Kostenlos sein Recht bekommen: Schlichtungsstellen vermitteln

Von: amv
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Bonn. Das Verhältnis zwischen Autobesitzer und Autowerkstatt ist mitunter prekär. Immer wieder rügen Fachzeitschriften bei ihren Werkstatt-Tests schlampige Arbeit. Immer wieder ärgern sich Autofahrer über unerwartet hohe Preise. Immer wieder fühlen sich Autofahrer Werkstätten ausgeliefert, übervorteilt.

Das zumindest ist schnell die Überzeugung, wenn beispielsweise die Inspektionsrechnung unerwartet hoch ausfällt. Doch die Beweislast ist schwierig. Wurde wirklich zu teures Öl eingefüllt? War das Ersatzteil tatsächlich notwendig? Bei kleineren Beträgen oder schwieriger Beweislage erweist es sich oft als riskant, zu prozessieren. „Zweifelhafte Erfolgsaussichten sowie ein hohes Kostenrisiko, wenn keine Rechtschutzversicherung die Prozesskosten übernimmt, führen leicht dazu, aus wirtschaftlichen Überlegungen auf die Durchsetzung eines rechtlichen Anspruchs zu verzichten“, weiß der auf Verkehrsrecht spezialisierte Rechtsanwalt Michael Winter aus seinem beruflichen Alltag.

Doch dazu muss es nicht kommen. „Wenn Autofahrer und Werkstatt sich streiten, hilft die Kfz-Schiedsstelle und findet in der Regel eine Lösung“, sagt Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) in Bonn. Bundesweit gibt es knapp 130 Schiedsstellen, die bei den Kfz-Innungen oder Landesverbänden zu finden sind. Sie vertreten die zirka 38.000 Betriebe der Kfz-Innungen. Nach Bundesländern geordnet finden sich die Anschriften auf der Website http://www.kfz-schiedsstellen.de.

Das Verfahren vor der Kfz-Schiedsstelle ist für den Autofahrer kostenlos. Ist der Kunde mit dem Schiedsspruch unzufrieden, kann er ein ordentliches Gericht anrufen. Im vergangenen Jahr gingen bundesweit knapp 10.000 Anträge von Werkstattkunden und Gebrauchtwagenkäufern bei den Schiedsstellen ein. „Fast 90 Prozent davon wurden bereits im Vorverfahren geregelt. Vor die Kommission kamen knapp 1200 Fälle“, berichtet ZDK-Sprecher Köster. Das erscheint wenig im Vergleich zu den insgesamt 74,3 Millionen Wartungs- und Reparaturaufträgen, die 2012 in den Kfz-Meisterbetrieben durchgeführt wurden.

Bei den Werkstatt-Reklamationen steht das Thema „Höhe der Rechnung" (3794 Fälle) ganz oben, dann folgt der Punkt „unsachgemäße Arbeit“ (3435 Fälle), und auf Platz Drei landen nicht in Auftrag gegebene und trotzdem durchgeführte Arbeiten (2880 Fälle). Bei den Gebrauchtwagen-Schiedsstellen waren laut ZDK „technische Mängel" am erworbenen Fahrzeug der Hauptgrund (1382 Fälle), gefolgt von den Themen „Unfallschaden“ (243 Fälle) und „fehlerhafte Gesamtfahrleistung“ (41 Fälle).

Geleitet wird die Schiedskommission von einem zum Richteramt befähigten Juristen. Hinzu kommen Vertreter des Kfz-Gewerbes und des ADAC sowie ein Kfz-Sachverständiger der Deutschen Automobil-Treuhand. Bei Streitigkeiten aus Reparaturaufträgen ergänzt ein Sachverständiger einer anerkannten Prüforganisation das Gremium. Dadurch sollen sowohl die Handwerks- als auch die Verbraucherinteressen gleichermaßen berücksichtigt werden.

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