Land Rover Defender: Das Urvieh

Von: amv
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Land Rover Defender
Land Rover Defender: Der wohl bekannteste Offroader. Foto: dpa

Schwalbach/Taunus. Der Land Rover Defender ist wohl der Off Roader schlechthin. Kein SUV, das sanftes, unkomplizierte Vorwärtskommen dank einer Armada elektronischer Helfer und Assistenzsystemen verheißt, sondern ein automobiles Urvieh, das beherrscht werden will.

Technik wird hier noch spürbar. Man hört den Motor, fühlt wie Getriebe und Antrieb arbeiten. Wer sich darauf einlässt, wird den Defender lieben und - sollte einen Erstwagen für den Alltag besitzen. Nicht nur im Gelände, wo ihm kaum einer das Wasser reichen kann, offenbart der Defender seine Stärken und seinen besonderen Charme. Es ist Autofahren der nostalgischen Art. Kritiker nennen ihn hoffnungslos veraltet und angesichts diverser Abgas- und Sicherheitsbestimmungen naht nach mehr als 65 Jahren Bauzeit wohl 2015 sein Ende.

Doch solche Kritik berührt den Exzentriker wenig und seine Besitzer lieben ihnen eher deswegen. Im Gelände spielt der Defender seine Stärken aus wie kaum ein anderer. Aber der Mensch am Steuer sollte wissen, was die jeweilige Situation verlangt. Kein Instrument zeigt den Grenzbereich bei Schrägpassagen an. Keine Elektronik lotet in vorauseilendem Gehorsam die Watttiefe eines Bachbettes aus. Doch auch abseits seines ursprünglichen Biotops macht der Landy inzwischen eine passable Figur. Hat man sich erst einmal mit seinem Charakter -- bei anderen Fahrzeugen würde man von Schwächen sprechen - arrangiert, kommt ein entspannendes Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit auf. Vor allem bei miesem Wetter und miserablen Fahrbedingungen.

Für Fahrdynamiker ist der Defender definitiv ungeeignet. Der moderne 2.2-Turbodiesel (122 PS/Drehmoment 360 Newtonmeter) zieht zwar tapfer an. Nach dem Schalten setzt er aber nur zögerlich seine Kraft ein und die Fahrleistungen (15,8 Sekunden von null auf Tempo 100/Spitzengeschwindigkeit 145 Stundenkilometer/Werksangaben) lassen niemand fassungslos niederknien. Der Verbrauch pegelt sich bei zwölf Litern je 100 Kilometer ein. Für viele Landy-Liebhaber weitaus wichtiger: maximal 3,5 Tonnen dürfen an den Haken der Anhängerkupplung genommen werden. Für Fahrer und Beifahrer geht es innen etwas gewöhnungsbedürftig eng zu. Im Fond wird das schon besser und der Laderaum ist schlichtweg riesig.

Nach und nach spendierte Land Rover dem automobilen Urvieh (Basispreis: 32.290 Euro/Testwagenpreis 39.970 Euro) sogar etwas wie Komfort. Zwar besitzt der Defender unverändert vorne wie hinten Starrachsen. Doch dank der Abstimmung von Dämpfern und Federung samt dem langen Radstand (2,80 Meter) prügelt nicht gleich jede Fahrbahnunebenheit auf die Insassen ein. Die Geräuschdämmung wurde so verbessert, dass man sich auch auf Autobahnpassagen unterhalten kann. Es gibt eine Klimaanlage. Sogar eine Heizung für die Vordersitze ist zu ordern. Doch solcher Luxus kostet zusätzlich.

Für den Fahrer tut sich ein Arbeitsplatz auf, der erst einmal überblickt werden will - das Zündschloss etwa findet sich blickverdeckt links - dann aber dank der wenigen Bedienelemente und Instrumente rasch begreifbar ist. Weitaus unbegreiflicher ist, dass es im Laufe der Jahre nicht gelungen ist, beispielsweise die Türgriffe so zu platzieren, dass sie bequem und ohne Verlust von Fingernägeln erreichbar sind. Aber auch das gehört wohl zu den archaischen Reizen des Landy. Und damit es davon nicht zu wenig gibt, sattelt Land Rover noch eins drauf: Das ABS kostet 1850 Euro.

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