Der Fluch des Baukastens: Zahl der Autorückrufe steigt

Von: amv
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Bergisch Gladbach. Die zunehmenden Gleichteile- und Plattformstrategie ist nach Einschätzung von Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive (CAM) der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, eine der Ursachen der steigenden Rückrufzahlen in der Autobranche. Einerseits sei diese Vorgehensweise ein wichtiger Erfolgs- und Überlebensfaktor für Hersteller, einschließlich erheblicher Kostenvorteile auch für die Käufer.

Andererseits werde das Verwundbarkeitsrisiko größer. „So kann ein fehlerhaftes Teil, etwa eines Zulieferers, das in verschiedene Modelle, wohl möglich sogar von verschiedenen Herstellern, eingebaut ist und mehrere Jahre verwendet wurde, millionenfache Rückrufe zur Folge haben“, erläutert der Branchenkenner.

Jüngstes Beispiel hierfür sind laut Bratzel die Airbagprobleme des japanischen Zulieferers Takata, die in diesem Jahr zu millionenfachen Rückrufen etwa bei Toyota, Honda und Nissan sowie BMW geführt haben. „Für Hersteller sind diese Rückrufe nicht nur teuer, sondern können auch das Qualitätsimage stark belasten“, gibt Bratzel zu bedenken.

Die Rückrufe der globalen Hersteller erreichten im ersten Halbjahr 2013 wieder das Negativniveau der Jahre 2009/2010. Nach Berechnungen des CAM ergibt sich unter den globalen Herstellern eine Rückrufquote von durchschnittlich 142 Prozent. Das bedeutet, es wurden 42 Prozent mehr Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen in die Werkstätten zurückbeordert als im gleichen Zeitraum an Neufahrzeugen abgesetzt werden konnten, da auch Modelle über zurückliegende Baujahre betroffen sind.

Zum Thema sicherheitsrelevante Produktmängel untersuchten Bratzel und seine Mitarbeiter als Referenzmarke den US-Markt. Von den 11,3 Millionen dort betroffenen Fahrzeuge des 1. Halbjahres 2013 entfallen über zwei Drittel auf Probleme mit Insassenschutzeinrichtungen (38 Prozent) sowie elektrischen Baugruppen (29,5 Prozent.

Weitere 27 Prozent der Mängel lagen im Motorbereich. Die restlichen Mängel verteilen sich auf andere Baugruppen wie Brems- und Lenkanlage sowie Fahrwerk und Karosserie.

Auch in Deutschland befinden sich die Rückrufe auf sehr hohem Niveau, errechnete das CAM. Im vergangenen Jahr wurden danach wegen erheblicher Mängel durch das Kraftfahrtbundesamt insgesamt 162 Rückrufaktionen eingeleitet, bei denen 824.000 Halter angeschrieben wurden. Damit wurden zwar nicht die Negativspitzenwerte von 2010/11 erreicht. Das Jahr 2012 war jedoch das Jahr mit den vierthöchsten Rückrufaktionen seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1998.

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