Die richtige Reifengröße allein genügt bei Schnee nicht

Von: amv
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Wenn selbst mit guten Winterreifen nichts mehr geht, können Schneeketten oft die letzte Rettung sein. Auf dem Weg in die Alpen sollten deshalb auch jetzt noch Schneeketten im Gepäck mitzuführen sein. Symbolbild: dpa

München. Hierzulande hat sich wohl der Winter verabschiedet. Doch wer in den bevorstehenden Osterferien noch Spaß und Erholung in alpinen Wintersportorten sucht, sollte seine Winterausrüstung prüfen. „Schneeketten bringen einen noch vorwärts, wenn selbst mit guten Winterreifen nichts mehr geht“, weiß Vincenzo Luca von TÜV Süd in München.

Besonders Winterurlauber auf dem Weg in die Alpen sollten deshalb Schneeketten im Gepäck führen. An einigen Straßen in den Alpen und Mittelgebirgen sind zeitweise Schneeketten per Schild vorgeschrieben. Das gilt dann ebenfalls für Allradfahrzeuge, wenn sie nicht ausdrücklich per Zusatzschild ausgenommen sind.

Bei Verstößen drohen ein Bußgeld und bei Unfällen Probleme mit der Versicherung. Die Traktionshilfen aus Stahl haben sich ebenso wie die Automobiltechnik in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt und schon lange passt nicht mehr jeder Kettentyp zu jedem Auto und Antriebskonzept. Besonderes Augenmerk sollt man der Größe widmen.

Die Reifendimension der verwendeten Winterreifen muss exakt auf der Kettenverpackung stehen. „195/65-15 ist da etwas anderes als 195/60-15“, erklärt TÜV Süd-Fachmann Eberhard Lang. „Dass Betriebsanleitungen das Thema oft stiefmütterlich behandeln, kommt erschwerend hinzu“, bedauert er: „Gute Hinweise geben die Fachwerkstätten und die Internetseiten renommierter Kettenhersteller.“

Neben der Qualität ist der Montagekomfort ausschlaggebend für den Preis. Gute Seilketten sind für ein Fahrzeug der Golf-Klasse ab etwa 50 Euro zu bekommen. Eine Zulassungsvorschrift gibt es nur für Österreich. Dokumentiert wird sie durch die ineinander verschlungenen Buchstaben Ö und N für Ö-Norm. „Diese Norm sollte jede Kette erfüllen“, sagt der TÜV-Spezialist.

Bei Fronttrieblern sind die Radkästen inzwischen oft derart eng, dass ungeeignete Ketten anschlagen und Schäden verursachen können. Autohersteller reagieren, indem sie nur feingliedrige Ketten zulassen. Manchmal dürfen sie sogar keine Teile mehr auf der Innenseite des Rads aufweisen. Für größere Bereifungen geben die meisten Autobauer überhaupt keine Ketten mehr frei.

„Selbst wenn eine Kette theoretisch passen würde, kann es in der Praxis zu Problemen kommen“, schildert Eberhard Lang seine Erfahrungen. So seien einfachere Modelle bei engen Radkästen oftmals extrem schwierig zu montieren. „Innenhaken sind bei den heute gebräuchlichen engen Ausschnitten praktisch kaum noch mit den Händen zu erreichen.“

Bügelketten und selbstaufziehende Systeme seien hier die erste Wahl. Schnellmontagesysteme, die sich beim Anfahren automatisch aufziehen, sind universell einsetzbar. Sie haben zudem keine Teile an der Innenseite des Rads und passen deshalb auch in engste Radkästen. Diese aufwendigen und teuren Modelle bieten bei extremen Schneeverhältnissen allerdings nicht ganz die Traktion der anderen Bauformen.

Bei Heckantrieb empfiehlt der Fachmann Bügelketten. Sie lassen das Kettennetz von allein hinter das Rad schnappen und stellen in der Praxis die Mindestanforderung für eine Schneekette bei Heckantriebsfahrzeugen dar. Natürlich sind auch selbstaufziehende Schnellmontagesysteme geeignet. Bei Allradlern kommt es darauf an, auf welcher Achse die Hauptantriebskraft übertragen wird. Zu diesem Punkt unbedingt die Betriebsanleitung lesen.

Je nachdem, welche Räder überwiegend die Kraft übertragen, gelten die Tipps für Front- und Heckantrieb. Die Fahrzeughersteller legen fest, welche Achsen mit Schneeketten bespannt werden dürfen. In der Regel ist es nur die Hauptantriebsachse. Bei reinen Geländefahrzeugen dürfen manchmal alle vier Räder auf Ketten rollen.

Ansonsten ist der Freiraum in den Radkästen gerade bei großen SUVs oftmals sehr klein. Die Fahrzeughersteller schreiben dann Schnellmontagesysteme vor, die keine Teile an der Innenseite haben.

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