München - Horror Autobrand: Hilflose Helfer und fehlende Feuerlöscher

Horror Autobrand: Hilflose Helfer und fehlende Feuerlöscher

Von: Norbert Michulsky, dapd
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autobrand symbolbild dpa
Ein Auto brennt an einer Autobahn.

München. Schier pausenlos kracht es, fliegen Autos durch die Luft, explodieren oder fackeln spektakulär ab - mehr als 4.100 mal seit 1996. Wer auch immer für den RTL-Dauerbrenner „Alarm für Cobra 11” die Fahrzeuge präpariert, er hat genug zu tun.

Wiederholt schon kassierte die Stunttruppe um Hermann Joha für ihr flammendes Inferno internationale Preise. „Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus”, weiß der 52-Jährige: „So schnell brennt nach einem Unfall ein Fahrzeug normalerweise nicht und selbst wenn, kommt es nicht zu einer Explosion.” Es bleibe also auf jeden Fall ausreichend Zeit zur Rettung.

„Der Anteil von Autos, die nach einem Unfall in Brand geraten, liegt nach wie vor bei unter einem Prozent”, rückt Jochen Oesterle vom ADAC in München die gefilmte Welt zurecht. Immerhin, „in 2011 gab es in der Schadenart Brand und Explosion 16.000 Schäden mit einem Aufwand von 61 Millionen Euro ”, sagt Stephan Schwede vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), „wobei dies nicht heißt, dass jedes dieser Fahrzeug komplett abgebrannt ist”.

Viele Unfallzeugen reagieren panisch

Wichtiger ist allerdings, das Leben verunglückter Fahrzeuginsassen zu retten. „Doch vielfach bleiben Helfer tatenlos stehen”, weiß ADAC-Mann Oesterle, vielleicht auch deshalb, weil sie die spektakulären Filmszenen im Kopf haben. „Derartige Horrorszenarien lassen viele Leute panisch reagieren und falsch handeln. Aus Angst vor einer drohenden Explosion trauen sich Unfallzeugen oft nicht, sich einem in Brand geratenen Fahrzeug zu nähern und helfend einzugreifen”, schildert die Verkehrspsychologin Marion Seidenberger vom österreichischen Automobilclub ÖAMTC ihre Beobachtungen.

Brand-Untersuchungen im Allianz Zentrum für Technik (AZT) zeigten, dass Flammen sich verhältnismäßig langsam ausbreiten. ATZ-Brandspezialist Carsten Reinkemeyer sagt: „Bis ein Wagen komplett in Flammen steht, vergehen bis zu acht Minuten und solange keine Flammen im Innenraum sind, sind Rettungsversuche möglich, Erfolg versprechend und für einen Helfer noch nicht mit einem erhöhten Risiko verbunden.” Dass Rettung möglich ist, machten Versuche des AZT deutlich. So stieg erst nach sechs Minuten Branddauer die Temperatur im Innenraum steil an, erreichte kurz darauf dann allerdings mehr als 100 Grad. Zugleich sank im Fahrzeuginneren die Sauerstoffkonzentration, während die tödliche Kohlenmonoxid-Konzentration dramatisch stieg.

Kurze Löschstöße

Zumeist entstehen Fahrzeugbrände nicht durch Unfälle, sondern durch Kurzschlüsse, undichte Ölleitungen, also durch technische Defekte. Deshalb können sie, bevor der Innenraum brennt, mit einem Handfeuerlöscher wirksam niedergehalten werden. Wie das geht, schildert ADAC-Mann Oesterle: „Flammen müssen im Brandherd immer von unten bekämpft werden.” Um besser an den Entstehungsort des Feuers heranzukommen, sollte die Motorhaube nur einen Spalt geöffnet werden, um „mit kurzen Löschstößen in den Motorraum zu sprühen”. Keinesfalls dürfe man die Haube ganz aufreißen. Verpuffungen könnten die Folgen sein. Der zusätzliche Sauerstoff fache das Feuer an.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Löscheinsatz ist für ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl die genaue Kenntnis des Feuerlöschers. Deshalb sollte man sich nach dem Kauf eines Feuerlöschers intensiv mit dessen Funktionsweise auseinanderzusetzen, empfiehlt der Fachmann und schickt sogleich eine Warnung hinterher: „Nach einem selbst gelöschten Brand darf das Auto übrigens keinesfalls gestartet werden, weil das Feuer neu entflammen könnte.”

Feuerlöscherpflicht in Polen

Hat man keinen eigenen Feuerlöscher an Bord oder ist die Pulverladung nach dem ersten Löschangriff verbraucht, sollte ein Lkw oder Bus gestoppt werden. Busse und Gefahrgut-Lkw sind gesetzlich verpflichtet, einen Fünf-Kilo-Löscher an Bord zu haben. Doch vor den Löschversuchen sollte zuerst die Feuerwehr alarmiert werden. „Nur sie kann noch etwas ausrichten, wenn die Flammen bereits auf den Innenraum übergreifen oder Insassen eingeklemmt sind”, gibt Oesterle zu bedenken.

Grundsätzlich empfehlen die Fachleute, einen Feuerlöscher an Bord zu haben, wie es beispielsweise für in Polen angemeldete Autos Pflicht ist, und der handliche Brandbekämpfer sollte die DIN EN 3 erfüllen. Besonders geeignet und sehr handlich sind Zwei-Kilogramm-ABC-Pulverlöscher, zu denen auch die Sachverständigenorganisation GTÜ rät. Deren Experten haben noch eine weitere Empfehlung parat: Jeder Feuerlöscher sollte alle zwei Jahre von einem Fachmann überprüft werden.

Nach den Beobachtungen der Fachleute sind Fahrzeugbrände in den letzten Jahren seltener geworden, finden sich zumeist bei älteren Fahrzeugen und wären bei ausreichender Wartung wohl vermeidbar. Und wenn ein neuer Wagen dennoch in Flammen aufgeht, dann hat das nach den Beobachtungen von ADAC-Mann Oesterle vielfach andere Gründe: „Mal können die Leasingraten nicht mehr bewältigt, mal ein kapitaler Motorschaden nicht bezahlt werden oder es findet sich kein Käufer.”

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