Gefährliche Fehler beim Reifenwechsel

Von: amv
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München. Schätzungsweise rund ein Viertel aller Autobesitzer wechselt in Eigenregie von Sommer- auf Winterreifen und macht dabei mitunter gefährliche Fehler. „Die Radschrauben dürfen weder zu wenig, noch - was sehr häufig passiert - zu stark angezogen werden“, warnt Michael Staude, Bereichsleiter Reifen und Räder bei TÜV Süd in München.

Wer nach dem Prinzip „so fest es geht“ handelt, kann leicht Aluminiumfelgen oder gar die Radnaben schädigen. „Ein Drehmomentschlüssel ist unbedingt zu empfehlen“, legt der Fachmann Hobbyschraubern ans Herz und „häufig vergessen wird die gründliche Reinigung der Anlageflächen an Naben und Felgen“.

 Neuwagen müssen inzwischen in der gesamten EU mit einem Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) ausgestattet sein. Etliche Hersteller montieren es an vielen Modellen bereits länger. Je nach Funktionsweise benötigen auch die Winterräder Sensoren. Andernfalls wird im Cockpit eine Warnung angezeigt. Die Lampe kann aber nach einem Räderwechsel auch ohne Fehler für ein paar Kilometer leuchten. „Diese Strecke brauchen manche Systeme zur Kalibrierung“, weiß Staude. Die Betriebsanleitung gibt darüber Auskunft.

 Gesetzlich genügt in Deutschland in der kalten Jahreszeit eine Profiltiefe von 1,6 Millimeter. „Das ist viel zu wenig“, gibt Staude zu bedenken. Er empfiehlt mindestens vier Millimeter. Wer in bestimmte Länder reist, muss im Winter ohnehin mehr Profil zeigen. Österreich verlangt bei Winterreifen vier, Schweden drei Millimeter. Doch die Profiltiefe allein ist nicht alles. „Mit zunehmendem Alter nimmt der Verschleiß ab; gleichzeitig wird das Gummi härter. Das verschlechtert die Wintereigenschaften“. Staude empfiehlt, bei Reifen, die älter als sechs Jahre sind, den Rat eines Fachmanns einzuholen.

 Von Oktober bis Ostern“ - so lautet die Faustregel für Winterreifen auf deutschen Straßen. „Juristische Bedeutung hat sie jedoch keine“, erläutert Rechtsanwalt Swen Walentowski, Sprecher der Deutschen Anwaltauskunft. Die Straßenverkehrsordnung kenne keinen bestimmten Zeitraum im Kalender, in dem Winterbereifung vorgeschrieben ist. Dies ist allerdings in anderen europäischen Ländern durchaus der Fall, etwa in Tschechien. Wer in der kommenden kalten Jahreszeit eine Autofahrt ins Ausland plant, sollte sich vorher informieren.

 In Deutschland herrscht hingegen „situative Winterreifenpflicht“. „Die Bereifung ist also abhängig von den tatsächlichen Straßenverhältnissen. Herrschen Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch oder Reifglätte, darf ein Kraftfahrzeug nur gefahren werden, wenn es die erforderlichen Reifen besitzt“, gibt Walentowski zu bedenken. Wer bei derartigen Wetterverhältnissen mit Sommerreifen fährt, riskiere bei einer Kontrolle durch die Polizei ein Bußgeld von mindestens 60 Euro und einen Punkt in Flensburg (§ 2 Abs. 3a StVO). Behindert der sommerbereifte Autofahrer den Verkehr oder verursacht er gar einen Unfall, falle die Strafe höher aus.


 Bei einem Unfall können sich falsche Reifen auch auf die Haftung auswirken. „Einem Autofahrer, der bei Schnee mit Sommerreifen unterwegs ist, kann eine Mitschuld am Unfall zugesprochen werden - egal, ob er Unfallverursacher oder Geschädigter ist“, warnt der Rechtsanwalt: „Die jeweilige Versicherung übernimmt dann möglicherweise nicht den kompletten Schaden.“

 Von Rechts wegen erfüllen derzeit Reifen für den Winter die deutschen Vorschriften, die mit M+S oder M&S markiert sind. Doch diese Bezeichnung sagt nur sehr wenig über die Tauglichkeit bei Eis und Schnee. Überzeugender ist das Schneeflockensymbol, das TÜV Süd dann auch zur Orientierung empfiehlt. Es garantiert ein Mindestmaß an Wintereigenschaften. „Die Produkte der Markenhersteller erfüllen die Kriterien“, schildert TÜV Süd-Fachmann Staude seine Erfahrungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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