Infiniti Q30: Eine unbekannte Größe

Von: Norbert Michulsky
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Infiniti
Eine recht unbemerkte Größe im Straßenverkehr: Der Infiniti Q30 ist ein Kooperationsmodell von Daimler mit der Renault-Nissan-Gruppe. Foto: Infiniti

Brühl. „Was für ein Logo ist das?“ Mit dieser Frage ist zu rechnen, wenn man mit einem Infiniti-Modell vorfährt. Die Erklärung, dass es sich dabei um die seit 2008 auf dem deutschen Markt agierende Edelmarke von Nissan handelt, schafft zwar Klärung. Die hält aber nur solange an, bis ein Blick ins Passagierabteil des Q30 fällt.

Der kompakte Viertürer trägt nämlich eindeutig das Interieur von Mercedes zur Schau. Wie passt denn das nun wieder zusammen? Das Geheimnis dahinter ist die Kooperation von Daimler mit der Renault-Nissan-Gruppe. Und das Crossover-Modell Q30 steht auf der gleichen Plattform wie die A-Klasse. Ähnlich wie die Stuttgarter SUV-Variante GLA bietet der 4,42 Meter lange Q30 etwas mehr Bodenfreiheit sowie eine leicht erhöhte Sitzposition.

Abgesehen davon ist rein äußerlich von Gemeinsamkeiten aber so gut wie nichts zu entdecken. Im Gegenteil. Dank der dynamischen, messerscharf gezogenen Linien - in die selbst die Türgriffe integriert sind - oder der nach hinten abfallenden Dachlinie hebt sich der Infiniti klar von seinem deutschen Halbbruder ab. Dazu tragen beispielsweise raffinierte Details wie die zackige Chromspange am Ende der Seitenfenster bei, die dem Wagen ein gewisses Etwas geben. Im hochwertig wirkenden Innenraum ist die Zusammenarbeit der beiden Autohersteller dafür umso deutlicher zu erkennen.

Ob Armaturenträger (lederbezogen in der Premium-Ausstattung) oder sämtliche Grafiken, ja sogar die Eigenheiten von Mercedes, Blinker und Scheibenwischer in einen Hebel am Lenkrad links zu verpacken oder die Sitzeinstellung an der Tür unterzubringen - alles haben die japanischen Techniker übernommen. Ebenso einfach wie man es von Produkten mit dem Stern kennt, lassen sich deshalb sämtliche Instrumente bedienen.

Ausnahme: Der zentrale Bedienknopf für die Steuerung von Navigation, Radio oder Menü liegt so weit hinten in der Mittelkonsole, dass immer eine leichte Verrenkung der Schulter notwendig ist, um Veränderungen vorzunehmen. Bei der Navigation hat Infiniti zudem eine eigene Variante gewählt, die es nicht unbedingt einfacher macht, Informationen über Streckenführung oder Verkehrsinfos zu bekommen. Die Sitze hingegen bieten hohen Komfort, sind bequem und geben guten Seitenhalt. Und sie verfügen anders als viele andere Modelle dieser Klasse über Kopfstützen, die sich ebenfalls in der Horizontalen verändern lassen.

Das macht es möglich, eine wirklich wirbelsäulenfreundliche Haltung während der Fahrt einzunehmen Der Kopf wird nicht nach vorne gedrückt. Sehr angenehm. In der zweiten Reihe haben Reisende dank eines 2,70 Meter langen Radstands ausreichend Knie- und Fußfreiheit. Einzig der Weg dorthin gestaltet sich nicht ganz so geschmeidig, da die Türöffnung relativ schmal ist. Dafür können die Fondinsassen ungestört den Blick in den Himmel dank des großen Panoramadachs (Aufpreis: 650 Euro) genießen.

Das Gepäck für vier Personen lässt sich ohne weiteres im Kofferraum mit einem Volumen von 430 Litern verstauen. Nach dem Umklappen der Rücksitzlehne wächst das Abteil auf eine Größe von bis zu 1200 Litern. Die fast 1,50 Meter lange Ladefläche ist dann fast eben, die Ladekante gerade noch in einer akzeptablen Höhe, so dass der Rücken nicht zu sehr strapaziert wird, wenn es Getränkekisten oder Gepäck zu verstauen gilt. Deutlich strapazierter wirkt dagegen der Basis-Diesel mit 1,5 Litern Hubraum (109 PS).

Während sich der Selbstzünder im Stadtverkehr noch agil und leichtfüßig verhält, geht ihm bei höheren Geschwindigkeiten die Luft aus. Der sechste Gang ist zudem so lang ausgelegt, dass Überholmanöver oder ein Wiederbeschleunigen zur Geduldsprobe werden. Ein Runterschalten des manuellen Sechsgang-Getriebes - mit angenehm kurzen Wegen - hilft dann nur noch bedingt.

Dem Maximaldrehmoment von 260 Newtonmetern, das zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen anliegt, muss eben irgendwann Tribut gezollt werden. Einmal in Fahrt arbeitet das Aggregat allerdings so laufruhig und zurückhaltend, dass man kaum meint, in einem Diesel zu sitzen. Umso erfreulicher ist ein Durchschnittsverbrauch von etwas mehr als fünf Litern (Normverbrauch 4,1 Liter) selbst bei einigen durchaus zügig absolvierten Fahrabschnitten. Tadellos auch das Fahrverhalten des Q30.

Bei Fahrwerk und Dämpfer haben die Techniker eine wirklich gute Mischung aus Komfort und Sportlichkeit gewählt. Auf kurvigen Landstraßen kann der Kompakte, wenn er denn erst mal in Fahrt ist, agil bewegt werden, ohne dass es dem Fahrer Mühe bereitet, mit dem Wagen in der Spur zu bleiben. Passend dazu eine präzise reagierende, geschwindigkeitsabhängige Servo-Lenkung. Angenehm großzügig ist die Premium-Ausstattung des Edel-Nissans. Außer sieben Airbags sorgen Spurverlassenswarner oder Auffahrwarnsystem mit Stopp-Funktion für passive Sicherheit.

Zudem sind Klimaautomatik, Audio-CD-System inklusive zwei USB-Anschlüssen, Regensensor, beheizbare, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Parksensoren hinten und Zentralverrieglung im Preis von 29.140 Euro enthalten. Ein vergleichbarer Sternenträger würde knapp 31.000 Euro kosten. Gönnt man sich im Q30 noch das Navigationssystem (1560 Euro), das Technik-Paket mit schlüssellosem Zugang, Rückfahrkamera und Parkassist samt Umfeld-Beobachtung (1170 Euro) addieren sich 32.520 Euro beisammen. Sabine Neumann

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