„Erlebniswelt Elektromobilität” weckt Interesse für Stromer

Von: Berthold Strauch
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Außergewöhnliches Design: Au
Außergewöhnliches Design: Auch der elektrisch angetriebene Kleinwagen „Twizzy” fand große Aufmerksamkeit. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die zweite Auflage der Aachener „Erlebniswelt Elektromobiltät” trug ihren Namen völlig zu Recht: Eine große Vielfalt von Fahrzeugen, die bereits jetzt mit Strom betrieben werden, war auf dem historischen Katschhof zwischen Dom und Rathaus aufgeboten - und konnte von den zahlreichen Interessierten nach Herzenslust ausprobiert werden.

Dies galt zum Beispiel für das ein wenig seltsam anmutete Zweisitzer-Modell „Twizzy” von Renault, das ein wenig an den altehrwürdigen „Kabinenroller” erinnert, aber hochmoderne Technik aufbietet und den Aachener Autohändler für die Veranstaltung beigesteuert hatten. Auf einem abgesteckten Parcours drehten die Elektroautos beinahe lautlos ihre Runden - und machten damit Lust auf die neue mobile Zukunftswelt.

Streetscooter als Star

Auch elektrisch betriebene Fahrräder, die Pedelecs, waren dort genauso unterwegs wie Segways oder andere, bereits heute im Handel erhältliche Stromautos. Der heimliche „Star” der Erlebniswelt, der in Aachen entwickelte Streetscooter, konnte indes nicht praktisch ausprobiert, sondern nur kräftig bestaunt werden. Doch das weiß-blaue Gefährt machte auch so schon mächtig genug Eindruck.

Professor Achim Kampker, Geschäftsführer der Streetscooter GmbH und Chef des Lehrstuhls für Produktionsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH, arbeitet mit einem kleinen Team von Spezialisten und insgesamt 80 Partnern aus der Industrie an der Serienreife dieses Fahrzeuges. Die ersten Modelle, so kündigte der Manager und Wissenschaftler an, sollen spätestens Ende 2013 auf den Straßen der Region und darüber hinaus zu sehen und zu erleben sein.

Kampker ließ erkennen, dass eine erste Serie etwa 2000 bis 3000 Exemplare umfassen soll. Dafür kündigte er einen Preis von rund 13 500 Euro an. Angesichts spürbar geringerer Betriebskosten dürfte diese Summe vergleichbar mit einem heutigen Modell sein, das von einem Verbrennungsmotor angetrieben wird. Kommt dann der erhoffte Marktdurchbruch, etwa mit einer Stückzahl von bis zu 100.000 Exemplaren, soll sich die Preisrelation in Richtung der 5000 Euro (ohne Batterien) orientieren, die bekanntlich zu Beginn der Projektphase als Kaufsumme genannt worden waren.

Und es soll auch nicht bei einer einzigen Modellvariante bleiben. Bis zu sechs Derivate, also „Ableitungen” vom Grundmodell, könnten eines Tages hergestellt werden. Schon jetzt wird bei der Streetscooter GmbH intensiv an einer Variante gearbeitet, die für wirtschaftliche Bedürfnisse ausgelegt werden soll. Sprich: Das Team hat einen Entwicklungsauftrag der Deutschen Post ergattern können, bei dem es um ein elektrisch betriebenes Auslieferfahrzeug für Brief- und Paketboten gehen wird.

Dieses Modell soll exakt auf die Bedürfnisse der Postler zugeschnitten werden - insbesondere das unerlässliche und technisch stressige Dauer-Stop-and-Go von Haustür zu Haustür aushalten, ohne zu mucken oder gar auszufallen. Werden die Streetscooter-Macher den Erwartungen der Post gerecht, winkt ein Riesenmarkt. Immerhin setzt der Dienstleister derzeit 40.000 Fahrzeuge in der Zustellung ein.

Einen weiteren attraktiven Nischenmarkt haben zwei Professoren der Fachhochschule Aachen fest im Blick: Thomas Ritz und Thilo Röth arbeiten an einem Stromer, der als erster weltweit speziell auf die Bedürfnisse der Carsharing-Branche zugeschnitten werden soll. Das Konzept nennt sich „EC2Go”, Elektroauto zum Mitnehmen sozusagen. Mit 2,50 Metern Länge soll das Fahrzeug kürzer als ein Smart werden und trotzdem genug Platz für bis zu drei Personen bieten.

„Weil es Sie schon beim Einsteigen kennt”, verweisen die Entwickler auf die gespeicherten Informationen etwa über Sitz- und Spiegeleinstellung im Auto, wie es die Nutzer gerne hätten, dürfte die Akzeptanz schnell wachsen. „Reinsetzen und in wenigen Sekunden verstehen”, das ist die Devise. Maximal neun Knöpfe gilt es zu bedienen. Das Auto soll eine „bagatellschadenfreundliche” Außenhaut haben und auch innen ganz bequem mit dem Wasserschlauch zu reinigen sein. Ende dieses Jahres soll das noch geheim gehaltene Design des Wagens präsentiert werden.

Für Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp geht es bei der Förderung der Elektromobilität in seiner Stadt insbesondere auch um die „Steigerung der Lebensqualität”, wie er betont. Sie könne zur Lösung der Verkehrsprobleme einen wichtigen Beitrag leisten. Aachen habe „ein Interesse daran, dass die Elektromobilität nach vorne kommt, weil sie ein Problemlöser ist”, fügte er an. Er redete einem vernetzten Gesamtkonzept das Wort, in dem neben dem Individualverkehr auch der öffentliche Personennahverkehr eine wichtige Rolle spiele, verwies er auf das Konzept der Campusbahn.

Mittlerweile sei die Elektromobilität, der er eine „Riesenchance” zutraue, „aus den Nischen, den Hinterzimmern angekommen in der Mitte der gesellschaftlichen Diskussion und der wirtschaftlichen Relevanz”, mit der „Märkte erobert” werden können, sagte Philipp. „Anfassen, ausprobieren, drüber reden - die Türen der Stadt sind weit geöffnet”, bekräftigte der Oberbürgermeister.

Zahlreiche Unternehmen, insbesondere die am Streetscooter-Projekt beteiligten Industriefirmen, nutzten - neben Hochschulinstituten - die „Erlebniswelt”, um sich in einer Ausstellung im Krönungssaal zu präsentieren.
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