Fahrerflucht nach Blechschäden nimmt zu

Von: amv
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Seltenes Bild: Unfallgegner tauschen ihre Daten aus um den Schaden begleichen zu lassen. Bei Blechschäden flüchten viele Verursacher, im Glauben, dass sie niemand beobachtet hat. Symbolbild: dpa

Stuttgart. Immer mehr Autofahrer entfernen sich unerlaubt vom Unfallort, nachdem sie einen Sachschaden verursacht haben. Zu diesem Schluss kommt der Auto Club Europa (ACE) nach einer bundesweiten Umfrage von Polizeibehörden.

 „Demnach dürfte allein die Zahl der angezeigten Fluchtdelikte pro Jahr bei deutlich über 500.000 liegen“, erläutert Clubsprecher Rainer Hillgärtner in Stuttgart und „die Tendenz ist steigend.“ Grundsätzlich müsse der Umfang der Unfallfluchten noch viel größer eingeschätzt werden, weil nicht jeder Schaden überhaupt bekannt und angezeigt werde. Zudem gebe es keine bundesweite Statistik, in der diese Straftaten erfasst würden.

„Damit fehlt ein öffentliches Bewusstsein für die dramatische Entwicklung bei Unfallfluchten mit Sachschäden“, kritisiert ACE-Rechtsexperte Florian Wolf. Unfallflucht, auch als Fahrerflucht bezeichnet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet. Wolf rät jedem Verkehrsteilnehmer, immer am Unfallort zu bleiben und sofort die Polizei zu verständigen oder verständigen zu lassen. „Wer in der Nacht oder auf einer einsamen Landstraße einen Schaden verursacht darf sich nach einer angemessenen Zeit von rund 30 Minuten vom Unfallort entfernen, muss aber den Schaden sofort anzeigen“, erläutert der Jurist.

Ganz wichtig: Wer einmal unerlaubt die Unfallstelle verlassen hat, hat stets eine Unfallflucht begangen. Durch tätige Reue, also einer Nachmeldung innerhalb von 24 Stunden, kann der Unfallfahrer lediglich eine Strafmilderung erreichen. „Die Nachmeldung ist zudem nur dann gültig, wenn lediglich ein Kleinschaden an einem geparkten Auto, Straßenzeichen oder sonstigem Gegenstand entstanden ist“, ergänzt Wolf. „Ein Dollpunkt ist allerdings, dass ein Laie kaum verlässlich die Höhe eines von Schadens taxieren kann, es sei denn, beispielsweise nur ein Blinkerglas ging zu Bruch“, gibt der Jurist zu bedenken. Deshalb solle man im Zweifel die Polizei informieren.

Nach der Auswertung des ACE nahm die Unfallflucht 2013 in Bayern gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent und in Baden-Württemberg um 2,2 Prozent zu. Steigende Zahlen gibt es zudem in Berlin (2,1 Prozent), Hessen (1,1), Nordrhein-Westfalen (0,4), dem Saarland (1,7), Sachsen-Anhalt (0,1) und Thüringen (2,3). Basis der ACE-Erhebung waren die Unfallstatistiken in elf Bundesländern für das Jahr 2013 und in Niedersachsen für das Jahr 2012. Für die Gesamtzahl aller Unfallfluchten wurden die Daten für die Länder Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bremen anhand der Zulassungszahlen hochgerechnet.

Rund 95 Prozent aller Taten entfallen laut dem ACE auf Fluchten nach einer Sachbeschädigung. „Diese offizielle Statistik liefert allerdings ein verzerrtes Bild“, kritisiert Hillgärtner: „Sie entwickelt sich nämlich positiv, weil dort nur das unerlaubte Entfernen vom Unfallort nach einem Personenschaden oder schwerem Sachschaden erfasst wird.“ Nach dieser Statistik sank die Zahl der Beteiligten an einer Unfallflucht nach einem Personenschaden zwischen 2009 und 2013 um 1459 Personen oder 5,3 Prozent. Im gleichen Zeitraum aber stiegen die Unfallfluchten insgesamt beispielsweise in Nordrhein-Westfalen um sechs Prozent, in Berlin um 8,7 Prozent und in Bayern sogar um 13,5 Prozent.

„Möglicherweise verstärken geringe Aufklärungsquoten den Fluchttrend“, mutmaßt Hillgärtner. So wurden beispielsweise in Bayern 2013 nur rund 39 Prozent der Taten aufgeklärt. In Hessen waren es 40 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 46 Prozent. „Weil es bei Fluchten mit Personenschäden eine höhere Aufklärung gibt, muss schätzungsweise etwa nur jeder dritte Täter, der nach einem Sachsachen flieht, mit Entdeckung rechnen“, meint Hillgärtner.

Bei den meisten Unfallfluchten sind die unschuldigen Opfer die Dummen. Zwar tritt die Vollkaskoversicherung für den Schaden am Fahrzeug ein. „Doch durch die Selbstbeteiligung von üblicherweise 300 Euro und dem Verlust eines Teils des Schadenfreiheitsrabatts, muss der Betroffene insgesamt meist 1000 Euro selbst bezahlen“, kalkuliert ACE-Jurist Wolf. Daher würden viele Schäden wohl erst gar nicht gemeldet, vermutet er. So oder so müssen die Opfer die Zeche zahlen, denn spätestens beim Verkauf des Autos, wirkt sich beispielsweise der eingedrückte Kotflügel negativ auf den Preis aus.

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