Düsseldorf - Kfz-Versicherungen: Saftige Strafen für Rabatt-Schummler

Kfz-Versicherungen: Saftige Strafen für Rabatt-Schummler

Von: amv
Letzte Aktualisierung:
kfz Versicherung symbol
Grundsätzlich sollten Versicherungskunden ihre Informationspflichten nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Düsseldorf. Bei der Berechnung einer Kfz-Haftpflicht-Police locken diverse Rabatte. Wer allerdings bei der Angabe von beitragssenkenden Merkmalen schummelt oder Änderungen nicht meldet, den erwarten im Schadenfall teils saftige Strafen. Das zeigt eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf bei zehn Gesellschaften.

Bei der Kfz-Versicherung lässt sich tüchtig sparen - nicht nur durch unfallfreies Fahren, sondern bereits bei Vertragsabschluss. Wer beispielsweise jedes Jahr weniger als 10.000 Kilometer fährt, den Wagen nachts in der Garage parkt oder ausschließlich selbst am Steuer sitzt, darf sich über Nachlässe freuen.

Mal können die Einschränkungen rund fünf Prozent Nachlass bringen, mal kann durchaus mehr als ein Drittel vom Jahresbeitag drin sein: etwa wenn der 19-jährige Sohn per Altersbeschränkung im Vertrag als Fahrer ausgeschlossen wird.

Doch wie reagieren Versicherer, wenn das Auto die vereinbarten Bedingungen nicht erfüllt? Bei zehn Gesellschaften hat die Verbraucherzentrale NRW nachgehakt. Das Ergebnis fasst Verbraucherschützer Georg Tryba zusammen: „Wer einen Schaden meldet, muss damit rechnen, dass Angaben im Vertrag kontrolliert werden. So lässt sich anhand des auf der Werkstattrechnung angegebenen Kilometerstands prüfen, ob das jährliche Kilometerlimit eingehalten wurde. Oder der Unfallbericht der Polizei gibt Aufschluss über Standort und Fahrer des Autos.“

Keine Prüfinstanzen sehen laut der Verbraucherzentrale Cosmos Direkt und Ergo vor. R+V, Württembergische, Axa, Allianz, HUK und LVM führen stichprobenartigen Kundenabfragen durch. Keine Angaben zu den Prüfverfahren wollten Provinzial und Generali machen.

„Branchenweite Einigkeit herrscht offenbar über die Konsequenzen, wenn der Kunde die Korrektur nicht mehr gültiger Angaben verbummelt hat“, schildert Tryba ein weiteres Umfrageergebnis: „Alle befragten Unternehmen gaben an, in diesem Fall den teureren Beitrag rückwirkend zum Beginn des Versicherungsjahrs nachzuberechnen.“

Bei der Axa kann sich darüber hinaus in der Kaskoversicherung „die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung um 500 Euro“ erhöhen. Etwa wenn ein Schaden (Unfall oder Zusammenstoß mit Tieren) durch einen Fahrer herbeigeführt wurde, der nicht zu den berechtigten Fahrzeugnutzern gehört. Oder wenn das Fahrzeug „am ständigen Wohnsitz zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr nicht in einer Garage abgestellt wurde, obwohl dies vereinbart wurde und der Abstellort den Eintritt oder die Höhe des Schadens beeinflusst hat“.

Noch teurer wird es, wenn Versicherungsnehmer beim absichtlichen Schummeln ertappt werden. Die Provinzial verlangt in diesem Fall eine Vertragsstrafe von 500 Euro, die Württembergischen kassiert 1.000 Euro. Sieben Anbieter verlangen als Strafe für das laufende Versicherungsjahr den doppelten Beitrag. Allein die HUK sieht über die rückwirkende Beitragsberechnung hinaus keine weitere Sanktion vor.

Besonders hart geht nach den Recherchen der Verbraucherschützer Cosmos Direkt ihre Kunden an. Im Gegensatz zur Konkurrenz sieht die Gesellschaft  schon bei leicht fahrlässiger Nichtanzeige von Änderungen eine Vertragsstrafe vor. Diese Klausel hält die Verbraucherzentrale NRW für rechtlich fraglich.

Grundsätzlich sollten Versicherungskunden ihre Informationspflichten nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn nach einem Unfall offenkundig wird, dass der wenige Wochen zuvor gemeldete Kilometerstand drastisch überschritten ist, kann daraus schnell der Nachweis der vorsätzlichen Falschangabe abgeleitet werden. Deshalb sollten Kunden sich zügig melden, wenn der Grund für eine Beitragssenkung entfällt.

Wer sparen will, sollte dann besser die Angebote der Konkurrenz vergleichen - und eventuell den Versicherer wechseln. Wichtig zu wissen: „Auch wer Änderungen bei den Tarifmerkmalen nicht angezeigt hat, braucht im Schadenfall bei allen Gesellschaften auch als Verursacher keine Auswirkungen auf den Versicherungsschutz befürchten“, beruhigt Tryba. Allerdings kann die Assekuranz danach von ihrem Recht Gebrauch machen, den Vertrag zu kündigen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert