Wolfsburg - Eine Alternativlösung: Der VW Golf Caddy TGI

Eine Alternativlösung: Der VW Golf Caddy TGI

Von: amv
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Volkswagen Symbol Symbolbild: dpa/Rainer Jensen
Elektromobilität ist angesagt: Der VW-Konzern rückt den Gasantrieb wieder ins Scheinwerferlicht. Symbolbild: dpa/Rainer Jensen

Wolfsburg. Elektromobilität ist angesagt und just da rückt der VW-Konzern in Verbund mit Unternehmen aus der Gas- und Mineralölwirtschaft den Gasantrieb wieder ins Scheinwerferlicht. Aus Verbrauchersicht eigentlich eine durchaus überlegenswerte Idee.

Hat die fast schon totgesagte Technologie doch auf jeden Fall den Vorteil, dass die entsprechenden Fahrzeuge sowohl verfügbar als auch bezahlbar sind. Bleibt die Frage, wie gestaltet sich der Alltag damit? Ein Beispiel dafür ist der VW Caddy TGI.

Die Pkw-Version des Stadtlieferwagens lässt zunächst einmal weder außen noch im Innenraum den alternativen Antrieb erkennen. Kein Unterschied zu den Diesel- oder Benzinversionen. Anders als bei denen aber machen sich angesichts einer Fahrt zum knapp 200 Kilometer entfernten Ziel andere Gedanken breit.

Wie wird es auf der Strecke oder am Ziel mit dem Tanken sein mit dem von Compressed Natural Gas (CNG) angetriebenen Auto? Liegen ausreichend der derzeit bundesweit etwa 900 Anlaufstellen (bis 2025 sollen es 2000 werden) an der Strecke?

Überlegungen, die an und für sich unsinnig sind. Denn bei der aktuellen Caddy-Generation sind im Unterboden deutlich größere Tanks für den flüchtigen Antriebsstoff untergebracht als zuvor. Vier Behälter mit einem Gesamtfassungsvolumen von 26 Kilogramm Gas sind im TGI ohne Einschränkung des Ladevolumens oder der Nutzlast untergebracht. Das darin gespeicherte CNG liefert die notwendige Energie, um den 110 PS starken 1,4-Liter-Motor zu befeuern.

Und VW verspricht eine Reichweite von gut 600 Kilometern. Dazu unterstützt ein Benzintank mit 13 Litern Fassungsvermögen nicht nur bei der Start- und Warmlaufphase des Aggregats. Er dient ebenfalls als kleine Reserve, beziehungsweise vergrößert die Reichweite um etwa 100 Kilometer. Mit einem Normverbrauch von 4,1 Kilogramm (kg) ist der Kraftstoffverbrauch um 28 Prozent im Vergleich zum Vorgänger (5,7 kg) gesunken. Ein Kilogramm CNG entspricht einem Energiegehalt von 1,5 Litern Benzin beziehungsweise 1,3 Litern Diesel.

Das TGI-Aggregat zeigt bei Antritt und Beschleunigung keinerlei Schwächen. Hier scheint sich bezahlt zumachen, dass die VW-Techniker Erdgasfähigkeit des Motors bereits bei der Grundentwicklung berücksichtigt haben. Beispielsweise wurden Zylinderkopf und Ventiltrieb genauso wie Kurbeltrieb, Kolben, Leitungen und Ventile auf den Gasbetrieb ausgelegt.

Das gilt desgleichen für das Steuergerät sowie Katalysator und Abgasturbolader. Das maximale Drehmoment von 200 Newtonmetern (Nm) zwischen 1500 und 3500 Touren entspricht dem des Benziners. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 170 erreicht. Die Kraft wird serienmäßig über eine Sechsgang-Schaltung übertragen.

Schon die zurückhaltenden Arbeitsgeräusche sorgen für eine entspannte Fahrt. Die Tatsache, dass die Reichweite tatsächlich nur unwesentlich geringer ist als versprochen, trägt zur weiteren Entspannung bei. Natürlich ist es ungewohnt, nicht an jeder beliebigen Tankstelle für Nachschub sorgen zu können.

Doch je nach Wohnort genügt erfahrungsgemäß eine kleine Änderung der Fahrstrecke zwischen zuhause und Arbeitsplatz, um dieses Manko auszugleichen. Die Tatsache, dass ein solches Triebwerk 25 Prozent weniger CO2 ausstößt als ein vergleichbarer Diesel oder Benziner und kaum Stickoxid- oder Rußpartikel-Emissionen in die Luft zu pustet, ist eigentlich Grund genug, solche Umwege ins Kakül zu ziehen.

Vollkommen unberührt von solchen Erwägungen bleibt das alltägliche Leben an Bord des Caddy. Der Fahrer kann sich seinen Arbeitsplatz dank des höhen- und längsverstellbaren Lenkrads sowie dem höhenverstellbaren (154 Euro) und wirklich bequemen Sitz ganz auf seine individuellen Bedürfnisse anpassen. Die Platzverhältnisse in dem 4,50 Meter langen Caddy sind aber auch für alle anderen Mitreisenden bestens. Die im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel teilbare Rücksitzbank im Fond dürfte zwar etwas stärker konturiert sein. Doch das Maß an Bein- und Kopffreiheit ist schlichtweg gut.

Was abgelesen, geregelt, ein- und ausgeschaltet oder kontrolliert werden muss, findet man in VW-typischer Architektur und Qualität vor. Weniger erfreulich ist jedoch der Einstiegspreis für den Caddy TGI. Die Pkw-Variante kostet in der höherwertig ausgestatteten Trendline-Version 25.210 Euro. Das sind 2404 Euro mehr als der vergleichbare Benziner.

Gönnt man sich zudem einige Extras wie das Multifunktionslenkrad (261 Euro), 16-Zoll-Leichtmetallfelgen (1160 Euro) oder ein so genanntes „Coll & Find-Paket“ (2421 Euro) mit unter anderem Klimatronic, sechs Lautsprechern, Radio-Navigationssystem und USB-Aux-Schnittstelle stehen am Ende 33.135 Euro unter dem Strich. Da tröstet dann nur die Zusicherung, dass die Steuerbegünstigung für CNG bis 2026 erhalten bleibt und der Aufpreis mit jedem Besuch an der Zapfsäule schmilzt. Das macht Erdgas dann doch noch zu einer Alternative, über die es sich nachzudenken lohnt.

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