Marder: Vandalen unter der Motorhaube

Von: amv
Letzte Aktualisierung:
Marder
Die kleinen Marder sind ein Übel für viele Autofahrer. Foto: dpa

Stuttgart. Marder gelten gemeinhin als possierliche Tiere. Die verniedlichende Einschätzung schwindet aber umgehend, wenn eines der hundeartigen Raubtiere unter der Motorhaube seinen Instinkten freien Lauf gelassen hat. Zerbissene Zündkabel, zerrupfte Verkleidungen, zerfetzte Schläuche zeugen von vermeintlichem Vandalismus.

Dabei folgt der kleine Räuber nur seiner Natur. „Marder sind im Frühjahr, kurz vor der Paarungszeit und bis in den Spätsommer hinein besonders aktiv“, warnt Philipp Heise vom Auto Club Europa in Stuttgart. Die Rüden stecken ihre Reviere ab. Dazu markieren sie die Grenzen mit Urin, um Rivalen von ihren Weibchen zu vertreiben.

Parkt ein so urin-markiertes Auto nun im Revier eines anderen Rüden, will der den vermeintlichen Nebenbuhler davonjagen. „Fahrzeuge, die häufig an verschiedenen Orten abgestellt werden, sind dementsprechend häufig Attacken Opfer des marder-typischen Scherengebisses“, weiß Heise. Er empfiehlt deshalb Autobesitzern, in den kommenden Monaten besonders auf Marderspuren zu achten, etwa Kot vor dem Fahrzeug.

Falls der Motor unrund läuft, sollten Kabel und Schläuche kontrolliert sowie gegebenenfalls ein Fachmann in der Werkstatt hinzugezogen werden, der den Motorraum nach etwaigen Marderschäden durchforstet. Die Bremsleitungen bleiben erfahrungsgemäß verschont. Sie sind für Marder schwer erreichbar und bestehen überwiegend aus hartem Material, beruhigt der ACE-Fachmann.

Die unerwünschten Besucher auszusperren ist nicht einfach. Steinmarder erweisen sich gegenüber Geruchs- und Bitterstoffen als ausgesprochen unempfindlich. Toilettensteine beispielsweise erweisen sich als nutzlos. „Wirksame Abwehrmittel können jedoch durch mechanische Schutzvorrichtungen und Hochspannungsabwehrgeräte nach dem Weidezaun-Prinzip verwirklicht werden“, sagt der ACE-Fachmann: Der kleine Räuber bekommt einen Schlag, der ihn zwar erschreckt, aber nicht verletzt, also flüchtet er“, erläutert Heise.

Solche Geräte kosten rund 140 Euro. Eine weitere Prävention ist das Auslegen von Maschendraht unter dem Auto. „Der frei verlegte Draht vibriert immer ein wenig“, verdeutlicht Heise das Prinzip. „Dies irritiert die Tiere. Die Methode ist aber natürlich für Laternenparker weniger geeignet“, so Heise weiter.

Hauptsächlich fallen weiche Gummiteile wie Schläuche oder Lenkmanschetten Marder-Attacken zum Opfer und die Folgen sind kostspielig. Die durchschnittliche Höhe von Marderschäden liegt bei etwa 350 Euro. Nicht immer springt die Fahrzeugversicherung in die Bresche. Da die Assekuranzen ihre Vertragsbedingungen frei gestalten, kann ein Marderbiss je nach Gesellschaft und Police unterschiedlich versichert sein. Wichtig ist es, das Kleingedruckte zu lesen. Einige Versicherer schließen Schäden durch Marder aus oder zahlen nur bis zu einer bestimmten Höhe.

Wurde ein Selbstbehalt vereinbart, so liegt dieser häufig über den Reparaturkosten. „Viele Versicherungsgesellschaften bieten inzwischen spezielle Mardertarife oder Zusatzversicherungen, die die direkten Schäden in voller Höhe übernehmen“, weiß Heise. Bei Vollkaskoversicherungen werden alle Marderschäden übernommen, aber in der Regel nur die direkten Schäden; nicht jedoch Folgekosten, wie etwa langfristige Schäden, Verdienstausfall oder eine notwendige Motorwäsche. In der Regel bleiben die Betroffenen auf diesen Kosten sitzen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert