nicht mit Schaltern überfrachteten Innenraum vor, dessen Verarbeitung, Materialauswahl und Funktionalität kaum Wünsche offenlassen.

Allenfalls vermisst man Staumöglichkeiten für den täglichen Krimskrams. Wer den angebotenen Fahrspaß unter freiem Himmel optimieren möchte, muss noch einige Wochen warten. Dann stellt Mercedes den SLS als Roadster in die Schaufenster. Die spektakulären Flügeltüren weichen dann allerdings einer konventionellen Lösung.
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